•  (Tatjana Schnalzger)

Die Milchproduktion geht zurück

Obwohl so wenig Milch wie schon lange nicht mehr im Umlauf ist, wird der Milchpreis niedrig gehalten. Viele Bauern stellen deshalb ihre Betriebe um, da sich die Milchwirtschaft kaum mehr lohnt. Die Organisation Uniterre setzt sich für eine Erhöhung des Milchpreises ein.

Immer mehr Milchbauern geben auf. Schon seit Längerem drücken Abnehmer den Milchpreis. Als Folge verringert sich die Milchproduktion, lautet die Folgerung des Schweizer Bauernverbandes. Nicht nur die Milchmenge nimmt ab, auch die Anzahl an Produzenten. Vergleicht man die Anzahl Betriebe vom Jahr 2017 und 2018, stellt sich heraus, dass die Zahl der Milchproduktionsbetriebe um 3,1 Prozent zurückging. Das waren zwei Betriebe täglich, die mit der Milchproduktion aufhörten. Per Ende 2019 lag die Anzahl an Milchproduzenten bei 19 048, das sind 520 weniger als im Jahr davor. Der Rückgang liegt jeweils bei denjenigen Grössenklassen, die weniger als 300 000 Kilogramm Milch pro Jahr produzieren. Im Gegensatz dazu haben die Produzenten der Grössenklassen mit mehr als 300 000 Kilogramm Jahresmilch durchwegs zugenommen. 

Auch im Kanton St. Gallen ist ein ähnlicher Trend zu beobachten. Ende 2018 verzeichnete man noch 2070 Milchbetriebe. Ein Jahr später war eine Abnahme von 51 auf 2019 Betriebe zu verzeichnen. Folglich ging auch die Milchproduktion zurück. Im Zeitraum zwischen 2018 und 2019 waren es 3000 Tonnen Milch weniger als zuvor. Peter Nüesch, Präsident St. Galler Bauernverband, beobachtet zusätzlich einen anderen Trend: «Die junge Generation ist bei Hofübernahmen nicht mehr dazu bereit, die hohe Arbeitsbelastung der Milchwirtschaft auf sich zu nehmen.» Sie würden oft auf andere Betriebszweige umstellen, so lautet seine Einschätzung.

In Liechtenstein hat die Milchhof AG ein eigenes Preismodell mit dem Liechtensteiner Milchverband vereinbart. Dieses orientiert sich in ­wesentlichen Zügen an dem Milchpreismodell der Branchenorganisation Milch in der Schweiz. «Tendenzen und Schwankungen sind daher fast immer parallel im Verlauf», erläutert Norbert Pustlauk, Geschäftsführer Milchhof AG. «Die Milchmengen in Liechtenstein sind insgesamt recht stabil.» In jüngster Zeit beobachtete Norbert Pustlauk allerdings eine Verlagerung von konventioneller Milch hin zu Bio-Milch. «Die Bauern haben ihre Produktion umgestellt», fügt er hinzu.

Sehr tiefe Produktion
Die Milchproduktion ist derzeit so tief wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Das zeigen die publizierten Daten der TSM Treuhand GmbH. Im Jahr 2019 wurden knapp 3,4 Millionen Tonnen Milch produziert. Letztmals lieferten die Milchproduzenten mit etwa 3,3 Tonnen im Jahr 2007 noch weniger von diesem Rohstoff. Demgegenüber ist die Käseproduktion weiter angestiegen. 

Trotzdem entschied die Branchenorganisation Milch, den Richtpreis für A-Milch bei 71 Rappen für das zweite Quartal des Jahres 2020 zu belassen. Eigentlich wäre laut der bäuerlichen Organisation Uniterre, die sich für eine nachhaltige Landwirtschaft einsetzt, eine Preiserhöhung fällig. Die Organisation stören zudem auch die Butterimporte. «Es ist erschreckend und entwürdigend, dass da die Notwendigkeit einer Erhöhung des Milchpreises für die Produzenten nicht einmal in Erwägung gezogen wird», schreibt Uniterre.

Milchkrise in Europa
Europa kämpft im Moment wegen des Coronavirus mit einer Milchkrise. Wie «Agrarheute» berichtete, haben verschiedene deutsche Molkereien dazu aufgerufen, rund 20 Prozent ­weniger Milch zu produzieren. Die verkleinerte Nachfrage von Gross-verbrauchern, der verarbeitenden Industrie und von Exporteuren könne nicht durch die gestiegene Nachfrage im Detailhandel kompensiert werden. In der Schweiz ist die Lage derzeit noch schwer abzuschätzen. 

Für das European Milk Board EMB und die Bauerngewerkschaft Uniterre ist diese Krise aber nur die letzte in einer Reihe für den Milchmarkt. Das Anhäufen von «Buttertürmen und Milchpulverbergen» habe in der Vergangenheit verhindert, dass der Milchpreis nach einer Krise wieder steigen konnte, heisst es in einer Medienmitteilung. Zuerst mussten jeweils die Lager abgebaut werden, bevor es ein Preissignal gab.

Weiter schreibt Uniterre, dass die Bauern in der Schweiz gezwungen seien, billige Milch im B-Segment für 45 Rappen zu liefern. Besonders stossend finde man, dass aus dieser günstigeren Milch nicht Butter, ­sondern Billigprodukte hergestellt werden. Dies, obwohl es derzeit in der Schweiz ein Butterloch gibt und ­Importe beantragt wurden. 

Die ­Rahmenbedingungen seien so ausgelegt, dass Molkereien voll ausgelastet seien, während Produzenten ihre Milch zu Dumpingpreisen verkaufen müssten. Uniterre fragt sich, ob dieser Zustand fair sei. Schliesslich sei es gerade der ständige ­Preisdruck, der die Landwirte zu Produktionsmethoden treibe. Auch die zusätzlichen Kosten für neue Umweltauflagen seien bei einem so tiefen Milchpreis schwer zu decken.  (ms)

 

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09. Mai 2020 / 18:56
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