• Suzie Candell
    Die neue CD von Suzie Candell ist geprägt von einer gewissen Sehnsucht. (Bild: pd)

"Von den schweren Dingen des Lebens lernen"

Mit fünf Jahren stand Suzie Candell zum ersten Mal auf der Bühne. Die Musik gehört zu ihrem Leben wie die Arbeit mit den Pferden. Beide Hobbys hat sie zu ihrem Beruf gemacht.

Als junge Frau zog es Suzie Candell mit gerade mal 21 Jahren für ein dreimonatiges Praktikum von Kempten (D) in die Ostschweiz. Die Region kannte sie bereits ein wenig, da ihr ehemaliger Manager in Buchs wohnte und ihr damaliger Freund in Sevelen. Ihr Studium Projekt- und Eventmanagement schloss sie kurz darauf ab und blieb weiterhin bei der Firma in Liechtenstein tätig. Seit da sind zwölf Jahre vergangen und nun ist sie verheiratet und wohnt in Gamprin. Sie musiziert gemeinsam mit ihrem Mann, was sie als grosses Geschenk betrachtet. In dem dreistöckigen Haus, in dem sie zur Miete wohnen, hat jeder seinen eigenen Bereich und täglich sind sie dankbar dafür, dass sie einander haben.
Als die Finanzkrise hereinbrach, traf dies die Liechtensteiner Firma, in der Suzie Candell arbeitete, mit voller Wucht. Um sich über Wasser zu halten, fing die junge Frau an, Reitstunden zu geben, und machte sich später als mobile Reitlehrerin selbstständig. «Die Jahre 2008 bis 2012 waren sehr prägend. Während dieser Zeit bin ich erwachsen geworden», erinnert sich die heute 33-Jährige. «Zum ersten Mal war ich auf mich alleine gestellt. Zuvor lebte ich bei meinen Eltern und bin sehr behütet aufgewachsen.» Dies sei ihr grosses Glück gewesen, dass ihre ­Eltern immer nach Möglichkeiten gesucht haben, ihre beiden Leidenschaften – die Musik und das Reiten – zu verwirklichen. Mit gerade mal fünf Jahren stand sie zum ersten Mal auf der Bühne und sang vor Publikum. «Ich fühlte mich total wohl und es hat mich gepackt», erzählt die Sängerin. 

Musik rückte in den Hintergrund

Während ihrer prägenden Phase rückte für Suzie Candell die Musik jedoch in den Hintergrund, da sie sich voll und ganz auf ihre Selbstständigkeit konzentrierte. Der Ausgleich fehlte ihr. Sie bezeichnet sich als einen sehr emotionalen Menschen. Die Musik half ihr jeweils durch schwere Zeiten, wie damals in der Schule und durch das Gefühls­chaos der Pubertät. «Meine Schulzeit war nicht besonders schön. Ich hatte viel Stress und wurde manchmal gemobbt. Wenn ich nach Hause kam, sang ich etwa zwei Stunden lang und dann ging es mir wieder besser», berichtet die kleine, zierliche Frau mit langen gewellten Haaren und den blauen Augen. Sie ist ein fröhlicher Mensch, der aber auch sehr nachdenklich sein kann.
Im Jahr 2012 fing sie wieder intensiv damit an zu musizieren und gründete die Band Suzie Candell and the Screwdrivers. Im Gegensatz zu früher begann sie, eigene Songs zu schreiben. 2015 war es dann so weit und sie nahm in Los Angeles ihr erstes Album auf. «In Deutschland habe ich zwar während meines ­Abiturs bereits eine Platte aufgenommen, aber kein Lied selbst geschrieben», fügt sie hinzu. 

Heute sieht das ganz anders aus, als Songwriterin blüht sie regelrecht auf. «Früher fehlte mir die Lebenserfahrung, denn die Songs sollen mich und die Zuhörer berühren. Ich setzte mich oft mit mir selbst auseinander und lernte mich kennen, das hat den Knoten gelöst», erläutert sie. Auch habe das Schreiben für sie eine therapeutische Bedeutung. Wenn es gut läuft und sie gerade eine Eingebung hat, kreiert sie in vier bis fünf Stunden einen neuen Song. Manchmal schwirrt ihr eine Melodie im Kopf herum, aber kein passender Text dazu. Dann legt sie den Song auf die Seite und wenn er ihr nach einigen Tagen noch immer nicht aus dem Kopf geht, schreibt sie weiter. An solchen Texten arbeitet sie teilweise monatelang mit mehreren Entwürfen und Neuanfängen.

Der intimste Song

Am Freitag erschien ihr zweites  Album, das sie von den Songs bis zur Produktion selbst erschaffte. Im LittleBigBeat-Studio in Eschen nahm sie es mit Little Konzett auf. «Die Lieder sind von einer gewissen Sehnsucht geprägt, sei es nach Freiheit, einem Gefühl oder verlorener Liebe.» Der Titelsong «Restless» ist für Suzie Candell eines der ehrlichsten und intimsten Lieder, die sie je verfasst hat. «Ich dachte sehr viel darüber nach, was für eine starke Stütze mir mein Partner ist. Den Text schrieb ich in einem Fluss und am nächsten Morgen kam wie ganz natürlich die Melodie dazu», freut sie sich. Die Mitteilung dahinter laute, dass jeder sein Päckchen rumtrage und im Leben auch schon verletzt wurde. Trotzdem gäbe es Menschen, die einen so nehmen, wie man ist, mit Ecken und Kanten – und das sei ­keinesfalls selbstverständlich. Fünf Jahre werkelte sie an ihrem Album. Wenn sie etwas anpackt, dann will sie es perfekt umsetzen, bis sie an dem Punkt angelangt ist, an dem sie es nicht mehr besser machen kann. 

Die grösste Lebenslehre

Doch funktioniert das nicht in allen Bereichen in ihrem Leben. «Meine Pferde holen mich da immer wieder runter», fügt sie schmunzelnd hinzu. Denn dort stosse sie mit ihrem Perfektionismus an gewisse Grenzen. «Bei den Tieren versuche ich das, was vorhanden ist, zu fördern.» Ein guter Lehrmeister in diesem Bereich war und ist ihr Pferd Charly. Seit ihrem 15. Lebensjahr sind die beiden ein Team, er war damals 2,5 Jahre jung und roh. «Wir hatten viele lehrreiche Jahre. Er war kein einfaches Pferd, ich musste über die Ecken hinaus denken und mir ständig Gedanken darüber machen, wie ich sein Vertrauen gewinne.» Doch habe genau das ihr zu dem Wissen verholfen, das sie heute an ihre Reitschüler weitergibt. «Man lernt von den schweren Dingen des Lebens», fügt sie augenzwinkernd hinzu. Für Suzie Candell ist die Partnerschaft zu ihren Pferden eine der grössten Lebenslehren. (ms)

28. Mär 2020 / 18:35
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