•  (Daniel Schwendener)

Stets einen vollen Terminkalender

Trotz Grossfamilie und Teilzeitjob engagiert sich Barbara Gurschler-Zai ehrenamtlich und investiert Zeit in ihre sportlichen Aktivitäten. Ihre Familie kommt dabei aber nicht zu kurz.

Der Terminkalender von Barbara Gurschler-Zai ist ziemlich voll. Kein Wunder mit sieben Kindern, denen sie allen gerecht werden möchte, deren Hobbys und ihren eigenen Aktivitäten und Engagements. Einmal die Woche spielt sie Tennis, zweimal leitet sie das Geräteturnen in Triesen. Zudem singt sie in zwei Gesangsgruppen. Sie engagiert sich ehrenamtlich im Brockenhaus und arbeitet Teilzeit. Das Präsidium in der Elternvereinigung Triesen hat sie zwar abgegeben, ist aber noch weiterhin Mitglied und hat noch einige Projekte am Start, solange ihr jüngster Sohn die Primarschule besucht. «Ich bin ein Mensch, der das braucht», schmunzelt sie. Sie ist ein aufgestellter Mensch, der viel lacht.

Es ist ein trüber Mittwochvormittag. Ihr jüngster Sohn (9 Jahre alt) sitzt mit am Küchentisch und erledigt seine Hausaufgaben. Sechs Kinder befinden sich derzeit im Homeschooling – entweder in der Grund- oder an weiterführenden Schulen, und eine Studentin an der Universität ist zu Hause. Obwohl sich einige ein Zimmer teilen, hat jedes Kind seinen Platz im Haus. «Wir möchten keines ausquartieren, nur weil es woanders studiert und ausgezogen ist. Jedes meiner Kinder soll kommen und gehen dürfen, wie es möchte», erzählt die siebenfache Mutter. Barbara Gurschler-Zai geniesst ein volles und belebtes Haus. Auf Gesellschaft möchte sie keinesfalls verzichten.

Alle sind eingespannt
So entspannt sie auch am Küchentisch sitzt und von ihrer Familie erzählt, gab es durchaus Momente, in denen sie das Gefühl hatte, dass ihr alles über den Kopf wuchs. «Einige behaupten, ich hätte starke Nerven – das scheint wahr zu sein», lacht die 51-Jährige. Eine Lösung habe sie bis jetzt immer gefunden. Schliesslich wird sie von ihrem Mann unterstützt. Auch von den Kindern ist jedes eingespannt und hat seine Ämtli.

Vor zehn Jahren gründete Barbara Gurschler-Zai mit einem Kollegen das Geräteturnen (Getu) Triesen. «Ich selbst war Kunstturnerin und habe an Wettkämpfen teilgenommen», erzählt die Sportlerin. Ihre braunen Haare hat sie mit einer Klammer hochgesteckt. Den athletischen Körper hat sie beibehalten. Einige ihrer Kinder sind im Getu als aktive Turnerinnen und Leiter involviert. So lässt sich die Familie gut in ihr Hobby integrieren. Allgemein ist ihr die Bewegung wie Gesundheit von Kindern ein wichtiges Anliegen, wofür sie sich auch einsetzt. Sie sieht ganz klar, dass die Zeit für die Hobbys der Schulkinder als Ausgleich unerlässlich ist.

Gemeinsame Ausflüge sind für die Grossfamilie nicht immer einfach. Nur schon die Interessen gehen auseinander und der Altersunterschied zwischen dem ältesten und jüngsten Kind beträgt 13 Jahre. «Dann gehen wir einfach getrennte Wege», meint sie. Die Freude über die anschliessende Zusammenkunft sei dafür umso grösser. Schliesslich sei es nicht dasselbe, wenn jemand aus der Familie der Aktivität fernbleibt.

Praktisch muss es sein
Auch wenn einige Kinder der Familie das Erwachsenenalter bereits erreicht haben, verbringen sie die Ferien noch alle gemeinsam. Mit dem Wohnwagen geht es jeweils nach Kroatien. «Wir brauchen nicht viel Platz», schmunzelt die gebürtige Ragazerin. Mit sieben Kindern sei man kaum ­flexibel und möchte keine Überraschungen erleben, darum fahren sie stets an denselben Ort. «Auch finanziell ist man bezüglich Ferien eingeschränkt», fügt Barbara Gurschler- Zai an. Schliesslich muss man erst mal Unterkünfte für neun Personen finden. Die meisten sind standardmässig für vier- bis fünfköpfige Familien ausgestattet. So zeigt sich das auch im Alltag. Vieles müsse einfach praktisch sein – so auch das Auto. «Als wir erst drei Kinder hatten, verreisten wir oft an den verlängerten Wochenenden. Aber jetzt für sieben Kinder Koffer zu packen, um für ein paar Tage wegzufahren, lohnt sich einfach nicht.» So habe sie ihr Zuhause und die Nähe schätzen gelernt. 

Stets ist Barbara Gurschler-Zai vom Zusammenhalt der Familie überwältigt, was sie während des Gesprächs mehrmals erwähnt. «Auch wenn sie manchmal streiten, das gehört einfach dazu. Oft sind es Sticheleien», winkt sie ab. Rückmeldungen aus der Schule, dass die Kinder mit positiver Sozialkompetenz auffallen, freut die Mutter sehr.

Die Umstellung war nicht gross
Oft bekam Barbara Gurschler-Zai im Zusammenhang mit ihrer Gross­familie zu hören, dass es früher normal gewesen sei, sieben Kinder zu haben. «Aber das war eine ganz andere Zeit», erläutert sie. «Die Kinder hatten noch nicht so viele Möglichkeiten in ihrer Freizeit. Damals mussten sie zu Hause auf dem Hof und im Haus helfen. Das waren andere Voraussetzungen. Heute fährt der eine Ski, der andere spielt Tennis, Fussball oder geht ins Turnen und so weiter.» Das sei schön für die Kinder, aber mache auch alles komplizierter. Darum achtet sie stets darauf, dass alles möglichst im Dorf und die Wege kurz bleiben. Sonst sei sie permanent unterwegs.

«Erst war ich der Überzeugung, es mache keinen grossen Unterschied, ob ich nun für fünf oder zehn Personen koche. Aber sobald man drei anstatt ein Kilogramm Kartoffeln schält, spürt man ihn», lacht Barbara Gurschler-Zai. Die Umstellung war für sie keinesfalls gross, schliesslich sei immer schrittweise ein Kind dazugeboren. «Ich koche nicht sieben verschiedene Mahlzeiten. Aber so, dass es eine Auswahl hat», meint sie bestimmt. Wenn sie koche, versammelten sich ihre Kinder um den Küchentisch und erledigten die Hausaufgaben. «Die Ruhe haben sie nie wirklich gesucht, obwohl sie die Möglichkeit gehabt hätten. Sie wollten immer unter den Menschen sein.» Genau so wie die Mutter. Am  heutigen Tag freut sie sich auf den Muttertags-Zmorge. (ms)

09. Mai 2020 / 18:40
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