• Gasthaus Sücka
    Die Zeit im Berggasthaus Sücke möchten Monika und Werner Schädler keinesfalls missen.  (Daniel Schwendener)

Sie zeigen das andere Liechtenstein

Nach 13 Jahren ist Schluss. Werner und Monika Schädler ziehen weiter. Die Jahre im Berggasthaus Sücka möchten sie auf keinen Fall missen – doch ist es Zeit für etwas Neues.

Noch bevor das Berggasthaus Sücka in Steg erreicht ist, sind die Kuhglocken zu hören. Die Tiere befinden sich auf der Hangseite des Hauses, oberhalb der Terrasse, auf der Werner und Monika Schädler ihren Kaffee trinken. «Bei schönem Wetter sieht man bis zum Bodensee», schwärmt Werner Schädler und zeigt zwischen den Berghängen hindurch Richtung Norden. Für das Ehepaar ist die Sücka ein besonderer Ort, sie kennen jeden Hügel. In den 50er-Jahren pachtete ein Onkel von Werner Schädler das Gasthaus und später eine Tante. «Die Lage hier ist aussergewöhnlich. Wir sind frei und der einzige Betrieb hier. Die Menschen lernen ein anderes Liechtenstein kennen», ist Werner Schädler überzeugt. Denn fernab des Tals, ohne Luxus und nicht mal fliessend Wasser in den Gästezimmern, ist nichts vom geschäftigen Treiben und Reichtum,  wie die Klischees beschreiben, zu spüren. Der Tunnel sei wie ein Tor in eine andere Welt. «Die Uhren ticken hier anders», so Monika Schädler. 

Das Ehepaar ist gesprächig, guter Laune und lebensfroh. Monika Schädler verlässt hin und wieder die Runde, um Gäste zu bedienen. Werner Schädler führt seine Erzählungen in Triesenberger Dialekt gerne aus und schweift hin und wieder vom Thema ab. 

Ein Familienentscheid

Zwei Stunden vor dem Lockdown im März kam die Familie zusammen, um sich zu beraten. Es ging um die Zukunft im Berggasthaus nach 13 Jahren. «Der Betrieb ist für uns alle zu einer Last geworden. Wir sind nicht mehr so belastbar wie zu Beginn», berichtet Werner Schädler. Die Familie hat entschieden, nach dieser Saison aufzuhören. Die Winter seien hart, da eine Zufahrt zum Berggasthaus für die Lieferanten nicht möglich ist. Also müssen sie selbst die Strasse runterfahren und die Waren umladen. «Wir bekommen schon Unterstützung, aber es ist nicht mehr dasselbe und meine Schulter macht mir Probleme», schildert Werner Schädler. Ständig sei die Abhängigkeit vom Wetter vorhanden und ein Hoffen und Bangen, ob es sich finanziell ausgehe. Trotzdem möchten die zwei die Zeit auf der Sücka keinesfalls missen. Das Positive überwiege stets, auch wenn es hektische Zeiten und Nachteile gebe.

Sonntage sind anders

Beide erinnern sich zurück, wie sie damals angefangen und gelernt haben. «Erst waren die Zimmer kaum belegt und rasch entwickelten sie sich zu einem Hauptgeschäft», so das Wirtepaar. Ein Grund dafür seien bestimmt die Buchungsportale im Internet und eine Veränderung des Freizeitverhaltens. Viele Urlauber würden während ihrer Reise spontan einen Zwischenhalt in Liechtenstein einlegen. «Auf der Plattform ist jeweils die Luftlinie als Distanz angegeben. Die Nutzer sehen den Preis und dass sich Vaduz in der Nähe befindet. Aber dass der Höhenunterschied fast 1000 Meter beträgt und es kein fliessend Wasser in den Zimmern gibt, übersehen die meisten», schmunzelt Werner Schädler. Normalerweise seien die Ankömmlinge trotzdem positiv überrascht vom anderen Liechtenstein. 
Auch an Sonntagen weht im Berggasthaus ein anderer Wind. «Erst ab 14 Uhr, über den ganzen Nachmittag verteilt, erscheinen die hungrigen Gäste. Das mussten wir erst realisieren.» Denn die Ausflügler unternehmen erst etwas und kehren dann ein. «Mit Blick auf den Parkplatz erkennen wir, wann ein Ansturm kommt», so Monika Schädler.

Viel ins Haus gesteckt

Beide sind zuversichtlich, dass im Berggasthaus mit einem neuen Pächter bald frischer Wind wehen wird. Werner Schädler hätte noch einige Ideen gehabt. Viel Energie steckte er in das Haus. Er führte einige handwerkliche Arbeiten selbst aus und kennt es vom Keller bis zum Dach. «Das Haus werde ich am meisten vermissen», meint er. Auf jeden Fall müsse etwas im Bereich der sanitären Anlagen in den Gästezimmern geschehen. «Das ist einfach nicht mehr zeitgemäss», so seine Meinung. 

Egal was kommen mag: Beide versuchen, Gastgeber zu sein und Werner Schädler drückt gerne mal ein Auge zu. «Ich merke schnell, bei welchen Gästen ich Sprüche klopfen kann», sagt er mit einem Augenzwinkern. Das sei stets sein Ausgleich zum Stress in der Küche. «In meiner Kochlehre hiess zu Beginn, dass Köche spinnen würden», erzählt er. In der Sücka gehen durchaus zwischen 80 und 90 Mahlzeiten raus. Dabei ist Konzentration das A und O. «Vieles ist im Kopf, denn ich schaue nicht jede Minute auf die Bons. Wenn sich dann jemand mit mir unterhalten möchte, erhält er eine schnippische Antwort. Wenn es nicht rund läuft, kann ich auch mal laut werden. Ich kann nichts in mich hineinfressen.» Werner Schädler ist ein impulsiver Mensch. Danach sei alles raus und wieder gut, schmunzelt seine Frau.

In «unruhigem Ruhestand»

Schädlers brauchen Menschen um sich herum. Als gelernte Servicefachkraft hat Monika Schädler ihr Hobby zum Beruf gemacht. Beide ergänzen sich in ihrer Tätigkeit, in die sie viel Leidenschaft stecken. Nach der Zeit in der Sücka, wenn die Saison vorbei ist, gehen sie sozusagen in den «unruhigen Ruhestand». Denn im Tal in einer Wohnung zu leben, kommt für Monika Schädler nicht infrage. Sie haben einen neuen Pachtvertrag in Aussicht, doch noch ist nichts unterschrieben. Das Wirten werden sie wahrscheinlich noch nicht aufgeben, aber etwas ruhiger angehen. Bisher genossen sie auf der Sücka jeweils die Morgensonne. Nun geht es in die andere Richtung, wo sie die Abendsonne bestaunen können. (ms)

05. Jul 2020 / 00:00
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