•  (Daniel Schwendener)

"Mir war klar: Gams wartet nicht auf die Golfer"

Als Hotelier bietet Werner Bollhalder seinen Gästen das Gefühl von Daheimsein. Er selbst fühlt sich auf dem Grün des Golfplatzes in Gams zu Hause. Ein Traum, den er sich erfüllte.

Entwender man ist davon ­infiziert, oder man ist es nicht», meint Werner Bollhalder und blickt über das Grün des Gamser Golfplatzes. Seinen Golfplatz, wie er mit einem Zwinkern im Auge sagt. «Man könnte behaupten: Ich habe den Golfsport nach Gams gebracht.»

Das erste Mal hielt er vor rund 30 Jahren einen Golfschläger in den Händen, als er einen Bekannten in den USA besuchte. Dieser hat ihn mit auf die Driving Range genommen. «Der Virus hat mich sofort gepackt», erinnert er sich. Seine ersten Schläger kaufte er sich sogar noch in den Staaten. Und im Sommer darauf konnte er einige Freunde zum Spielen überreden und steckte prompt auch diese mit dem Golffieber an. «Die Leute haben damals den Kopf über uns geschüttelt, als wir die Golfbälle querfeldein durch das Gamser Riet schlugen», verrät er und lacht. 

Zu der Zeit hegte er bereits den Traum von einem Golfplatz im Gams. «Damit ich spielen kann, wenn ich Lust habe», sagt er scherzhaft. 1997 war das noch undenkbar. Besonders in einer Region, in welcher der Golfsport bis dahin kein Thema war. Trotzdem klopfte Werner Bollhalder beim ein oder anderen Bauern an. «Mir war klar: Gams wartet nicht auf die Golfer. Wenn wir hier einen Golfplatz wollen, müssen wir uns dafür einsetzen.» 

Es dauerte noch fünf Jahre, bis der erste Bauer Interesse an einer Driving Range zeigte und bereit war, dafür seinen Grund herzugeben. Nach und nach konnte der passionierte Golfer immer mehr Personen für seine Idee begeistern und schliesslich erhielt das Projekt vom Golfplatz in Gams die Zustimmung in der Gemeinde. «Die Gamser sind offene Bürger.»

Nichtstun, das gibt es nicht Bis der erste Ball auf dem Grün geschlagen werden konnte, musste viel Arbeit investiert werden. «Ich bin heute noch sehr dankbar für die Unterstützung all jener, die bei diesem Projekt mitgewirkt haben», sagt Werner Bollhalder. «Ohne sie hätte ich diesen Traum nie verwirklichen können und wenn ich mich hier umschaue und das Panorama betrachte, dann ist es das wirklich: ein Traum.»

Eine der wenigen Personen in seinem Umfeld, die er nicht für den Golfsport begeistern konnte, ist seine Frau. «Sie hält mir dafür den Rücken frei, wenn ich spiele», sagt er. Sie gehe in ihrer Freizeit dafür gern Velo fahren oder laufen. Bewegung in der frischen Natur, dabei könne das Paar am besten vom Alltag abschalten und neue Energie tanken. Nichtstun, das gebe es selten. Das könne er noch früh genug, meint er lachend. «Ausserdem ha­ben wir hinter dem Haus eines der schönsten Naherholungsgebiete auf der Welt. Ich glaube, viele wissen gar nicht zu schätzen, auf welchem Niveau wir hier eigentlich leben.» So halte er auch oft während seines Golfspiels inne und geniesse die Schönheit der Natur. «Dabei ist kein Tag wie der andere», sagt er.

Wenn es das Wetter und die Zeit zulassen, ist er fast jeden Tag auf dem Grün anzutreffen. Eine ganze Runde, also alle 18 Loch, spiele er jedoch nur selten. «Meist ist es nur eine halbe. Golf ist ein zeitintensiver Sport.» Und zeitintensiv ist auch seine Arbeit, die Leitung des Hotels und Gasthauses Schäfli in Gams. Dort ist der Hotelier aufgewachsen, wie auch seine drei Kinder. «Die Leute meinen oft, ein Hotel bzw. Restaurant zu führen und Kinder grosszuziehen, das gehe nicht. Doch bei uns war immer jemand für die Kinder da. Das war schon in meiner Kindheit so.»

«Die Show muss weitergehen»
Vor etwa 30 Jahren hat er das Tradi­tionslokal von seinem Vater übernommen. Ungeplant, wie er gesteht. Er sei sogar das einzige der sechs Kinder gewesen, das nicht im Gastgewerbe tätig war. «Ich habe einst eine schöne Ausbildung zum Maschinenbauer bei der Firma Hilti genossen.» Als er von einer längeren Reise nach Asien zurückkam und noch keine neue Anstellung hatte, teilte ihn seine Mutter prompt im Restaurant ein. Seither hat ihn die Gastronomie nicht mehr losgelassen. 

Für Werner Bollhalder sind es die Menschen, die diesen Job ausmachen, wie er erklärt. Gastfreundschaft ist für ihn daher das A und O. «Die Leute kommen nicht nur zum Essen ins Schäfli. Sie wollen sich unterhalten. Von daher glaube ich, hat unser Beruf etwas von Hollywood: ‹Die Show muss immer weitergehen.›» Nach Perfektion habe er allerdings nie gestrebt. «Die Luft in der Gastronomie ist in den vergangenen Jahren dünn geworden. Von daher ist es sinnvoll, sich immer wieder selbst zu hinterfragen.»
Das Traditionslokal in Gams zu führen, erfülle den Hotelier noch immer mit Stolz. «Wir gehören zum Beständigen in einer schnelllebigen Zeit», meint er. Und gerade in einem Dorf wie Gams liege die Latte höher.

Mit 60 Jahren macht er sich selbstverständlich Gedanken über seine Nachfolge. «Es wäre mein Wunsch, dass das ‹Schäfli› in der Familie bleibt», sagt er. Ans Aufhören denke er jedoch noch nicht so schnell. Beim Gedanken an die Pension freue er sich jedoch auf eines: Mehr Zeit für den Golfsport zu haben. (sms)

30. Nov 2019 / 20:34
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
08. Dezember 2019 / 07:00
08. Dezember 2019 / 10:08
07. Dezember 2019 / 22:01
07. Dezember 2019 / 22:40
Aktuell
08. Dezember 2019 / 13:56
08. Dezember 2019 / 10:08
08. Dezember 2019 / 07:00
07. Dezember 2019 / 22:49
07. Dezember 2019 / 22:40
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
puzzle ravensburger
Zu gewinnen 1 Ravensburger Puzzle Schloss Vaduz
13.11.2019
Facebook
Top