«Man kann niemanden gegen seinen Willen hypnotisieren»

Ein einschneidendes Erlebnis veränderte das Leben von Desirée Wildhaber. Heute geniesst sie jede wache Minute ihres Lebens und nutzt die Zeit, um anderen Menschen zu helfen.

Ich will meine Zeit nicht verschwenden», sagt Desirée Wildhaber. Den Fernseher schalte sie daher nie ein. Auch schlafe sie nicht besonders gern, wie sie gesteht. «Da komme ich aber wohl oder übel nicht drumherum», meint sie und lacht. So ist die 27-Jährige morgens immer früh wach. Doch sei es nicht die Arbeit, die sie dazu dränge. «Ich möchte meine Zeit geniessen», erklärt sie. Daher nimmt sie jeden Tag, wie er kommt. Das sei aber nicht immer so gewesen, wie sie erzählt. Früher habe sie schon in die Glotze geguckt und länger geschlafen, «bevor ich das Nahtoderlebnis hatte.» 

Desirée Wildhaber war 17 Jahre alt, als sie plötzlich an einer schwerenBlutvergiftung und einer Thrombose litt. «Kurz zuvor war ich krank. Eigentlich ging es mir schon wieder besser. Ich fühlte mich aber irgendwie komisch und hatte Zitteranfälle», erinnert sie sich. Im Krankenhaus wurde eine Blutvergiftung diagnostiziert. Sie wurde auf die Intensivstation gebracht, wo später ihre  Organe versagten. Eine Infusion mit Fremdblut hätte geholfen. «Doch das wollte ich nicht. Ich weiss noch, dass ich mit meinen Eltern deswegen gestritten habe», sagt sie. Plötzlich habe sie alles von oben gesehen: Das Zimmer, die Eltern, den Arzt und sich selbst im Bett. «Der Arzt hat es geschafft, mich zurückzuholen», sagt sie. Was geschehen war, realisierte sie erst etwa drei Monate später bei der Nachkontrolle, als sie den Arzt wiedererkannte. «Das war der Moment in meinem Leben, der mich verändert hat.» Seither sei sie entspannter und ausgeglichener. Auch ihr Bezug zum Tod habe sich verändert. «Ich fürchte mich nicht mehr vor dem Sterben. Heute weiss ich, dass es etwas Schönes ist. Ehrlich gesagt, war das Nahtoderlebnis für mich das Schönste, was ich je erlebt habe», erzählt sie.

Mit Hypnose helfen

Nach ihrem einschneidenden Erlebnis begann für Desirée Wildhaber die Suche nach einem neuen Sinn in ihrem Leben. «Ich wollte etwas machen, um Menschen zu helfen», sagt sie. Dabei habe sie einiges ausprobiert, wie zum Beispiel Akupunktur und Naturheilkunde. Doch so richtig ankommen wollte sie nicht. Bis ihre Mutter sich ein Tattoo stechen liess und der Künstler von seiner Ausbildung als Hypnosetherapeut erzählte. «Drei Wochen später nahm ich an einem Schnupperkurs teil und es hat mir sofort zugesagt.»

Dass die Hypnosetherapie einen eher zweifelhaften Ruf geniesst, findet die 27-Jährige nicht berechtigt. «Mit dieser Form der Therapie kann man sehr viel bewirken», weiss sie. Mittlerweile hilft sie seit drei Jahren Menschen mit Depressionen, Ängsten oder schlechten Angewohnheiten. Jemanden so zu beeinflussen, dass er zum Beispiel als gackerndes Huhn rumläuft – das wäre möglich, wie sie sagt. «Allerdings ist das in meinen Augen Misshandlung. Ausserdem ist Hypnose kein Hokuspokus, wie viele glauben», sagt sie. Denn Hypnose ist eine Form der tiefen Konzentration und Entspannung, die nur funktioniert, wenn man mitmacht. «Man kann niemanden gegen seinen Willen hypnotisieren.»
Die Hypnosetherapie habe auch ihr sehr geholfen, wie Desirée Wildhaber erzählt. «Ich dachte immer, ich finde beim Tauchen Entpsannung. Mittlerweile weiss ich, dass das nur unter Hypnose geht.» Dabei sei sie so weit weg, dass sie nicht einmal mehr höre, was gesprochen wird. «Ich bin richtig Tiefenentspannt», meint sie und lacht. 

Ausgleich im zweiten Beruf

Hauptberuflich arbeitet Desirée Wildhaber im Krankenhaus als 
medizinisch-technische Radiologiefachfrau. «Ich drücke die Knöpfe im Nebenraum, wenn jemand ein CT oder MRT bekommt», erklärt sie salopp. Ursprünglich habe sie eine Ausbildung zur Chemielaborantin gemacht. «Doch mir fehlte der Kontakt zu den Menschen.» Ihren Beruf für die Hypnosetherapie aufzugeben, komme für sie nicht in Frage. «Ich mag meinen Job im Krankenhaus. Ausserdem ist die Arbeit als Hypnosetherapeutin anstrengender, als man meinen mag», erklärt sie. 

Immerhin komme ihren Kunden bei der Therapie so manch negative Geschichte hoch. «Diese bleiben selbstverständlich unter uns. Doch mich den ganzen Tag mit negativen Themen herumschlagen, das kann ich nicht. Da brauche ich einen Ausgleich.» Beruf und Privatleben zu trennen, ist ihr daher wichtig. «Wenn ich meine Schuhe in der Arbeit ausziehe, bleibt die Arbeit und alles, was damit zu tun hat, dort.» Ausserdem gibt es zu Hause viel zu tun. Denn Desirée Wildhaber und ihr Mann haben sich ein altes Haus in Triesenberg gekauft, das sie seit etwa eineinhalb Jahren renovieren. «Wir machen alles selbst», sagt sie nicht ganz ohne Stolz in der Stimme. Abends und an den Samstagen malt, hämmert, schleift und werkt das Paar mit viel Liebe zum Detail an seinem Heim. «Nur sonntags nicht. Da nehmen wir uns Zeit für uns.»  (sms)

07. Dez 2019 / 21:33
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