• Leonie Risch
    Leonie Risch: «Ich versuche immer noch herauszufinden, was eine Handtasche definiert bzw. was sie haben muss.»  (DANIEL GASSNER)

«In der Ferne fühle ich mich Liechtenstein nah»

In die Ferne hat es Leonie Risch schon immer gezogen. Dabei fühlt sich die junge Unternehmerin dem Land sehr verbunden und hält alte Werte und Traditionen hoch.

Hinaus und die weite Welt erkunden – davon habe Leonie Risch immer geträumt. «Schon mein Studium wollte ich irgendwo weit weg absolvieren», erinnert sie sich. Weiter als nach Luzern kam sie dann doch nicht. «Immerhin geniesst man in der Schweiz doch eine sehr gute Ausbildung», wie sie lachend ihre Entscheidung begründet. Heute, zwei Jahre nach ihrem Bachelor in Designmanagement, muss sich die Welt noch immer gedulden. Denn die junge Frau ist damit beschäftigt, ihr Handtaschen-Label «Leonie Risch» aufzubauen.

Das Designen von Handtaschen kam nicht über Nacht, wie sie erzählt. «Schon als Kind war ich sehr kreativ und konnte mich für Mode begeistern.» Stundenlang habe sie den Silhouetten in Malbüchern Outfits verpasst. Kurz habe sie sogar mit dem Gedanken gespielt, Kunst zu studieren. «Aber mich hat auch das Business interessiert, der Prozess, wie ein Produkt entsteht, produziert und vermarktet wird», erzählt sie. Dass sie sich eines Tages selbstständig machen möchte,  habe sie schon früh gewusst. Dieser Entschluss kam aber nicht von ungefähr. Denn aufgewachsen ist die 25-jährige Geschäftsfrau in Schaan «zwischen Schuhschachteln», wie sie mit einem Augenzwinkern erzählt. Ihre Mutter führt ein Schuhgeschäft, in dem sie selbst auch immer wieder ausgeholfen hat. Einen Schuhtick habe sie deswegen aber nicht, wie sie lachend meint. «Das erwarten viele, wenn sie hören, dass meine Mama ein Schuhgeschäft hat.»

Sie nimmt die Prototypen

Wer nun glaubt, Leonie Risch wäre stattdessen den Handtaschen verfallen, irrt. Weder besitze sie besonders teure Luxus-Designerhandtaschen, noch habe  sie einen ganzen Schrank voll davon. «Eine Handtasche ist für mich kein Luxusobjekt. In erster Linie sollte sie funktional sein und den Alltag erleichtern», sagt sie. «Ich versuche immer noch herauszufinden, was eine Handtasche definiert bzw. was sie haben muss. Das ist Teil meines Arbeitsprozesses», sagt sie. Derzeit sei sie mit zwei Taschen unterwegs. Beides sind eigene Designs, «Prototypen», wie sie verrät. «Ich nehme, was über bleibt.»

Auf das Designen von Handtasche sei sie aus pragmatischen Gründen gekommen. «Das war etwas, das ich ohne grosses Fachwissen, ohne Schnittmuster oder Grössentabellen angehen konnte.» Angefangen habe sie bereits vor ihrem Studium. Die erste Tasche war aus Samt, das sie beim Polsterer holte und zur Schneiderin brachte. Selbst nähe sie nur ihre Mustertaschen. «Das ist wichtig wegen der Proportionen», erklärt sie.

Dass sich Leonie Risch bereits in so jungen Jahren selbstständig machen konnte, verdankt sie nicht zuletzt ihrer Mutter. «Ohne ihre Unterstützung wäre das nicht möglich», weiss sie und erzählt von ihrem kleinen Kellerbüro daheim, wo ihr Traum langsam Gestalt annahm. Viel Durchhaltevermögen habe sie dafür gebraucht – und brauche sie noch. «Ich habe keine Mitarbeiter. Ich mache alles allein. Wenn ich nicht arbeite, arbeitet keiner.» Eine Tiefphase zu überwinden, sei da nicht einfach. Doch alles hinzuschmeissen, sei nie infrage gekommen. «Dass es nicht einfach ist, macht es erst interessant», meint sie.  «Man muss viel mit sich selbst austragen. Dadurch lernt man auch viel.»

Traditionen wahren

Ihr Unternehmen nehme sie sehr in Anspruch, wie die Geschäftsfrau bestätigt. Zeit für andere Dinge bleibe da wenig. Doch diese nehme sie sich dann einfach. Für die Schaaner «Röfischrenzer» zum Beispiel. Dem Verein gehöre sie seit zwei Jahren an.  «Ich hatte aber schon als Baby die ‹Guggerhodla› an. Ich glaube, ich war einst das jüngste Guggerbaby», erzählt sie und lacht. Ihre Mutter und ihr Onkel hätten sie da beeinflusst. Seit sie von ihrem Studium zurück ist, spiele sie selbst ein Instrument – die Lira, eine Art Xylofon.

Auch dem Schaaner Trachtenverein sei sie vor zwei Jahren wieder beigetreten. «Die Tracht habe ich auch schon als Kind getragen. Klar, während der Pubertät war sie nicht mehr so cool», gesteht sie. Mittlerweile verbinde sie mit der Liechtensteiner Tracht eine sehr schöne und besondere Tradition, die es gelte, aufrechtzuerhalten. «Der tiefe Ausschnitt und der kurze Rock der modernen Dirndl mögen gerade für junge Frauen vielleicht einen gewissen Charme ausmachen. Im Gegensatz dazu kommt unsere Tracht vielleicht altbacken daher. Aber wenn man bedenkt, dass unsere Grossmütter sie schon genau so getragen haben, ist sie etwas ganz Besonderes. Dass sie noch Originale sind, macht den Charme dieser Kleider aus.»

Der Ruf der Ferne

Ob sie das Schuhgeschäft ihrer Mutter eines Tages übernehmen wird? «Vielleicht», meint Leonie Risch nachdenklich und zuckt mit den Schultern. «Das ist für mich derzeit kein Thema. Jetzt möchte ich erst mein eigenes ‹Baby› zum Fliegen bringen, die Welt sehen und eigene Erfahrungen sammeln.» Das Reisen habe sie nämlich noch nicht auf-

gegeben, wie sie sagt. «Es ist schon interessant: Je weiter ich von meiner Heimat weg bin, desto inspirierter fühle ich mich von Liechtenstein.» (sms)

20. Jun 2020 / 19:54
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