• Brent und seine Frau Ana LaRue geniessen die Zeit mit Töchterchen Naia. (Bild: Andrea Kobler)

"Ich will mehr sein als scheinen"

Jugend in North Carolina, Heirat in Slowenien, Olympionike in London, Start-up-Gründer in San Francisco, Lead Designer bei Hilti in Buchs, Vater in Altstätten und Radfahrer im Appenzellerland: Brent LaRue.

Nach seiner Leichtathletik-Karriere zog es Brent LaRue von Slowenien nach San Francisco, wo er ein erfolgreiches Start-up-Unternehmen aufbaute. Als seine Ehefrau Ana und er sich entschieden, eine Familie zu gründen, war ihnen klar: Das Kind soll in Europa aufwachsen. Aber wo? Ana und Brent machten eine Liste mit jenen Ländern, in denen sie sich ihre Zukunft vorstellen konnten. In einem Delikatessenladen in San Francisco kauften sie öfters Käse ein – Appenzeller und Greyerzer. Vor allem Ana liebte den Schweizer Käse. Das Essen war mit ein Grund, dass die Schweiz ganz oben auf der Liste stand. Andere Punkte waren das Gesundheitssystem, die Lebenshaltungskosten, Ausbildungsmöglichkeiten für Kinder, persönliche berufliche Möglichkeiten und das Wetter. Bei einem Besuch bei einem Freund in Zürich erzählten Ana und Brent LaRue über ihr Vorhaben, nach Europa zu ziehen. Dieser brachte Brent LaRue mit dem Liechtensteiner Bautechnologie-Unternehmen Hilti ins Gespräch, und schon nahmen die Europapläne Form an. Zu Hilti zu wechseln sei eine Chance gewesen. «Für beide Seiten», fügt Brent LaRue schmunzelnd hinzu. Für den Betrieb entwickelt der Software-Designer Apps.

Altstätten erinnert an die Heimat

Ihren Start in der neuen Heimat haben Ana und Brent LaRue in den ersten Monaten 2018 bewusst langsam angegangen. Sie haben sich Zeit genommen sich auszuruhen, Ski zu fahren oder zu wandern. Ganz wichtig war für sie auch das Erkunden der Region. Dutzende Male sind sie durch die Dörfer rheinauf und rhein-ab gefahren und sind in Altstätten hängen geblieben. Ihnen gefiel der Charakter der Stadt. «Sie erinnert mich stark an meine Heimat North Carolina.» Dort ist Brent LaRue in einer kleinen Stadt im Süden zusammen mit vier Geschwistern aufgewachsen. In Altstätten bekamen Ana und Brent mit Naia vor eineinhalb Jahren Familienzuwachs. Die junge Familie schätzt im Oberrheintaler Städtchen die kurzen Wege – sei es zum Einkaufen oder für Arztbesuche zu Fuss. Sie schwärmt auch von den aufgeschlossenen Menschen und der Nähe zur Natur. 

Der Liebe wegen nach Slowenien

Brent LaRue war schon immer ein Bewegungsmensch. Dies zahlte sich für ihn im College aus: Er erhielt ein Sportstipendium an einer der besten Schulen. Seine sportliche Leidenschaft war der Leichtathletik-Zehnkampf, in der Schule studierte er Gesundheits- und Bewegungswissenschaften. Verletzungen ermöglichten es ihm, ein weiteres Jahr Unterricht mit Schwerpunkt Design zu nehmen. Das interessierte ihn sehr, doch er sah dies zu jener Zeit eher als Hobby an. Der Student sammelte Erfahrungen in der Schule, Erfolge im Sport und traf Ana Jerman aus Slowenien, die dank ihren starken Leistungen im Tennis ein Stipendium an der Schule erhielt. Die Liebe war so stark, dass der junge Mann nach dem Studium seine Koffer packte, eine einfache Fahrkarte nach Slowenien löste und heiratete. Nach anfänglichem Kulturschock fühlte er sich in seiner neuen Heimat wohl. Er machte seinen Master in International Business und gründete kurz darauf mit zwei Freunden ein Start-up-Unternehmen. Gemeinsam programmierten sie in zwei Jahren 14 Apps.

Bester Wettkampf an Olympia

Die ganze Zeit verfolgte er eine professionelle Leichtathletikkarriere mit dem Ziel, bei den Olympischen Spielen 2012 in London dabei zu sein. Aufgrund einer Ellbogenverletzung stieg er 2010 vom Zehnkampf zu den 400-Meter-Hürden um, ein Jahr später erhielt er die slowenische Staatsbürgerschaft und löste eine Fahrkarte an die Olympischen Spiele. Noch heute hat Brent LaRue Gänsehaut, wenn er an die fantastische Stimmung zurückdenkt, als er ins Olympiastadion einlief und 60 000 Menschen jubelten. Darunter seine Familie zusammen mit seiner Mutter, die ihn als Teenager gecoacht hatte. Zuvor war sein Olympia-Einsatz auf der Kippe gestanden. Eine Magen-Darm-Grippe hinderte ihn an einem geregelten Training. Er wurde in ein eigenes Zimmer umgeteilt, lebte praktisch in Quarantäne, um seine Teamkollegen nicht anzustecken: «Ich konnte nicht essen und noch weniger schlafen.» Umso verwunderlicher war es, dass er dann die besten Rennen seines Lebens lief: Persönliche Bestzeit sowohl im Vorlauf wie in den Halbfinals (49,38 Sekunden). Brent LaRue beendete die Spiele auf dem 13. Rang. Wenig später entschied er sich, seine Sportkarriere zu beenden und sich seiner beruflichen Zukunft zu widmen.

«In den Abfahrten wie früher als Sprinter»

Brent LaRue steckt sich immer neue Ziele. Auch 2020 wird ein spannendes Jahr. Er will ein Familientreffen organisieren. Irgendwo an der Ostküste der Vereinigten Staaten. Er freut sich, einige Tage mit seiner Mutter zu verbringen: «Sie tut sich schon schwer, dass ihr Junge sich für ein Leben in Europa entschieden hat und damit weit weg von ihr lebt. Doch sie ist glücklich, wenn ich glücklich bin.» Im Frühling zieht die junge Familie in die eigene Parterrewohnung. Ein weiteres Ziel ist ein Familienurlaub mit dem Rad, der neuen Leidenschaft des ehemaligen Spitzensportlers. Es fasziniere ihn, wie sich der Körper auf einen neuen Sport einstellt: «Mein Körper ist immer noch ein Sprinter, weshalb ich auf dem Rad anfänglich extrem langsam unterwegs war.» In der Zwischenzeit habe er aber einige Kilogramm abgenommen und sei bereits schneller unterwegs: «Radfahren macht Spass. Ich mag es, wenn es aufwärts etwas schmerzt und in den Abfahrten fühle ich mich wie früher als Sprinter.» Dieses Jahr will LaRue vom Rheintal nach Slowenien fahren. Sein längerfristiges Ziel ist die Teilnahme am Three Peaks Bike Race über 2000 Kilometer von Wien nach Nizza.

15. Feb 2020 / 21:48
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