•  (Tatjana Schnalzger)

"Ich sehe, was andere nicht sehen"

Suzanna Eibel stammt aus der Demokratischen Republik Kongo. Ihre Leidenschaft für Mode brachte sie nach Europa, wo sie heute sowohl in Liechtenstein als auch in Salzburg lebt.

Ich brauche Farben», sagt Suzanna Eibel. «Farbe bedeutet für mich Leben.» Mit klassischen konservativen Looks könne sie daher wenig anfangen. Die diplomierte Modedesignerin lebt seit ­sieben Jahren in Liechtenstein und verkauft ihre Mode in ihrem «Atelier du Couture Su-La-M» in Schaan. Ihr Zuhause, das sei in Österreich, in Salzburg, wo sie mit ihrem Mann und ihren Kindern ihren zweiten Wohnsitz hat. Seit 26 Jahren lebt sie dort. «Schon als ich acht Jahre alt war, wusste ich: Eines Tages werde ich in Österreich leben.» Die Geschichte des Landes und die Berge hätten es ihr angetan. Heute pendelt sie regelmässig zwischen Liechtenstein und ihrem zweiten Wohnsitz in Österreich.  Dass Suzanna Eibel ursprünglich keine Europäerin ist, kann sie nicht verheimlichen. Neben dem französischen Akzent verrät sie ihr dunkler Teint. «Ich stamme aus der Demokratischen Republik Kongo», erklärt sie und in ihrer Stimme schwingt Stolz mit. Der kommt nicht von ungefähr. Denn die Frau mit den auffallenden Locken und der charmanten Zahnlücke ist ein Mitglied der Königsfamilie des zentralafrikanischen Landes, wie sie im Gespräch ganz bescheiden und beiläufig erwähnt. Und die Familie ist gross, wie sagt. «Ich bin die Jüngste von sechs Kindern. Aber unter Familie verstehen wir in unserem Land nicht nur Vater, Mutter und Kinder. Bei uns zählt der ganze Clan zur Familie. Das Wort ‹Cousin› gibt es bei uns nicht. Meine Cousins und Cousinen, das sind alles meine Brüder und Schwestern.»

Keine Chance für Rassisten
Heimweh habe sie noch nie gehabt. Nicht einmal, als sie nach ihrer sechsjährigen Ausbildung zur diplomierten Modedesignerin nach Frankreich zog. Damals war sie erst 17 Jahre alt. Mit Rassismus werde sie jedoch regelmässig konfrontiert. «Es gibt überall oberflächliche Leute», meint sie und zuckt mit den Schultern. Auf Beschimpfungen und Diskussionen lasse sie sich aber nicht ein. «Das stecke ich einfach weg.» Wenn über Flüchtlinge geschimpft werde, falle ihr das jedoch schwer. «Es verletzt mich, wenn ich sehe, dass Menschen ihre Heimat verlassen, um Schutz zu suchen, und dann schlecht behandelt werden», sagt sie. «Jemand, der Asyl sucht, ist nicht freiwillig hier.»

«Designen ist wie fliegen»
Die Arbeitstage von Suzanna Eibel sind lang. Wenn sie nicht im Geschäft steht, sitzt sie vor ihren Entwürfen oder an den Nähmaschinen. «Manchmal wache ich mitten in der Nacht auf und muss eine Idee sofort skizzieren», sagt sie. Es ist die Leidenschaft, die sie antreibt. «Eigentlich wollte ich als Kind immer Pilotin werden», verrät Suzanna Eibel. Das Gefühl, hoch oben in der Luft zu schweben, habe sie schon immer geliebt. «Aber ich habe festgestellt: Designen ist wie fliegen. Es gibt mir diese Macht, den Menschen mit meinen Kleidern Selbstbewusstsein zu schenken. ‹Kleider machen Leute›, sagt man – und ich mache Leute.»  Es seien ihre Geschwister gewesen, die meinten, sie hätte ein Händchen für Mode. Denn schon als Kind habe sie nicht nur sich, sondern auch ihre Puppen modisch angezogen und ihnen sogar Kleider geschneidert.

Wider die Monotonie
Mode zu entwerfen, das sei wie Kunst und erfordere eine gewisse Begabung, erklärt Suzanna Eibel. «Designer versuchen die Farben, Muster und verschiedenen Texturen zu kombinieren. Ich sehe, was andere nicht sehen. Es ist eine Anomalie, ein gewisser Autismus.»  Ihren Stil beschreibt sie als frech, verführerisch und elegant. «C’est bon. C’est chic», sagt sie mit einem Funkeln in den Augen. Designer wie Alexander McQueen, Julien Macdonald und John Galliano mit ihren verrückten und ausgefallenen Designs gehören zu ihren Vorbildern. «Besonders Alexander McQueen hat mich immer sehr inspiriert.» Von grossen Modehäusern halte sie  hingegen wenig. «Sie sind nicht schlecht», erklärt sie. «Aber für mich ist es zu monoton. Ich mag die Individualität.»  Für sich selbst entwirft die Modedesignerin nur selten etwas. «Wenn ich für mich nähe, dann nur ganz bestimmte Stücke, damit ich nicht überfordert bin.» Denn sie fürchte, wenn sie einmal damit anfange, würde sie nur mehr für sich arbeiten. Auf die Frage, ob die Modedesignerin viele Kleider besitze, antwortet sie mit einem breiten Grinsen. «Ich besitze sehr viele Kleider, ja.»  

Abschalten in der Natur
Wenn Suzanna Eibel einmal nicht mit ihren Designs beschäftigt ist, ist sie gern draussen in der Natur. Bei einem Spaziergang finde sie auch so manch neue Inspiration. Nur beim Joggen, da könne sie so richtig abschalten und den Kopf frei kriegen. «Aber am liebsten sitze ich einfach nur in einem Bistro, einem Café oder auf meiner Terrasse und geniesse die Zeit», sagt sie. Nun möchte sie aber bald wieder nach Salzburg zu ihrem Mann und ihren Kindern gehen. «Wegen des Coronavirus haben wir uns lange nicht gesehen», erklärt sie. (sms)

06. Jun 2020 / 21:02
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