• Doris Dosic in Buchs
    Doris Dosic fühlt sich als Schweizerin und als Serbin.  (Daniel Schwendener)

"Ich bin mit Leib und Seele Schweizerin sowie Serbin"

Als Kind einer Auswandererfamilie fühlt sich Doris Dosic an zwei Orten zu Hause. So wie sie die Schweiz mit den Bergen liebt, mag sie auch die Kulturstadt Belgrad in Serbien.
Haag. 

Eigentlich spielte Doris Dosic nie wirklich mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen. Doch als sie die Gelegenheit vor der Nase hatte – in ihrem Dorf ist eine ideale Räumlichkeit frei geworden – merkte sie, dass sie wie dafür geschaffen war. So eröffnete sie mit gerade mal 25 Jahren ihren ersten eigenen Coiffeursalon in Azmoos. Mit ihrer lebensfrohen und aufgestellten Art zieht sie die Menschen an und schafft es, jeden in ein Gespräch zu verwickeln.

Früher war sie auch ein aktiver Vereinsmensch. Zehn Jahre lang turnte sie im Turnverein Oberschan mit. «Als meine Mitturnerinnen nach und nach geheiratet und Kinder bekommen haben, waren sie nicht mehr aktiv. Daraufhin zog auch ich mich vom Vereinsleben zurück», erzählt sie. Wenn sie heute Sport betreibt, dann auf eigene Faust. Mit ihrem Hund Gina muss sie sowieso bei Wind und Wetter nach draussen und wenn ihr danach ist, geht sie einige Runden schwimmen. Neu entdeckte die aktive Frau das Wandern für sich und ihre Hündin. Erst kürzlich war sie mit ihr auf dem Hohen Kasten. «Drei Stunden waren wir unterwegs», berichtet sie voller Stolz. Auch da kann sie es nicht lassen, mit den Leuten unterwegs zu plaudern, sei es auch nur über den bevorstehenden Muskelkater. Ausserdem ist sie vom Barfuss-Weg in Wildhaus begeistert. «Das Gras unter den Füssen fühlt sich so flauschig an», schwärmt die Coiffeuse.

Kurzer Abstecher nach Zürich
Aufgewachsen und zur Schule gegangen ist die aufgeweckte Ostschweizerin in Azmoos. Nur kurz zog es sie 2002 für ein Jahr nach Zürich. «Erst hatte ich das Gefühl, dort ist es besser, und so musste ich es versuchen», erzählt sie in ihrem Coiffeursalon in Buchs. «Doch plagte mich das Heimweh», gesteht sie. Sie haltet sich zwar gerne in Städten auf und liebt Shoppingtouren, doch bevorzugt sie die Idylle auf dem Land, wo sie die Ruhe und Natur in vollen Zügen geniessen kann. «Ich liebe die Natur, Tiere und das Landleben. Mit dem Auto bin ich ja schnell in einer Stadt.» Glücklicherweise konnte sie bei ihrer Rückkehr dort weitermachen, wo sie aufgehört hat: Der Salon von dazumal war frei und so blieb sie für zehn Jahre an diesem Standort, bis sie ihr Geschäft 2014 nach Buchs verlagerte.

Was in ihrem Coiffeur-Geschäft gar nicht fehlen darf, ist Gina. «Sie kommt immer mit und setzt sich den Leuten auch gerne auf den Schoss. Sofern diese das auch möchten.» In ihren Laden in Buchs steckte sie so einiges an Energie. Im März 2014 zog sie in die neuen Räumlichkeiten ein und für die Umbauarbeiten blieben ihr lediglich drei Wochen Zeit. Sie lebt für ihren Beruf und ist auch selbst nicht abgeneigt, mal eine pinke Strähne zu ­tragen.

Zu einer Rückkehr kam es nie
Die 51-Jährige stammt von einer Auswandererfamilie aus Serbien: «Mein Vater kam damals hierher, um Geld zu verdienen. Meine Mutter begleitete ihn. Sie war erst 17 Jahre alt.» Eigentlich war in der Familie ständig die Rede davon, eines Tages nach Belgrad zurückzukehren. Dazu kam es aber nie, denn mit Kindern und Enkeln seien die Eltern nun zu fest in der Schweiz verwurzelt. «Eigentlich bin ich mit Leib und Seele beides: Schweizerin sowie Serbin, beide Sprachen beherrsche ich perfekt und ich fühle mich an beiden Orten zu Hause.» Da ihre Familie ein Haus in Belgrad besitzt, reist sie mindestens zwei Mal jährlich – im Sommer und meist im Januar – dorthin. In der Kulturstadt Belgrad halte sie sich gerne auf: «Ich mag die orientalischen Märkte und die Kultur mit den kleinen Geschäften, die sich in der Einkaufsstrasse aneinander Reihen und meist auf etwas spezialisiert sind wie Hüte, Gurte oder Schuhe. Dort gehe ich viel lieber einkaufen als in einem Shopping-Center.» Um all die Lokale auszukundschaften, brauche man länger als einen Tag. In Serbien besteht ihre Haupttätigkeit darin, Verwandten zu besuchen und auf Einkaufstour zu gehen. Dabei wird sie ständig von Gina begleitet.

Voneinander lernen
Nebst Coiffeuse ist Doris Dosic auch Ausbildnerin. Als es in Buchs noch die Coiffeurfachschule gab, unterrichtete sie dort. Nun bildet sie ihre dritte Lehrtochter aus. Gemeinsam strahlen die zwei Frauen pure Lebensfreude aus. «Meine derzeitige Lehrtochter singt sehr gerne. Wenn sie Kunden die Haare wäscht, shampooniert sie im Rhythmus der Musik im Radio», lacht Doris Dosic. «Auch von den Auszubildenden kann man einiges lernen», meint sie augenzwinkernd. «Wenn aber jemand kommt, der etwas trauriges erlebt hat, dann passen wir uns natürlich an», meint die Coiffeuse mit ihren kurzen hellblonden Haaren und dunklen braunen Augen. Jedoch steht für sie im Vordergrund, die Freude, die sie auslebt, auch zu zeigen. Das macht sie auch während ihrer Freizeit, denn am liebsten geht sie tanzen – und zwar zu Elektromusik. So trifft man sie in entsprechenden Lokalen, an der Street Parade in Zürich oder auch an Festivals. Musik und Tanzen gehören bei ihr einfach dazu. Manche beschreiben die quirrlige Frau sogar als nervös, doch sie meint, dass sei ihre Lebensenergie.

Man kann es kaum glauben, aber die energiegeladene Frau geniesst es auch einfach mal, am Strand zu liegen, ein Buch zu lesen, die Gegend zu beobachten oder eine längere Bootstour zu unternehmen. Am liebsten macht sie das auf den griechischen Inseln. Sie reist gerne und ist viel unterwegs, doch für lange Flüge hat sie nichts übrig. «Kurzstrecken reichen vollkommen, weil ich eigentlich nicht gerne fliege. Ich bin eher in Europa am Reisen und besuche Strände.» Durchaus kann sie einfach mal nichts tun und freut sich jeweils auf diese Momente, um herunterzufahren. (ms)

 

09. Nov 2019 / 22:36
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