• Julia Oehri, Ruggell
    Julia Oehri findet alle Aktivitäten mit einem Ball toll.  (Tatjana Schnalzger)

"Für mich gibt es nur Fussball"

Sechs Jahre lang musste Julia Oehri aufgrund von Verletzungen von ihrer Leidenschaft – dem Fussball – pausieren. Jetzt übt sie ihre Passion in vollen Zügen aus.

Seit Julia Oehri gehen kann, läuft sie Bällen hinterher. Als 4-Jährige durfte sie dann beim USV Eschen/Mauren mitspielen. Doch musste sie sich das verdienen. «Erst begleitete ich jeweils meinen Cousin in die Trainings. Da ich ein Mädchen bin, liessen sie mich nicht mitspielen. Also sass ich weinend am Spielfeldrand, bis das Training vorbei war. Nach sechs Wochen durfte ich endlich mitspielen», erzählt die Schellenbergerin. In der Schule liess sie keine Gelegenheit aus, Fussball zu spielen. «Damals war ich das einzige Mädchen in der Schule, das Fussball spielte, und auch sonst kannte ich kein anderes», meint sie. Von zu Hause erhielt Julia Oehri immer Unterstützung, obwohl es ihre Eltern vielleicht erst für eine Phase hielten. «Für mein Umfeld war es ganz normal, dass ich Fussball spielte», fügt die sportliche Frau mit kurzen schwarzen Haaren, die leicht gelockt sind, hinzu.

Derzeit widmet sich die 32-Jährige ganz dem Fussball. Denn wer weiss, wie lange sie noch spielen kann. «Eines Tages wird es mit dem Sport vorbei sein, darum möchte ich die Zeit auskosten.» Schliesslich weiss sie, wie es ist, seine Leidenschaft nicht ausüben zu können. Erst riss ihre Achillessehne und danach setzte eine Lungenembolie sie ausser Gefecht. Das zwang sie zu einer Pause von sechs Jahren. Der Sport habe ihr geholfen, wieder gesund zu werden. «Ich sagte zu mir selbst, ich will wieder zurück auf den Platz. Das hat mich animiert, zu kämpfen», erzählt sie. Auf die Frage, ob sie während ihrer Zwangspause nicht darüber nachgedacht habe, einem anderen Hobby nachzugehen, verneint sie dies vehement: «Für mich gibt es nur Fussball.» Trotz allem stand sie während dieser Zeit so gut wie jeden Tag als Trainerin auf dem Platz. «Im April 2018 fing ich an, wieder selbst zu spielen. Doch habe ich es etwas übertrieben», gesteht sie. Eine Sehne hatte sich entzündet. Nun ist alles wieder in Ordnung.

Brauchte etwas Neues

Bis vor zwei Jahren arbeitete die Sportlerin als Hochbauzeichnerin. Aufgrund ihrer Erkrankung musste sie ihr Pensum damals reduzieren. «Ich fing an, mich im Kreis zu drehen und brauchte etwas Neues.» Da kam ihr das Projekt «Fussball macht Schule» vom Liechtensteiner Fussballverband wie gerufen. «Wenn ich als Trainerin dabei bin, erfahren auch die Mädchen, dass die Sportart keine reine Männerdomäne ist», meint Julia Oehri. Das ist ihr sehr wichtig aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen. Sie setzt sich dafür ein, dass die Mädchen, die Fussball spielen möchten, auch gefördert werden. Sie gehört sicherlich zu jenen, die dem Frauenfussball im Land den Weg ebneten. 

Während dem Gespräch gesteht sie, dass sie es früher auf dem Fussballplatz einige Male übertrieben habe. «Manchmal bin ich einfach übermotiviert und wenn ich den Ball und das Goal sehe, da schaltet manchmal die Vernunft aus – ohne Rücksicht auf Verluste oder Verletzungen.» Sie selbst bezeichnet sich als Exotin, wenn es um den Sport gehe. Denn sie ist immer bereit, auch fünf Uhr morgens, kurzfristig innerhalb 15 Minuten, für ein Spiel bereitzustehen. Ihr Engagement zeigt sich in ihren Ämtern und in ihrer Funktion als Trainerin: Frauenverantwortliche beim USV Eschen/Mauren, sie trainierte Frauenmannschaften und Kinderfussballteams, hat die sportliche Leitung beim ThyssenKrupp Fussball-Erlebniscamp des USV Eschen/Mauren inne, ist als Trainerin bei anderen Camps wie dem «Mädchen-am-Ball-Camp» vom LFV aktiv und betreut Junioren-Mannschaften in Liechtenstein. Sie selbst spielt und trainiert beim FC Widnau. Folglich befindet sich Julia Oehri während der Saison sieben Tage die Woche auf dem Rasen. «Montag, Mittwoch und Donnerstag trainiere ich die C-Junioren. Dienstag, Mittwoch und Freitag trainiere ich selbst. Am Samstag sind Spiele mit den Jungs angesagt und am Sonntag spiele ich selbst», zählt sie ihr Programm auf. Als Trainerin beim USV engagiert sie sich seit mehr als zehn Jahren. «Erst wollte ich noch etwas warten, da ich gerade meine Lehre abschloss. Dann hiess es aber, dass die Buben in Schellenberg nicht trainieren konnten. Da ich weiss, was es bedeutet, spielen zu wollen und die Möglichkeit dazu nicht zu haben, sagte ich doch zu. Denn ich habe mir selbst geschworen, dass keinem Kind dasselbe passieren darf wie mir.» 

Da sie hauptsächlich Kinder trainiere, werde sie von den jungen Buben immer akzeptiert, denn denen sei es egal, ob Mann oder Frau, Hauptsache, sie dürfen spielen. Vereinzelt Väter dagegen hätten damit eher ihre Mühe gehabt. «Die Jugendlichen, die ich seit der vorangegangenen Saison trainiere, kennen mich schon und wissen, welche Ausbildungen ich habe, schliesslich bin ich eine der am besten ausgebildeten Trainer beim USV. Manchmal ist es lustig, da ich oft die Kleinste in der Runde bin», lacht sie. Auf dem Spielfeld wurde sie vergangene Saison oft von Gegnern oder Schiedsrichtern angesprochen, dass sie noch nie erlebt hätten, dass eine Frau eine B-Junioren-Mannschaft trainiere.

Einmal die Hymne singen

Den grössten Boom erlebte der Frauenfussball in Liechtenstein, als die Weltmeisterschaft in Deutschland stattfand. «Die war präsenter als diejenige, die dieses Jahr in Frankreich ausgetragen wurde», berichtet Julia Oehri. Der Boom zog sich einige Jahre hin, nun flaut er ab. «Momentan bemühen wir uns, eine Frauennati in Liechtenstein auf die Beine zu stellen, vielleicht gibt das wieder einen Anreiz», hofft sie. «Eines Tages vor einem Spiel die Landeshymne zu singen, das wäre für mich das Grösste», schwärmt die Fussballbegeisterte. Denn das sei das Einzige, was sie noch nicht erreicht habe. Mit Stolz kann sie von sich behaupten, dass sie eine der ersten Frauen im Land war, die das UEFA B-Diplom als Trainerin erwarb und mit einem FL-Pass für die Ostschweizer Auswahl spielte. «Ich war in der Nati A und B wie im Cup-Halbfinal, spielte also überall, wo es möglich war.»

Wenn Julia Oehri einmal nicht Fussball spielt, trifft sie sich mit Freundinnen, geht ins Kino oder gemütlich etwas trinken. «Es ist mir auch wichtig, einmal über etwas anderes zu reden als Fussball», gibt sie zu. Auch kann man sie immer für eine Runde Beachvolleyball gewinnen, schliesslich findet sie alles, was mit einem Ball zu tun hat, interessant. (ms)

21. Jul 2019 / 00:00
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