•  (Daniel Schwendener)

"Es chunnt scho guet"

Peter Kindler ist ein Optimist, aber kein verblendeter. Wenn es sein muss, trifft er unangenehme Entscheidungen. Den neuen Lebensabschnitt will der scheidende Gemeindepräsident aber etwas ruhiger angehen lassen.

Zwei Tage, dann tritt Peter Kindler seinen Ruhestand an. Acht Jahre war er Gemeindepräsident der Gemeinde Sennwald. Seine letzten Arbeitstage verbringt er so wie die vielen davor: mit dem Tagesgeschäft. «Ich hätte gewisse Sachen vor meinem Abtritt schon noch gern abgeschlossen», meint er. «Aber das ist eben nicht immer möglich.» Um seinem Nachfolger den Antritt zu erleichtern, habe er sämtliche offenen Projekte in einer Tabelle übersichtlich zusammengefasst. Ob er das auch gehabt habe, als er den Posten antrat? «Nein, das war nicht nötig. Als Gemeinderatsschreiber wusste ich ja bestens Bescheid», erklärt er. 20 Jahre habe er diesen Posten besetzt, bevor er in das Büro nebenan wechselte. «Ehrlich gesagt, habe ich damals nicht gedacht, dass sie mich einstellen werden», meint er und lacht. Er sei ein Quereinsteiger aus der Speditionsbranche gewesen. «Ich war Disponent und später Abteilungsleiter.» Der Job habe ihn auch nach Sennwald gebracht. «Als ich bei der Spedition in Buchs angefangen habe, habe ich mich hier niedergelassen.» Heute ist die Gemeinde am Fusse der Staubern seine Heimat.

Eine gute Lebenserfahrung

Dass Peter Kindler im Büro gelandet ist, sei keine Überraschung gewesen. «Ich bin handwerklich völlig unbegabt», gesteht er. Eine grosse Berufsauswahl habe er von da her nicht gehabt. «Ich habe dafür Freude am Rechnen und eine Begabung für Sprachen.» So entschied er sich für eine klassische KV-Lehre. Ob er sich heute wieder dafür entscheiden würde? «Wenn ich so zurückblicke, glaube ich, wäre ein Job in der Tourismusbranche auch nicht uninteressant gewesen. Im nächsten Leben wäre das vielleicht eine Option.»

Bereut habe er seine Entscheidung aber nie. Nicht einmal, als die Altersheim-Affäre ans Licht kam. «So etwas wünsche ich keinem», meint er kopfschüttelnd und räumt ein, so manch schlaflose Nacht gehabt zu haben. Doch getreu seinem Motto «Es chunnt scho guet», verlor er nicht seinen Optimismus. «Davonlaufen war nie eine Option.» Und am Ende kann er der Sache auch Positives abgewinnen. «Es ist eine Lebenserfahrung, wenn auch eine unangenehme. Und ich bin froh, ist das noch während meiner Amtszeit ans Licht gekommen.» Denn der Gemeindepräsident, der das Altersheim an die Wand gefahren hat, das hätte er nicht sein wollen.

Um den Betrieb wieder auf Kurs zu bringen, waren schnelle und klare Entscheidungen nötig. Davor scheut sich Peter Kindler nicht, auch wenn es unangenehme sind. «Meine Meinung vertreten, das kann ich. Ob es die richtige ist, wird sich zeigen. Aber ich höre auch gern zu», sagt er.  So pflegte er und mit ihm die ganze Gemeinde stets eine sehr respektvolle Kommunikationskultur, die er in der heutigen Zeit klar vermisse. «Die Unsitte, Diskussionen schnell auf eine persönliche Ebene und unter die Gürtellinie zu führen, greift immer mehr um sich. Das ist schade.» Mehr Kompromissbereitschaft, das würde er sich wünschen.

«Lebensfreude pur»

Eigentlich wäre Peter Kindler noch bis Ende Jahr Gemeindepräsident gewesen. Er habe sich aber bewusst dazu entschlossen, sein Amt früher abzugeben. Aus praktischen Gründen, wie er erklärt. «Ende Jahr machen wir die Rechnungsabschlüsse und damit die Planung des Budgets für das kommende Jahr. Das heisst: der alte Gemeindepräsident würde das Budget einteilen und der neue darf es dann verantworten. Das ist Schwachsinn.» So aber könne sich sein Nachfolger ein halbes Jahr einarbeiten «und ich den Sommer geniessen». Ausserdem sei er ja nicht aus der Welt, höchstens in den Bergen. Dort könne er am besten abschalten und auftanken. «Ich war schon immer ein begeisterter Biker. Zu meiner Zeit wohl noch ein Pionier», meint er lachend. Neben dem Job seien die Ausflüge in die Berge zwar weniger und dadurch die Kondition schlechter geworden. Die Freude habe er aber nicht verloren. «Mittlerweile habe ich ein 700 Watt Fully E-Bike und es ist ein wahrer Genuss», schwärmt er mit einem aufgeregten Leuchten in den Augen. «Das ist Lebensfreude pur. Ich kann grosse Tagestouren machen. Der Akku hält unendlich und ich komme erholt nach Hause.»

Seinen letzten offiziellen Auftritt als Gemeindepräsident hatte Peter Kindler am Samstag. Dabei durfte er den neuen Nussweg in Frümsen einweihen. «Eine schöne Aufgabe», sagt er und gesteht, dass er öffentliche Auftritte eigentlich nie besonders mochte. Die Gesellschaft und die Nähe zu den Bürgern hingegen habe er stets gern gesucht und das wolle er auch weiterhin tun. «Wenn auch in einem anderen Rahmen.»

Was er an seinem ersten Tag im Ruhestand vorhabe? «Vermutlich ausschlafen», meint er und lacht. «Beim Abschied am Dienstag könnte es noch spät werden.» Pläne habe er keine gemacht. «Ich habe keine Angst, dass ich in ein Loch falle. Ich darf gesund sein – das ist das höchste Gut.» Ausserdem sei er ja noch Gemeindepräsident und als solcher bis zum letzten Tag tätig. Überhaupt habe er eigentlich noch keine Zeit gehabt, sich Gedanken um seinen Ruhestand zu machen. «Ich wüsste auch nicht, weshalb. Den lasse ich ganz entspannt auf mich zukommen.» Auf jeden Fall freue er sich auf die Zeit und langweilig werde ihm auf keinen Fall. «Ich bin sportlich und werde viel biken und wandern.» Ausserdem gebe es da noch Enkelkinder und zwei Hunde, die gehütet werden wollen. Aber erst mache er einmal Ferien. «Mitte Juli bin ich mit lieben Freunden im Südtirol am Biken. Darauf freue ich mich schon sehr.» (sms)

27. Jun 2020 / 19:41
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