•  (Albert Mennel)

"Beide Seiten des Rheins sind für mich eine Region"

Das Radio und die Bank – so gegensätzlich die zwei Bereiche auch sind, so perfekt passen sie zu Rosmarie Lutziger. Die Vaduzerin braucht immer etwas zu tun und ist sehr engagiert.

Ein spontaner Lacher, kleine Versprecher, aber auch «Ähs» gehören für Rosmarie Lutziger zu einer Radiosendung dazu. Schliesslich sind es genau diese Dinge, die hin und wieder passieren und eine Übertragung authentisch machen. Darum ist die Vaduzerin mit Grabser Dialekt jedes Mal, wenn die beliebte Kultsendung «Rosmaries Öbetli» auf Radio Melody läuft, live auf Sendung. Sie weiss nicht, was sie von den Anrufern am Telefon gefragt oder in was für ein Gespräch sie verwickelt wird. «Rosmaries Öbetli» funktioniere wie eine grosse Familie, habe sich zu einem sozialen Netzwerk entwickelt, wie die Moderatorin erläutert: «Die Menschen freuen sich, mit mir zu plaudern und helfen einander mit Tipps, wenn jemand Rat sucht oder verzweifelt ist, was in der momentanen Lage öfters zu hören ist.» Für Rosmarie Lutziger ist es Balsam für die Seele und ein Ausgleich zum Alltag in der Bank, sich mit den Menschen auseinanderzusetzen und ihnen den Abend nicht nur am Dienstag bei «Rosmaries Öbetli», sondern auch ein- bis zweimal im Monat am Freitag beim «Wunschkonzert» zu versüssen. «Beim ‹Wunschkonzert› ist das Musikrepertoire breiter, die Abwechslung finde ich herrlich, denn ich höre auch gerne mal Status Quo, Abba oder AC/DC und ähnliches.» Hauptberuflich arbeitet die aus Grabs Stammende bei der LGT als persönliche Assistentin des Chairmans und des Stiftungsrates. «Beide Jobs sind in sich so konträr, und doch passen sie für mich perfekt zusammen.»

Musikalische Familie
Der Musikstil in der Sendung «Rosmaries Öbetli» ist auf die engagierte Frau wie zugeschnitten: Volkstümlicher Schlager, Evergreens und zwischendurch darf es auch mal etwas rein Volkstümliches sein wie ein Naturjodel oder ein schöner Ländler. Diese Musikrichtung wurde ihr in die Wiege gelegt. An vielen Abenden musizierte und sang ihre Familie oft zu Hause mit Schwyzerörgeli, Flöte, Klavier, Mundorgel und allem, was sonst noch dazugehörte. Ihr Vater war Mitgründer des Jodelklubs Bergfinkli Grabs. Rosmarie Lutziger ist sichtlich stolz auf ihre Herkunft. «Regelmässig fand bei uns zu früheren Zeiten auch die Metzgete mit Ländlermusik statt und meine Mutter brachte uns dazu das Tanzen bei», schwärmt sie von ihrer Kindheit. Als Bauernmädchen – erzählt sie während des Telefongesprächs – war sie öfters im Stall und hörte gerne ihrem Vater zu, wie er, während er die Kühe melkte, jodelte. «Kann ja gut sein, dass der Spruch wirklich stimmt, dass die Kühe dann mehr Milch geben», lacht sie. 

Im Jahre 1991 stiess Rosmarie Lutziger zum Sportteam des ehemaligen Radio Gonzen. Dies war der Startschuss ihrer Radiokarriere. Später rutschte sie in das Tagesprogramm von Radio Ri und moderierte jeweils an den Wochenenden. Sie erinnert sich noch genau daran, wie sie in den frühen Morgenstunden – ihr Tag begann um halb vier Uhr – über verschneite Strassen oder im Sturm zur Arbeit fuhr. «Die Moderation und Redaktion unterlag damals einer einzigen Person, also war ich alleine im Studio und stellte die Sendung am Morgen früh zusammen», berichtet sie. «Auch viele Aussenauftritte gehörten dazu, wie etwa die Rhema oder die Wiga, um zwei zu nennen. Das Radiostudio war dazumal noch in Buchs. Heute befindet es sich in St. Gallen, was wegmässig nicht immer einfach ist.»

Sport und Politik
Der Sport, der sie zum Radio brachte, ist der Fussball, den sie zugleich als ihr Leben bezeichnet. «Fussball gefällt mir einfach», erzählt Rosmarie Lutziger. Früher war sie fast jedes Wochenende auf Fussballplätzen anzutreffen. Zu ihren Favoriten zählten der FC Altstätten, FC St. Gallen und USV Eschen/Mauren. «Leider fehlt mir heute die Zeit dafür», meint sie seufzend. 

Als der FC Buchs sein 75-jähriges Jubiläum feierte, half die Sportbegeisterte im Verein aus. Und so rutschte sie hinein und wurde sogar Präsidentin. Rosmarie Lutziger war die erste Frau überhaupt, die in der Ostschweiz einen Fussballklub präsidierte. «Es war eine tolle, aber auch harte Zeit, die mir viel gegeben hat», erinnert sie sich. «Bei Verhandlungen haben sich einige gedacht, sie können bei mir, weil ich eine Frau bin, auf die Tränendrüse drücken – aber nicht mit mir.» Und das, obwohl Rosmarie Lutziger im Grunde eine einfühlsame Person ist, was im Radio immer wieder zum Vorschein kommt. Sie ist ein herzlicher Mensch.

Nach ihrer Zeit im Fussball widmete sich die vielseitige Frau der Politik und trat der FDP Sevelen bei. Sie wurde als Präsidentin in die Geschäftsprüfungskommission gewählt und sie war auch im Vorstand der FDP Sevelen. In ihrer Amtsperiode lagen die Sozialen Dienste Werdenberg in ihrem Zuständigkeitsbereich. «Das war für mich gar nicht einfach – nur schon wegen den Menschen, die man natürlich kannte. Doch auch diese Erfahrung stärkte mich und half mir später in einigen Situationen», resümiert die ehemalige Politikerin. Der FDP Werdenberg ist sie treu geblieben aber ansonsten führt sie kein politisches Amt mehr aus. 

Nur wenig Zeit für sich 
Auch wenn sich ihr Leben ab dem 16. Lebensjahr mehrheitlich in Liechtenstein abspielte, ist sie eine stolze Grabserin. Nach der obligatorischen Schulzeit begann Rosmarie Lutziger eine kaufmännische Ausbildung in der Hilti-Gruppe. Die Lehrzeit prägte sie sehr, denn sie war das einzige Mädchen – und ein schüchternes dazu – in ihrem Jahrgang, und das in einem Grossbetrieb. «Die erste Woche war gar nicht einfach», gesteht sie. Jedoch gewann die damals junge Frau stets an Selbstvertrauen, was ihr bis heute geblieben ist. Später zog es sie weiter zur BIL, der heutigen LGT, wo sie noch immer arbeitet. 

Auf die Frage, ob sie sich für eine Seite des Rheins entscheiden könne, gab Rosmarie Lutziger folgende Antwort: «Ich schaue beide Seiten als eine Region an. In meiner Jugend gab es keinen Unterschied.» Dass sie beide Rheinseiten verbindet, zeigt ihr Engagement im Verein Liechtenstein Werdenberg, in dessen Vorstand sie für die Finanzen zuständig ist. «Wir sind die Brückenbauer der Region und das ist genau meins.» Doch ist dies nur eines von vielen Ämtern, die sie neben ihren beiden Jobs belegt, und genau das ist Rosmarie Lutziger: Sie ist kein Mensch, der einfach nichts tut. Gibt sie ein «Ämtli» ab, beginnt sie etwas Neues. Wenn zwischendurch etwas Zeit bleibt, dann musiziert sie, hört Musik, sucht die Natur in den Bergen oder pflegt ihre Familie und Freundschaften. (ms)

11. Apr 2020 / 11:57
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