• LIEWO Portrait - Miro Berek
    LIEWO Portrait - Miro Berek, Bild aufgenommen in der Eishalle in Grüsch am 02.12.2015, (Jürgen Posch)  (Jürgen Posch)

Miroslav Berek: «Eishockey ist mein Leben!»

Regelmässiges Training, taktische Überlegungen sowie das Interesse an sportlichen sowie politischen Entwicklungen prägen das Leben von Miroslav Berek. Der 77-jährige Trainer und ehemalige Profispieler fasst sein Leben gerne in einem Wort zusammen: «Eishockey!»

Minus 15 Grad Celsius, ein beissend kalter Wind, eine offene Bahn und angriffslustige Gegner – als ehemaliger Profi-Eishockeyspieler ist sich der Tscheche Miroslav Berek harte Bedingungen gewöhnt. Doch noch heute erinnert er sich gerne an harte Spiele in Russland und Schweden zurück. «Ohne Salbe um die Nase wäre es unmöglich gewesen, überhaupt zu spielen. Trotz der Hilfsmittel konnten jeweils nur zwei Drittel der Mannschaft spielen, während die anderen sich kurz aufwärmen mussten, um weiterzukämpfen.» Das Einzige, was ihm rückblickend noch lieber war, waren Trainings, welche richtig an die Substanz gingen: «Wir liefen 200 Meter hoch auf einen Berg – durch das Eis und den Schnee mussten wir auf allen vieren gehen, um oben beim Trainer anzukommen.» Der Biss und die Härte, welche sich Miroslav Berek bereits in jungen Jahren antrainierte, prägten ihn sehr. So ist ihm der entsprechende Ehrgeiz heute noch ins Gesicht geschrieben: «Es ist einfach so – wenn ich auf dem Eis stehe, dann will ich gewinnen. Das war immer schon so. Und ich erwarte es auch von meinen Spielern.» Dass sich die «östliche Härte» von damals heute nicht eins zu eins ins Training übertragen lässt, ist ihm wohl bewusst. Dennoch bräuchten auch Amateure harte Worte, denn nur diese würden die Spieler schlussendlich weiterbringen. «Wichtig ist es, dass die Spieler immer wissen: Spätestens wenn wir vom Feld gehen, ist alles wieder in Ordnung und wir haben es gut miteinander.»  

Gegenseitige Bewunderung und Anerkennung
In seinem Leben durfte Miroslav Berek viele Erfahrungen sammeln – als Sportler und Trainer ist er daher angesehen. Dennoch entschied er sich, in den Ruhestand zu gehen – und machte diese Rechnung ohne die sportbegeisterten Liechtensteiner. So lernte er Thomas Hassler in Feldkirch kennen. Dieser war bereits aktiv im Eishockey Club Vaduz Schellenberg, der sich im Jahr 1998 zusammenfand. Der Verein fusionierte aus dem Hockeyclub Schellenberg sowie dem Eishockeyclub Vaduz und überstand mehr als eine gemeinsame Trainingssaison. Auf der Suche nach einem Trainer gelangten die rund 25 Mitglieder so an den Tschechen. Doch Berek wollte keinen Verein mehr langfristig übernehmen. «Trotzdem dachte ich, dass ich ihnen in ein bis zwei Trainings das Wichtigste zeigen und mitgeben möchte», führt Miroslav Berek seine ersten Beweggründe aus, die Schlittschuhe wieder zu schnüren. Es machte ihm jedoch so viel Spass und die Chemie stimmte von der ersten Begegnung an. So trifft er sich heute noch jeden Mittwoch mit «seinen Jungs» an der Avia-Tankstelle. Von hier aus fahren sie gemeinsam zur Eishalle nach Grüsch, wo sie spät abends noch trainieren. «Es ist einfach nur schade, dass es in Liechtenstein keine Halle mit Kunsteis gibt. So besteht keine Lobby für Freunde des Eissports und auch für den Nachwuchs sowie das Publikum wird es nicht einfacher, dem Sport näherzukommen», bemängelt Berek nachdenklich. Doch es habe auch etwas Gutes: So sehe er, wie wichtig seiner Mannschaft der Sport wirklich sei. «Ich bewundere sie dafür!» Den Aufwand würden seine Spieler sonst nämlich nicht auf sich nehmen. Neben dem regelmässigen Training stehen auch regelmässig Spiele am Wochenende in Feldkirch, Dornbirn, Schruns und Grüsch auf dem Programm.
 
Minimale Zeit – maximale Kameradschaft
Mit seiner Mannschaft ist Miroslav Berek in der aktuellen Saison sehr zufrieden – auch wenn sie einen schwachen Saisonbeginn mit zwei Niederlagen hatte. Die Mannschaft rückte dadurch nochmals zusammen und verlor sich nicht. So habe sie das Potenzial, ganz vorne mitzuspielen. Man müsse sich an das
defensiv ausgerichtete Spielsystem halten und als Mannschaft kompakt auftreten. Dies gelang den rund 30 Spielern in Schruns, als sich der EHC Vaduz Schellenberg einen offenen Schlagabtausch gegen den EHC Aktivpark Montafon 2 lieferte und für den Sieg sorgte. Nach der hochklassigen Auswärtspartie hatte die Mannschaft allen Grund zu feiern. «Dies kommt aus zeitlichen Gründen oft zu kurz und ist sehr wichtig für unsere Gruppe, da ohne Zusammenhalt nichts funktionieren würde», weiss der erfahrene Spieler und Trainer.
In der laufenden Meisterschaft sicherten sich die Spieler nun den zweiten Tabellenplatz. Damit sind sie auf Playoff-Kurs und hoffen darauf, ins Finale einzuziehen. «Wir müssen stets eine stimmige Hierarchie schaffen – das ist das A und O einer Mannschaft», weiss Berek. Wie wichtig das Team ist, habe ihm eins der letzten Spiele wieder gezeigt. Es ergab sich, dass einige Leistungsträger nicht anwesend sein konnten. Spontan wurde man so vor eine neue Herausforderung gestellt und es gelang, dass insgesamt zehn Spieler Tore erzielen konnten. «Sie haben unsere Taktik eingehalten, hart gekämpft und Tore geschossen», freut sich Berek.
Trotz seiner Härte weiss er, wie wichtig das entsprechende Lob im Anschluss ist. Besonders freute es ihn, dass viele unterschiedliche Spieler an den Toren beteiligt waren. Dies sei immer ein gutes Zeichen. Auch Tormann Marco Andreoli sei eine grosse Stütze für die Mannschaft und kämpfe für das Team. «Für mich selbst geht es jetzt nicht mehr darum, Tore zu schiessen, dennoch will ich gewinnen, und das erwarte ich auch von meinen Spielern. Egal in welcher Liga man spielt. Für mich steht nun die Taktik im Zentrum.»
 
«Trainiere hart! Trainiere ehrlich!»
Die hohen Erwartungen, die Miro­slav Berek an seine Spieler hat, beeindrucken die Mannschaft wohl ebenso wie seine breit gefächerten Erfahrungen sowie die Härte sich selbst gegenüber. So ist der Trainer eine Art Vaterfigur für die jungen Männer, welche den Sport ebenso lieben wie ihr Trainer. Das aufstrebende Herrenteam und Trainer
Miroslav Berek scheinen sich gesucht und gefunden zu haben. Denn sie geben sich gegenseitig sehr vieles, wie es von beiden Seiten heisst und was auf dem Spielfeld sichtbar wird. «Ich freue mich auch nach mehr als zehn Jahren auf jedes Training mit dieser Mannschaft», erklärt Berek stolz. Wenn er beim Treffen vor dem Training von seinem persönlichen Sportprogramm erzählt, so ist er nicht nur Trainer, sondern auch Vorbild. Denn mit seinen 77 Jahren und nach mehreren Operationen ist er körperlich zwar nicht mehr in Bestform. Ein regelmässiges Fitnesstraining sowie Nordic Walking zweimal pro Woche gehören für Berek trotzdem dazu. Sein Lebensmotto «Trainiere hart – trainiere ehrlich!» lässt den Tschechen seit seinem 13. Lebensjahr nicht mehr los. Doch damals entschied er sich noch nicht für den schnellsten Mannschaftssport der Welt, sondern wollte Fussballprofi werden. Für diesen Traum tat er alles und spielte mit 18 Jahren in der tschechischen Nationalmannschaft. Parallel dazu begann er mit dem Training als Eishockeyspieler und entschied sich dann für eine professionelle Karriere im Eishockey.
 
Ein «Zigeunerleben», das bewegt
«Sport war damals für uns die einzige Chance, dem Gefängnis unseres eigenen Landes zu entkommen – es war nämlich nicht möglich, Tschechien zu verlassen», denkt Berek traurig an den Eisernen Vorhang zurück. Das harte Training blieb im zielstrebigen Sportler tief verankert, denn er erlebte, wie wichtig es ist, um weiterzukommen. «Mit den Prämien, die wir als Staatsprofi erhielten, konnten wir uns in Wien manchmal zwei bis drei Kaffees leisten und freuten uns über die Freiheit», beschreibt er das positive Gefühl, wenn sich das Training auszahlte. «Wir haben viel erlebt und es war nicht einfach, doch es hat sich immer wieder gelohnt, einen harten und aggressiven Sport mit dem ebenso harten Training zu leben», ist Miroslav Berek heute noch dankbar. Bis zu seinem 40. Lebensjahr arbeitete er professionell als Eishockeyspieler, bevor er sich entschloss, seine Erfahrung
an jüngere Spieler weiterzugeben. «Ich mag junge Leute und ich finde es toll, wenn sie Interesse am Sport haben.» Schade sei nur, dass sein Sohn, obwohl er die Statur gehabt hätte, nie in seine Fusstapfen treten wollte.
Glücklicherweise ersetzen nun rund 30 Liechtensteiner diese Nachfolge und freuen sich über die Geschichten, welche Berek über seine Erfahrungen als Trainer in Deutschland, Italien und Österreich erzählt. So trainierte er
nicht nur die U18-Damen-Nationalmannschaft der Alpenrepublik, sondern auch den Eishockeyclub aus Chur. Diesem gelang es unter den Anweisungen von Miroslav Berek, erstmals in der Geschichte in die Nationalliga aufzusteigen. Dennoch wollte Berek noch nie so lange in einem Team bleiben wie jetzt beim EHC Vaduz Schellenberg. «Wir Trainer führen ein Zigeuner­leben. Es ist wichtig, dass Trainer auch gehen. So hatte ich immer viel Freude an den Jugendmannschaften und es war eine schöne Zeit in der Profiliga. Doch heute möchte ich dort nicht mehr tätig sein – es herrscht zu viel Druck.» So sei heute ein Aufstieg keine Freude mehr. Es zählen nur noch erste Plätze. Seinen Platz habe er jedoch nicht nur auf dem Eisfeld, sondern auch privat gefunden. So fühlt sich Miroslav Berek seit über 35 Jahren sehr wohl in der Region. «Ich bin dort zu Hause, wo mein Bett steht. Und es ist gut, dass es hier steht», freut er sich, gemeinsam mit seiner Frau in Feldkirch zu leben. So lange er noch am Eisfeld stehen und pfeifen könne, sei sein Leben in Ordnung.

11. Jan 2016 / 14:05
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