• Martin Grässli geniesst die schönen Tage und geht sowohl im Sommer als auch im Winter gern in die Berge.  (pd)

«Manchmal muss man zum Glück gezwungen werden»

Martin Grässli will seinen eigenen Weg gehen. Dieser mag manchmal etwas unorthodox sein, doch lässt sich der junge Unternehmer nicht von Zweiflern beirren und verfolgt sein Ziel.

So ziemlich jeder habe Martin Grässli damals davon abgeraten, das Haus zu kaufen. Doch der damals 24-Jährige liess sich von seinem Vorhaben nicht abbringen. «Ich bin nicht der Typ, der den Kopf in den Sand steckt. Irgendwie findet man immer einen Weg», erklärt er. «Das Gebäude war wirklich mehr als nur baufällig», erinnert er sich. Aber genau danach habe er gesucht. «Ich wollte ein abbruchreifes Haus haben, bei dem ich quasi ohne Hemmungen mit dem Vorschlaghammer um mich schlagen kann», sagt er und lacht. In Buchs, etwas versteckt in der Hostetgasse, hat er ein solches Gebäude gefunden. Seit rund 300 Jahren steht es schon dort. Doch sieht man ihm sein Alter heute kaum mehr an. Lediglich die niedrigen Räume lassen erahnen, dass es älter ist. 
Martin Grässli brach Wände ein, riss Böden heraus, grub den Keller weiter aus, isolierte, verputzte, malte und machte, was eben gemacht werden musste. Dabei kam ihm seine Ausbildung zugute. «Der Beruf des Zimmermanns hätte mich eigentlich sehr interessiert. Aber ich wollte lieber in der warmen Stube sein», sagt er. Also entschied er sich für für eine Schreinerlehre. «Allerdings hatte ich Pech und bin an eine Allround-Firma geraten. Wir haben viele Häuser und Dächer saniert. Also war ich dann doch draussen statt in der warmen Stube», erzählt er. Doch die Arbeit hat ihm trotz des manchmal widrigen Wetters gut gefallen. 

Sein eigener Chef sein
Die Zeit, während der Schreiner sein Haus sanierte, genoss er sehr. Dem Hausierer, der sich in dem alten Gebäude eingenistet hatte, gefiel das weniger. Er wollte das Haus einfach nicht verlassen. «Ich habe dann angefangen abzubrechen und ihn von Zimmer zu Zimmer immer weiter verdrängt. Eines Tages habe ich einige seiner Sachen weggeschmissen. Das hat ihm natürlich nicht gepasst, aber am nächsten Tag hat er die Hütte geräumt.» Gemütlich setzte Martin Grässli seine Arbeiten fort. «Ich musste ja sonst keiner Arbeit nachgehen», sagt er. Denn kurz nachdem er das alte Haus gekauft hatte, hat er seinen Job aufgegeben. «Ich hatte zum Glück noch etwas Geld auf der hohen Kante und konnte davon eine Zeit lang leben.»
Gut zwei Jahre brauchte er, bis er die Umbau- und Sanierungsarbeiten am Haus beendet hatte. Doch bereits lange zuvor war sein finanzielles Polster schmaler geworden. Martin Grässli machte sich natürlich Gedanken, wie es für ihn  beruflich weitergehen sollte. Nachdem ihm das Sanieren seines Hauses so viel Freude bereitete, entschied er sich schliesslich, sich selbstständig zu machen und sein Hobby zum Beruf zu machen. Heute saniert er als Ein-Mann-Unternehmen Gebäude. Kleinere Projekte stemmt er dabei allein, bei grösseren spannt er mit einem Partnerunternehmen zusammen.
«Eigentlich habe ich nie geplant, ein eigenes Unternehmen zu führen. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich eine Führungspersönlichkeit bin», meint der 28-Jährige von sich. Überhaupt sei er ein ruhiger, ja sogar eher schüchterner Typ. «Aber manchmal muss man zum Glück gezwungen werden», sagt er und lacht. 
Der Start in die Selbstständigkeit sei ihm jedoch nicht leichtgefallen. «Das waren lange Tage. Morgens ging es früh zur Arbeit und abends war ich noch bis spät in die Nacht am eigenen Haus beschäftigt. Das war ich nicht mehr gewohnt. Vorher habe ich einfach in den Tag hinein gelebt.» Heute ist sein Heim fertig und das Geschäft laufe ebenfalls gut. «Jetzt kann ich es wieder etwas gemütlicher nehmen», freut er sich. 

Seinen eigenen Weg finden
Obwohl Martin Grässli seiner Arbeit mit viel Freude nachgeht, lässt er es sich nicht nehmen, die schönen Tage zu geniessen. «Ich bin immer schon gern in die Berge gegangen», erzählt er. So kann es sein, dass er morgens spontan statt seinem Werkzeugkoffer die Tourenskier einpackt und vor der Arbeit ein paar Stunden im Schnee unterwegs ist. Im Sommer wandert er gern. «Es gibt, glaube ich, in der Gegend kaum einen Weg oder Grat, den ich nicht kenne.» Am liebsten ist er auf Routen unterwegs, auf denen sonst kaum ein anderer Wanderer anzutreffen ist. Auf dem Berggrat entlangzuwandern, wenn es links und rechts von ihm steil hinunter gehe, das liebe er. 
Hin und wieder ist er mit einem Freund auf einer grösseren Wanderung unterwegs. «Die Spaghettitour haben wir zum Beispiel einmal gemacht», erzählt er. «Oder eine Tour im Wallis, von Zermatt Richtung Ober Gabelhorn.» An diese erinnert sich der Hobby-Wanderer noch gut. «Es war eine recht anstrengende Wanderung. Wir hatten Gepäck und Proviant für eine Woche dabei.» Die erste Nacht haben sie in einer nicht geheizten Hütte verbracht. «Viel geschlafen haben wir da nicht», erinnert sich Martin Grässli. Am nächsten Tag war das Wetter nicht gut. Die beiden Wanderer gingen trotzdem weiter, durch den Schnee, in den sie tief einsanken. «Mein Begleiter wollte umkehren. Ich wollte aber in dem Schnee nicht wieder zurücklaufen. Ich habe ihm gesagt: ‹Das geht schon. Das ziehen wir durch.›» Also gingen die beiden Wanderer weiter. Kaum waren sie auf dem Gipfel angekommen, klärte das Wetter auf. «Es war herrlich. Das war die Anstrengung auf jeden Fall wert und beweist: Es gibt eben doch immer einen Weg.» (sms)

27. Mai 2017 / 22:30
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