• Sascha Quaderer und Hannes Wölfl.  (Daniel Schwendener)

"Mülltrennung ist auch für uns anspruchsvoll"

Ein Gespräch mit Hannes Wölfl und Sascha Quaderer über Plastikverbot, den «Supersack» und die Herausforderung, die die neuen Verbundstoffe bringen.

Seit einiger Zeit verlangen immer mehr Entsorgungsunternehmen eine Gebühr für die Kartonentsorgung. Wie ist das bei Ihnen?
Sascha Quaderer: Bei uns ist das nicht anders. Wir haben seit Kurzem eine Kassa am Entsorgungscontainer. Da vertrauen wir auf die Ehrlichkeit unserer Kunden. Neu ist die Idee allerdings nicht. Während meiner Tätigkeit im Entsorgungsgeschäft – und das sind nun doch schon ein paar Jahre – wurde für die Kartonentsorgung bereits zwei bis drei Mal Gebühren verlangt. 

Klappt das mit der freiwilligen Kassa denn?
Hannes Wölfl: Ja, das klappt recht gut. Unsere Kunden sind ehrlich und bezahlen auch für den angefallenen Karton den sie bringen.

Warum kostet die Entsorgung von Karton denn plötzlich?
Hannes Wölfl: Das hat mehrere Gründe. Zum einen liegt es daran, dass China in den vergangenen zwei Jahren seine Importe für Karton, Papier und sonstige Wertstoffe gesenkt hat. 

Sascha Quaderer: Dadurch ist im Rest der Welt ein Überangebot von Karton entstanden und der Preis dadurch gesunken. Wenn ich Kartonhersteller wäre und zu viel bekäme, würde ich auch weniger bezahlen.

Hannes Wölfl: Ein Hauptgrund für das Überangebot ist unter anderem der Onlinehandel. Ich selbst kenne einige, die sich mehrere Pakete Kleider liefern lassen und im Endeffekt neun von zehn Paketen wieder zurückgehen lassen. 

In Österreich wird Papier und Karton zusammen gesammelt. In Liechtenstein und der Schweiz sammelt man die Stoffe getrennt. Was gehört denn nun ins Papier und was zum Karton? Bei Ihrer Sammelstelle weisen Sie zum 
Beispiel darauf hin, Geschenkpapier im Karton zu entsorgen …

Sascha Quaderer: Das stimmt. Grundsätzlich wäre Geschenkpapier ja Papier. Aber je nach Zusatzstoffen ist es das dann eben doch nicht. Es ist auch für uns oft anspruchsvoll zu sagen, welcher Müll wohin gehört – gerade beim Papier. 

Inwiefern?
Sascha Quaderer: Es gibt immer mehr Verbundstoffe, bei denen man nicht weiss, was man damit anfangen soll. Der Tetra Pak ist da ein klassisches Beispiel: Eigentlich besteht er aus Karton, durch die Beschichtung im Inneren kann er jedoch nicht mit dem Karton entsorgt werden. Solche Produkte kommen immer mehr auf den Markt. Es ist verrückt, dass Hersteller das überhaupt verkaufen dürfen, obwohl die Entsorgung nicht gelöst ist. Gerade was die Plastik-Alternativen betrifft, ist nicht alles so grün, wie es scheint. So zum Beispiel beim alternativen Bio-Plastiksack: Der gehört zu den sogenannten Verbundstoffen und enthält auch Plastik. 

Hannes Wölfl: Solche Verbundsachen gibt es noch einige – mehr als man glauben mag. Die Papiertüten aus dem Supermarkt zum Beispiel gehören auch dazu. Der Grund dafür sind die Tragegriffe, da diese nassfest sind. Auch WC-Papier oder Taschentücher haben im Papier nichts zu suchen. 

Gehen Sie den Müll noch einmal durch, der bei Ihnen landet?
Hannes Wölfl: Ja, das schon. Aber nur grob. Alles zu durchkämmen – das ist unmöglich. 

Was halten Sie eigentlich vom «Supersack»? Rentiert es überhaupt, Plastik gesondert zu sammeln?
Sascha Quaderer: Der ökologische Nutzen des Supersacks ist sicher positiv – aber nicht «wahnsinnig». Das gesammelte Plastik wird verdichtet und kommt nach Deutschland in ein Sortierwerk. Etwa 60 Prozent wird recycelt, der Rest geht in die Verbrennung in der Zementindustrie – wird also als Energie für die Zementproduktion genutzt. Rechnet man noch Produktions- und Transportkosten hinzu, ist der ökologische Nutzen minimal, aber immer noch besser, als alles zu verbrennen. 

In einigen Ländern gibt es bereits ein Plastikverbot. Was halten Sie davon?
Sascha Quaderer: Ich denke, der Plastikmüll ist bei uns weniger das Problem, da dieser ja grösstenteils gesammelt und recycelt wird. Da müsste man eher in jenen Ländern ansetzen, in denen die Umweltverschmutzung noch gang und gäbe ist. Trotzdem ist es gut, dass man das Thema in den Fokus rückt, und besonders dass sich die Jugend mit dem Thema beschäftigt. Letztendlich geht es ja auch um ihre Zukunft.

Was sind die grössten «Müllsünden» mit denen Sie konfrontiert werden?
Sascha Quaderer: Wenn ich sehe, wie jemand eine Aludose in den Restmüll wirft –  da blutet mir das Herz. 

Warum?
Hannes Wölfl: Aluminium braucht in der Herstellung viel Energie bzw. es wird viel CO2 produziert. Beim Recycling werden nur mehr 5 Prozent der ursprünglichen Energie aufgewendet. Und Aluminium kann beliebig oft recycelt werden. 

Wäre es da nicht besser, auf Aluminium zu verzichten?
Sascha Quaderer: Was die CO2-Produktion betrifft sicher. Trotzdem ist da Aluminium noch besser als Glas. Hier wird bei der Produktion zwar nicht so viel CO2 produziert, dafür aber beim Transport, da Glas schwerer ist als Aluminium. Und wenn Aluminium wiederverwendet wird, ergibt das Sinn. Gerade im Kunststoff und Metallbereich ist Recycling wichtig und wertvoll.

Hannes Wölfl: Das ist der Vorteil von Metall: Es hat einen Wert. Das macht den Müll entsprechend wertvoll. Bei Kunststoff haben wir das Problem, dass der Wert negativ ist und mit vorgezogenen Gebühren gearbeitet werden muss. Von da her ergibt der Supersack ebenfalls Sinn.

Was nicht recycelt werden kann, wird verbrannt. Inwiefern ist das sinnvoll?
Sascha Quaderer: Ich finde es eine gute Methode, jenen Müll zu verbrennen, der sonst keine Verwendung hat. Natürlich ist recyceln besser. Aber das geht leider nicht immer. So kann man den Müll wenigstens zur Energiegewinnung nutzen.  

Gibt es da auch Alternativen?
Hannes Wölfl: Teilweise wird Müll noch auf Deponien versorgt – oder besser gesagt «kontrolliert vergraben». Solche Deponien gibt es auch in Europa noch einige. Leider.

Wenn man bei der Entsorgungsstelle arbeitet, ist man da privat sensibler bei der Mülltrennung?
Hannes Wölfl: Ich komme aus der Automobilbranche und bin erst seit etwa zwei Monaten hier. Selbstverständlich habe ich mich davor schon mit dem Thema Mülltrennen auseinandergesetzt, aber nicht so intensiv wie jetzt. Es überrascht einen doch, wie kompliziert die Mülltrennung eigentlich ist. 

Sascha Quaderer: Die Arbeit hier hat mir die Augen geöffnet und selbst nach so vielen Jahren in der Branche gibt es immer wieder Neues zu beachten. Ich habe zuhause acht Mülleimer in der Garage stehen, in denen alles sachgerecht entsorgt wird. Die Arbeit bei der Entsorgungsstelle prägt einen auf jeden Fall, ja. (sms)

25. Jan 2020 / 19:22
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