•  (Daniel Schwendener)

"Miteinander können wir Grosses hervorbringen"

Anpacken – das ist Harry Münteners Stärke. Der Geschäftsführer von Marketing Buchs weiss: Zusammenhalten ist jetzt gefragt, und er zeigt, wie’s geht.

Herr Müntener, Sie sagen: «Menschen sind der Kern von jedem Business.» Wie geht’s den Menschen in Buchs?
Harry Müntener:
Unterschiedlich. Diese Krise spürt jeder, aber nicht jeder gleich, die einen haben keinerlei finanzielle Einbussen, andere eine Lohnkürzung und dann gibt es solche, die erhebliche finanzielle Verluste erleiden und um die eigene oder betriebliche Existenz kämpfen. Was ich sehe, vor allem im Buchser Zentrum, mit den Modegeschäften, Coiffeuren usw. – denen geht es sicher nicht so gut. 

Nun hat Marketing Buchs mit lokalen und regionalen Sponsoren eine Hilfsaktion auf die Beine gestellt: «Der schlaue Fuchs hilft in Buchs.» Was ist da geplant?
Mit dieser Aktion wollen wir den Handel, das lokale Gewerbe und Vereine unterstützen. In einem ersten Schritt werden wir Desinfektionsmittel im Wert von 30 000 Franken an lokale Betriebe abgeben. Und zwar an jeden, nicht nur an die Mitglieder von Marketing Buchs.

Sind noch weitere Aktionen geplant?
Auf jeden Fall. Wir versuchen vor allem Direkthilfe zu leisten und wollen später zum Beispiel auch Masken abgeben. Auch Werbe- sowie Gutscheinaktionen können wir uns vorstellen. Konkret möchte ich an dieser Stelle jedoch nichts versprechen. Vieles befindet sich noch in der Planung. Uns war es vor allem wichtig, sofort Hilfe anbieten zu können. Welche Aktionen und Unterstützung wir noch anbieten können, hängt auch davon ab, wie viel Unterstützung wir noch bekommen. 

Sie sind also offen für Ideen und Helfer?
Auf jeden Fall. Wir können das genauso wenig allein stemmen wie viele Unternehmen auch. Ich bin aber überzeugt, dass es viele mit guten Ideen oder den nötigen Mitteln gibt, die helfen wollen.

Sie sagen, Sie wünschen sich viel Solidarität in der Krisenzeit. Wie haben Sie die Solidarität in den vergangenen Wochen wahrgenommen?
In meinen Augen war es zu wenig. Sicher gibt es viele, die aktiv werden und helfen. Doch müsste man die Aktionen gemeinsam koordinieren. Dann würden sie auch mehr Wirkung entfalten. Im Moment macht jeder ein bisschen etwas, von den verschiedenen Interessensgruppen, der Politik oder den Vereinen. Da wäre Kommunikation gefragt. Ich bin überzeugt: Miteinander können wir Grosses hervorbringen. 

Sie gehören zu den engagierten Menschen, die gern anpacken. Auch als es darum ging, die Wiga zu retten, sind Sie eingesprungen …
Es braucht Menschen, die ein Risiko eingehen, um etwas zu retten, dies ist mit meinen Partnern und Gewerbevereinen gelungen. Ich bin einer, der probiert und macht. Ich erreiche auch lieber schnell 70 oder 80 Prozent, als dass ich versuche, verzweifelt die vollen 100 Prozent zu erreichen und vorher doch alles liegen bleibt. Es muss nicht alles perfekt sein. Ich will etwas bewegen und machen. Optimieren kann man auch im Nachhinein. «Learning by doing» heisst es doch. Das gefällt nicht jedem. Aber wenn man mit guten Gedanken versucht, etwas loszutreten, ist das sicher nicht falsch.

Woher kommt das?
Ich bin immer schon Unternehmer gewesen. Mit einem sehr guten Freund habe ich eine Friseurkette aufgebaut. Später bin ich spontan in die Gastronomie eingestiegen. Ich versuche Chancen, da wo sie sind, zu nutzen. Und ich sehe schnell positive Chancen.

Auch in der Corona-Krise?
Ja, auch da sehe ich Chancen. Viele Leute haben in dieser Zeit gelernt, mit weniger auszukommen als sie haben. So mancher hat die Zeit genutzt, um die eigene Person zu reflektieren. Andere haben mehr Zeit gehabt – das sehe ich bei mir – mehr Zeit für die Familie, die Kinder. Manche sind ruhiger geworden. Ausser man ist stark in seiner Existenz bedroht, selbstverständlich. Dann waren die vergangenen Wochen sicher keine ruhige Phase. 

Glauben Sie, dass uns von dieser Krise etwas bleibt? Oder holt uns der Alltag bald wieder ein?
Ich bin überzeugt, dass der Mensch vergisst. Die Krisen, mit denen wir konfrontiert werden, vergessen wir schnell. Und bald sind wir wieder dort, wo wir aufgehört haben. Doch bis dahin braucht es noch seine Zeit. Wer glaubt, dass jetzt, da man wieder öffnen kann, alles gut ist, hat nichts begriffen. Gut ist noch lange nichts. Es wird Monate, wenn nicht gar Jahre dauern, bis sich alles wieder eingependelt hat und das Geschäft für viele Betriebe wieder rentabel ist. Und da spreche ich nicht von einem finanziellen Gewinn. Sondern davon, dass man die Angestellten und die Miete bezahlen kann. Dass man die Familie ernähren kann – das ist für mich Gewinn. (sms)

09. Mai 2020 / 18:45
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistkommentiert
01. August 2020 / 15:43
Meistgelesen
12. August 2020 / 13:33
12. August 2020 / 11:32
12. August 2020 / 15:38
12. August 2020 / 11:26
Aktuell
12. August 2020 / 16:08
12. August 2020 / 16:23
12. August 2020 / 15:38
12. August 2020 / 15:32
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Schloss Vaduz
Zu gewinnen 1 Ravensburger Puzzle Schloss Vaduz
25.06.2020
Facebook
Top