•  (Rudi Schachenhofer)

"Mit kleinen Projekten neue Akzente setzen"

Drei Vereine taten sich vor zehn Jahren in Schellenberg mit dem Ziel zusammen, alte und seltene Hochstamm–Bäume zu erhalten.

Vor zehn Jahren habt ihr euch zusammengetan und beschlossen, euch für alte und seltene Obstbaumsorten einzusetzen. Wenn ihr nun ein Zwischenfazit ziehen würdet, seid ihr mit dem bisherigen Verlauf zufrieden?
Hans-Rudi Hächler, Obmann Imker Ortsgruppe Schellenberg:
Hochstamm-Bäume brauchen mindestens zehn Jahre oder länger, bis sie ihren ersten Ertrag abwerfen – und vor dem stehen wir jetzt. Gerade weil diese Sorte von Bäumen so viel Zeit braucht, werden sie nicht mehr so oft gepflanzt, da die meisten Menschen heute zu ungeduldig sind und nicht so lange warten möchten. Die Frucht ist aber viel intensiver als von den kleineren Baumsorten. 

Hans-jörg Goop, Verein Edelbrand: Uns geht es in erster Linie um die seltenen Sorten. Wir haben Zeit und wussten von Beginn an, worauf wir uns einlassen.

Hans-Rudi Hächler: Für die Mosterei wie zum Schnapsbrennen sind uns Früchte wichtig. Einige hier auf der Obstwiese sind die letzten ihrer Art.

Hans-jörg Goop: Erst jetzt gedeihen die Bäume langsam, die wir selbst aufgepropft haben. Ihr Ursprung liegt hier in der Region. Während der zehn Jahre hatten wir auch schon eine Mäuseplage, die wir mittlerweile in den Griff bekommen haben. 2017 machte der späte Frost ihnen zu schaffen. Ein Jahr später litten sie unter der langanhaltenden Trockenheit. 

Ihr habt also schon einiges mit den Bäumen durchgemacht.
Hans-Rudi Hächler:
Das sind einfach Rückschläge, die wir hinnehmen müssen. 

Hans-jörg Goop: Wir pfropfen sie auch selbst auf, wie die Heubirnen zum Beispiel. Die Baumsorten hier sind deshalb rar geworden, weil man die alten damals gefällt und nicht mehr nachgezogen hat, weil sie eben langsam wachsen. 

Walter Lampert, Mosterei Schellenberg: Die Birnbäume sind auch nicht mehr so aktuell wie auch schon. Warum?
Walter Lampert:
Zum Verzehren sind sie in der Bevölkerung noch immer beliebt, aber zum Pflanzen nicht mehr. Früher hat man sie noch in den Most beigegeben oder hat sie getrocknet. Das ist vorbei. Der Süssmost wird mit den Birnen fast zu süss und der saure Most zu herb. Noch aber benutzt man die Birnen zum Schnapsbrennen. Die kleinen Heubirnen eignen sich dafür am besten. 

Hans-Rudi Hächler: Früher hat man alles Obst zusammengefügt und gebrannt. Mittlerweile sind die reinen Schnäpse interessanter geworden.

Warum erhaltet ihr die alten Baumsorten?
Hans-Rudi Hächler:
Weil sie zu unserem Kulturbild und der Landschaft gehören. Das Obst ist richtig gut, wenn man es korrekt verwertet. Aber das Wissen darüber geht verloren. Das alles, also die alten Baumsorten wie das Wissen darüber, möchten wir erhalten.

Und wie gehören die Baumschnittkurse dazu?
Hans-Rudi Hächler:
Damit ermöglichen wir den Menschen, die in einer Wohnung leben und keine Bäume haben, bei uns mitzuarbeiten. Das ist etwas Neues und das Interesse ist sehr gross. Die Teilnehmer machen mit, weil sie einfach einen Nachmittag lang Bäume schneiden möchten. 

Geht es also mehr um das Draussensein?
Hans-Rudi Hächler:
Eigentlich ist es wie eine Therapie. Wenn man die Menschen sieht, nachdem sie für zwei Stunden draussen an der frischen Luft waren und sich hier auf der Wiese versammeln, sind sie alle glücklich. Wir haben jeweils um die 50 Teilnehmer. Bei uns wird viel gelacht, das gehört einfach dazu.

Hans-jörg Goop: Auf die Bäume kann jeder selbst hinauf klettern. Unser Wirkungskreis wird ständig grösser, das ist spannend für alle Beteiligten. Die Bäume beim Biedermannhaus zum Beispiel sehen wunderbar aus, da sie regelmässig gepflegt werden. Auch das sind alte Baumsorten und sie passen dorthin.

Walter Lampert: Wir haben auch ­angefangen, Kindergartenklassen und Gruppen allgemein einzuladen. Sie lernen nicht nur etwas über die Hochstammbäume, sondern auch über die Bienen. Auch unternehmen wir mit ihnen jeweils einen Abstecher in die Mosterei. Wir müssen das der Bevölkerung wieder näherbringen.

Hans-Rudi Hächler: Den Kindern ist meist gar nicht bewusst, dass eine Birne im Wasser versinkt, während ein Apfel schwimmt. Als sie das bei uns sahen, kamen sie kaum mehr aus dem Staunen heraus.

Was bringt ihr den Besuchern bei?
Hans-Rudi Hächler:
Wie man junge wie auch alte Bäume richtig pflegt und die Äste kürzt, damit sie ordentlich gedeihen können. Das muss man üben, denn die meisten Menschen haben, wenn, dann einen Baum zu Hause und kaum Erfahrung. Also muss man irgendwo hingehen, um diese zu sammeln.

Hans-jörg Goop: Und ihnen auch das Vertrauen geben, es zu tun. Bei kleinen wie auch grossen Bäumen.

Walter Lampert: Wir haben absichtlich nicht alle Bäume gleichzeitig ­gesetzt, um eben genau dies den Interessierten zu zeigen. 

Warum habt ihr keinen Verein gegründet?
Hans-Rudi Hächler:
In diesem Projekt sind bereits drei Vereine integriert, da braucht es keinen zusätzlichen mehr. Den Boden – hier ist eine Baulandzone – stellt uns die Gemeinde zur Verfügung und sie unterstützt uns auch. Das schafft Synergien. 

Was ist eure Motivation, an dem Projekt dranzubleiben ?
Hans-Rudi Hächler:
Wir sind drei Naturfreunde. Für uns ist das selbstverständlich. Wir sind ein System. Heute reden alle vom Insektensterben und das hängt alles irgendwie zusammen. Das Jahr 2010 stand im Zeichen der Biodiversität und dem haben wir uns verschrieben. Wir haben hier ein Projekt, das stetig läuft. Der nächste Schritt ist hier eine Blumenwiese zu pflanzen.

Walter Lampert: Als wir auf die Idee kamen, sahen wir die gemeinsamen Synergien, die es zu nutzen galt.

Hans-jörg Goop: Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit. 

Pflanzt ihr noch mehr Bäume?
Hans-Rudi Hächler:
Es gibt noch viele Sorten, die wir benötigen. Die pfropfen wir erst noch auf. Es ist eine spannende Arbeit und altes Wissen steckt dahinter. Mit kleinen Projekten setzen wir neue Akzente. 

Walter Lampert: Einen Baum pflanzt man schnell einmal, aber danach muss man ihn pflegen, damit er nicht verwildert.

Wie habt ihr euch das Wissen angeeignet?
Alle:
Wir sind damit aufgewachsen.

Hans-Rudi Hächler: Most und Schnaps hat man damals einfach gemacht, die Äpfel waren da. Man merkt erst, wenn etwas fehlt, wie wertvoll es ist. Wir möchten das an andere weitergeben. 

Walter Lampert: In die Mosterei kann man nur schon mit 20 Kilogramm Äpfeln zum Mosten kommen. Die ganze Familie schaut dabei zu und hat Freude daran. Sobald man sieht, wie es funktioniert,  macht es Spass. Wir haben viele schöne Stunden miteinander verbracht. (ms)

14. Mär 2020 / 20:40
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