• Patric Scott, Sargans
    Patric Scott ist musikalisch derzeit sehr erfolgreich.  (Tatjana Schnalzger)

"In den Songs schütte ich mein Herz aus"

Seit 20 Jahren ist Patric Scott auf der Bühne zu Hause. Sein neues Album ist sein bisher grösster Erfolg. Nun zieht es den Gamser wieder in die Heimat.

Das neue Album «Spririt» sprang von null auf Platz 12 der Schweizer Album Charts. 
Patric Scott: Es war eine grosse Überraschung für mich. Noch bevor das Album veröffentlicht wurde, sagte ich zu mir, dass nur schon die Top 50 gut wären – und dann das. Schliesslich weiss ich im Voraus nie, wie meine Songs ankommen. Das ist immer eine Zitterpartie. Natürlich ist auch die Zusammenarbeit mit Naturally 7 ein guter Promotor. 

Welche Geschichte steckt hinter dem Album? 
Es ist für die Herbst- und Winterzeit gemacht. In den Songs geht es darum, an sich selbst zu glauben und für seine Träume zu kämpfen, also weniger um Liebesthemen. Es geht etwas in die spirituelle Richtung. Beim Schreiben war mir wichtig, die Botschaft zu vermitteln, dass das, was man tut und wie man ist, völlig in Ordnung ist. Das möchte ich den Menschen vor Augen halten.

Haben Sie selbst eine schwere Zeit durchgemacht?
Vergangenes Jahr ist mein Trommelfell geplatzt, das wurde heuer operiert. Ich konnte nur einen Bruchteil meiner Konzerte geben. In solchen Momenten zeigt sich, wer wirklich da ist. Zudem erkrankte ein Familienmitglied – das schweisst zusammen. Aus diesen Ereignissen entstanden auch die Songs. Zudem wollte ich einen Neujahrssong produzieren, denn meiner Ansicht nach gibt es zu wenige davon. Er soll helfen, an seine Träume zu glauben. Der Song entstand gemeinsam mit Rose Ann Dimalanta. Sie arbeitete auch schon mit Prince und Beyoncé zusammen. Das war für mich eine grosse Ehre.

Sie werden also von Ihrem wahren Leben inspiriert?
Das sind alle meine Lieder. Wer sie hört, weiss genau, wer ich bin und wie ich denke. Darin schütte ich mein Herz aus und das findet mein Publikum, so glaube ich, auch beeindruckend, denn ich bin ehrlich. Das Album «Spirit» ist wahrscheinlich deshalb so erfolgreich. Zur Entstehungszeit war ich angeschlagen und dann erkrankte auch noch ein Familienmitglied. Es geht um die Zeit, die man nicht hat. Meine Freunde müssen oft auf mich verzichten. Das Ereignis hat mich wachgerüttelt. Ich habe mir zu Herzen genommen, mir künftig mehr Zeit für Familie und Freunde zu nehmen.

Wo schreiben Sie Ihre Songs?
Eigentlich überall. Zu Hause setze ich mich an meinen Flügel und spiele die Melodie in meinem Kopf, manchmal entsteht auch eine durch das Geklimpere. Die Melodie nehme ich mit meinem iPod auf. Ich kann mich auch einfach mal hinsetzen und meine Gedanken schweifen lassen. Manchmal kommt eine Idee. Weiter schreibe ich gerne am See, ein Schreibblock und ein Stift sind immer dabei.

Haben Sie auch ein Weihnachtslied aufgenommen? 
Ja. Eines davon war ursprünglich ein Gospelsong, mutierte jedoch zu einem Weihnachtslied. Es hat noch weitere auf dem Album, aber die sind nicht so kitschig, wie man es erwarten würde, sondern eher ruhig und nachdenklich, ohne melancholisch zu wirken. 

Sie produzieren alles selbst? 
Ja, und es steckt eine grosse Verantwortung dahinter. Man weiss nie, wie die Musik ankommt. Auch wirkten namhafte Künstler mit, die berühmt sind und die Aufmerksamkeit erhöhen. Die Altersspanne meiner Fans reicht von 19 bis 70 Jahren. Da ist es schwierig, alle abzuholen. Das «Spirit»-Album war schon eine gewagte Sache.

Was für ein Aufwand steckt dahinter?
Für das Album benötigte ich zwei Jahre. Ich stellte erst ein Team von Songwriter zusammen. Die eine Hälfte des Albums produzierte ich in der Schweiz, die andere nahm ich in Los Angeles auf. Dort habe ich mehr Inspiration und mein Gesangslehrer ist ebenfalls dabei und gibt mir eine zusätzliche Sicherheit. Naturally 7 habe ich 1,5 Jahre zuvor angefragt, weil sie so viel zu tun haben. 

Wie ist die Zusammenarbeit mit Naturally 7 entstanden? 
Ich war im Studio und habe einen Song a cappella aufgenommen. Als Witz meinte ich, dass das eigentlich etwas für die amerikanische A-cappella-Gruppe Naturally 7 wäre. Der Gedanke ging mir nicht mehr aus dem Kopf und ich fand eine Möglichkeit, die Jungs ohne den Umweg über das Management zu kontaktieren. Sie hielten sich zur selben Zeit in Los Angeles auf wie ich und der Bandleader hörte sich meinen Song an. Während er ihn sich anhörte, schauter er die ganze Zeit über grimmig drein und ich dachte schon, dass das wohl nichts würde. Als er fertig war, fragte er mich, wer da singe, das klinge nach einer schwarzen Frau. Er konnte kaum glauben, dass ich das war. Der Song handelt von Rassismus. Das Thema ist nach wie vor präsent. Das Duett kam zustande. Damit ging ein Bubentraum von mir in Erfüllung. Im Studio hatte ich nur noch Gänsehaut. Es ist inspirierend, mit anderen Künstlern zusammen. Mit Naturally 7 wollte ich eine Art «We are the World»-Song wie Michael Jackson aufnehmen. Denn wenn ich die Nachrichten lese, habe ich das Gefühl, alle drehen durch. 

Mit welchen Künstlern haben Sie sonst noch zusammengearbeitet? 
Vor zwei Jahren habe ich die Master Class bei Christina Aguilera absolviert. Vorgängig lief ein weltweiter Bewerbungsprozess, für den sich  1500 Sänger meldeten. Nur die elf besten wurden aufgenommen und ich befand mich darunter. Das war unglaublich. Nie hätte ich daran gedacht, dass ich es schaffen würde. Ich bin ein grosser Fan von ihr.  Songwriterin Pamela Shane, die «Genie in a bottle» für Christina Aguilera geschrieben hat, arbeitet jetzt mit mir an einem neuen Album. So ergeben sich Gelegenheiten und es entsteht ein Netzwerk, das ich aktiv nutzen kann. 

Kommt das Album «Spirit» auch international gut an? 
Ja sehr, vor allem in Holland, Australien, Frankreich, Deutschland, der Schweiz und Österreich. Das ist toll, wenn es in so vielen Ländern gut läuft. Dann hat sich die Arbeit auch ausbezahlt. 

Kaufen Jugendliche überhaupt noch CDs? 
Das Streaming kommt immer mehr und ist auch die Zukunft. Die Jugendlichen haben ein ganz neues Konsumverhalten entwickelt. Die Musikvideos werden kaum bis zum Ende angeschaut – sie «swipen» weiter, sobald der erste Refrain vorbei ist. Trotzdem verkaufe ich noch viele CDs, vor allem nach den Konzerten. Es gibt Künstler, die veröffentlichen gar keine CDs mehr und verdienen ihr Geld nur noch mit Konzerten. Deren Songs werden ausschliesslich gestreamt. Auch mein Album ist über einen Stream erhältlich. Das Gute daran ist, dass man sieht, wo die Leute die Songs anhören.

Verdient man über das Streaming Geld?
Es gibt noch keine Regelung dafür. Das Problem wird nicht gerne angesprochen. Wenn man beispielsweise bei einem Streaming-Anbieter alle Songs eines Künstlers für kaum mehr als zehn Franken bekommt, erhält der Songwriter am Schluss einen lächerlichen Betrag. Das ist schade, weil man damit für seine Musik eigentlich nichts verdient. Das ist aber nicht die Schuld des Konsumenten, sondern liegt daran, dass es noch keine Regelungen gibt.

Die Musik ist heute allgegenwärtig.
Das Business befindet sich in einem Wandel und darum leben die meisten Künstler von ihren Auftritten. Meine CDs verkaufen sich zum Glück noch gut, da ich ein sehr breites Publikum habe, das noch gerne eine CD in der Hand hält. Die deutsche Band Deichkind sagte einst, dass die Musik so verfügbar sei wie Wasser. Dementsprechend hat sie auch nicht mehr denselben Stellenwert wie früher. Die Branche soll sich ja auch weiterentwickeln. Die Schallplatte kommt übrigens langsam wieder zurück. 

Können Sie von der Musik leben? 
Ja, denn ich habe das Glück, vielseitig unterwegs zu sein: ich komponiere für andere Künstler, unterrichte, gebe Live-Auftritte und habe Engagements als Sänger. Musicals mache ich eigentlich keine mehr, ausser auf der Seebühne in Walenstadt, weil ich mit ihr sehr verbunden bin. Man darf auch als Künstler nicht einfach stillstehen und muss sich weiterentwickeln. Noch immer nehme ich Gesangsunterricht, lerne neue Techniken kennen und bilde meine Stimme – die ist schliesslich mein Kapital. 

Ist bei Ihnen noch viel los in diesem Jahr? 
Ich befinde mich derzeit noch auf Tournee und gebe Konzerte. Am Dienstag war Plattentaufe in Kloten. Dann ist noch die Silvestergala im Schloss Sargans. Nächstes Jahr geht die Tour weiter und dauert das ganze Jahr. Ich trete ständig mit einer anderen Formation auf. Jedes Konzert soll anders sein und die Zuschauer überraschen. Die Tour geht durch Deutschland, die Schweiz, Österreich, England und Holland.

Dieses Jahr feiern Sie Ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum. 
Das feierten wir am 10. Dezember nach der Plattentaufe in Kloten im Zirkus Salto Natale. Stefanie Berger, Jason Brügger und Christa Rigozzi waren als Gäste dabei. Sie alle hatten gerade Zeit, um mitzufeiern. Erst sang ich auf der Bühne und nach dem Konzert haben wir noch angestossen. Es war ein ganz toller Anlass. 

Ist Gams noch immer Ihre Heimat?
Aufgrund der aktuellen familiären Situation wohne ich derzeit wieder in Gams und habe dort ein provisorisches Tonstudio eingerichtet. Berufsbedingt bin ich schon so oft umgezogen. Wie schön es hier ist, fällt einem erst auf, wenn man weg war. (ms)

14. Dez 2019 / 21:25
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