•  (Tatjana Schnalzger)

"Ich trage auf keinen Fall Gummistiefel"

Larisa Gstöhl ist Liechtensteins erste und einzige Null-Stern-Butlerin. Den Gästen im immobilienbefreiten Hotelzimmer will sie ein unvergessliches Erlebnis bereiten.

Frau Gstöhl, klappt das Bachüberspringen mit gefülltem Tablett schon?
Larisa Gstöhl:
Ganz ehrlich: das habe ich nicht geübt. (lacht) Bei unserem Standort muss ich zum Glück über keinen Gebirgsbach springen. Es geht auch gar nicht darum, ob man mit dem vollen Tablett über einen Bach springen oder durch eine Kuhherde laufen kann. Klar braucht man als Null-Stern-Butler Geschicklichkeit. Aber es geht auch darum, möglichst viel aus dem Standort herauszuholen. Da sind vor allem Humor und Kreativität gefragt. 

Apropos Standort: Sie sind für das einzige Null-Stern-Zimmer in Liechtenstein zuständig. Wo wird denn das stehen?
Tut mir leid. Das wird erst Anfang Juni verraten. Dazu darf ich nichts sagen.

Was halten Sie vom Null-Stern-Konzept?
Ich finde es eine tolle Idee den Gästen auf diese Weise die Natur näher zu bringen. Es ist einmal etwas anderes – für die Region, die Hotelerie und die Gäste.

Eine Nacht im Freien – wäre das was für Sie?
Jein. Ich bin eigentlich kein Camping-Fan. Während der Schulzeit waren Zeltlager ein Graus für mich. Mit der Luxusvariante, wie in diesem Fall, könnte ich mich aber anfreunden. 

Also eine Nacht im Null-Stern-Hotel käme für Sie in Frage?
Ja, dagegen hätte ich nichts. Ich habe auch vor, das Hotelzimmer im Freien selbst auszuprobieren, um ­Erfahrungen zu sammeln und zu schauen, welche Probleme dabei auftreten könnten. Immerhin möchte ich meinen Gästen den Aufenthalt so angenehm und unvergesslich wie möglich machen und da finde ich es wichtig, dass man als Gastgeber beziehungsweise Modern Butler weiss, worauf die Gäste sich einlassen.

Einen Null-Stern-Butler kann man wohl kaum mit einem Butler in einem Fünf-Stern-Hotel vergleichen. Was sind die Null-Stern-Kriterien?
Das Null-Stern-Konzept widerspricht völlig dem gängigen Konzept der Hotelerie. Normalerweise gibt es festgelegte Abläufe und identische Zimmer. In einem gehobenen Hotel sind die Butler unsichtbar und verrichten ihre Arbeit unbemerkt. Im Null-Stern-Hotel ist kein Zimmer wie das andere und der Modern Butler ist Teil des Erlebnisses. Es ist eine Revolution des Berufs. Ohne Butler wäre es einfach eine Übernachtung in einem Bett unter freiem Himmel. Im Null-Stern-Hotel ist der Butler nicht wegzusdenken. Wir versuchen nach Möglichkeit eine eigene Magie zu schaffen und Individualität hineinzubringen. Und ich bin überzeugt, dass jene, die den Job des Modern Butlers übernehmen, mit Herzblut dabei sind, um den Gästen eine unvergesslichen Aufenthalt zu bereiten. Dann spielt es auch keine Rolle, ob es geregnet hat und man vielleicht die Nacht im Backup-Room verbringen musste.

Wie sind Sie Null-Stern-Butlerin geworden?
Ich suche ständig nach neuen Projekten und halte meine Augen und Ohren offen. Auf das Null-Stern-Hotel hat mich mein Mann aufmerksam gemacht. Er hat einen Artikel in der Zeitung gesehen und meinte, das wäre etwas für mich. Und ich dachte: Warum nicht?

Was glauben Sie, wird für Sie die grösste Herausforderung als Modern Butlerin?
Ich glaube die grösste Herausforderung wird für mich der organisatorische Aspekt. Ich habe nebenbei noch ein eigenes Geschäft, das es zu organisieren und betreuen gilt. Beides unter einen Hut zu bringen, ohne dass der Gast merkt, dass ich vielleicht unter Zeitdruck stehe, wird nicht einfach, aber ich bin zuversichtlich.

Als Null-Stern-Butlerin sind Sie – neben Hemd, Handschuhen und Fliege – frei in der Kleiderwahl. Was tragen Sie unterhalb der 
Gürtellinie?

Ich trage auf keinen Fall Gummistiefel. (lacht) Ich bevorzuge eher die klassische Variante: einen schwarzen Rock und – wenn es der Standort zulässt – höhere Schuhe. Da muss ich allerdings noch schauen, wie praktikabel das ist. 

Haben Sie schon in Hotels gearbeitet?
Nein, ich habe noch nie in einem Hotel gearbeitet. Allerdings helfe ich seit ein paar Jahren bei einem Partyservice aus, zur Abwechslung. Dabei konnte ich schon ein paar Erfahrungen im Service und dem Umgang mit Gästen sammeln.

Wie wird Ihr nächster Urlaub aussehen? 
Ich bin offen für alles und reise gern. Geplant habe ich nichts – was aktuell ja auch schwierig ist. Im vergangenen Jahr war ich in Peru. Ich habe leider erst später erfahren, dass es auf einem Fels ein Hotelzimmer über einem Abgrund geben soll. Dort hängt man wirklich in der Luft. Das finde ich spektakulär und eine Nacht in so einer durchsichtigen Kapsel zu verbringen, würde mich schon reizen. Ich finde, unter freiem Himmel zu schlafen, hat einen besonderen Flair. Das ist etwas, wozu man selten Gelegenheit hat. 


 

Zero Real Estate ist ein Projekt, das aus dem bekannten Null-Stern-Hotel entstanden ist. Zwischen 2016 und 2017 wurde im Bündner Safiental und im Appenzellerland die Landversion des Konzepts «Null Stern – the only star is you» lanciert: immobilienbefreite Hotelzimmer ohne Wände und Dach. Nach diesen beiden erfolgreichen Sommersaisons und über 4500 Reservationsanfragen auf der Warteliste haben die Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin sowie der Hotel­experte Daniel Charbonnier 2018 in Kooperation mit Toggenburg Tourismus die Coverversion Zero Real Estate ins Leben gerufen.

Die Marke Zero Real Estate ermöglicht es lokalen Tourismus-Destinationen, unter Berücksichtigung bestimmter Kriterien ihre eigene Interpretation eines immobilienbefreiten Hotelzimmers zu schaffen. «Es ist spannend für uns zu sehen, wie die Menschen einer Region den ‹Null Stern›-Spirit verkörpern», sagen Frank und Patrik Riklin.

Nun haben sich sechs Tourismusdestinationen aus der Ostschweizer Region (Toggenburg, Heidiland, St. Gallen-Bodensee, Appenzellerland AR, Thurgau, Schaffhauserland) sowie das Fürstentum Liechtenstein exklusiv als Partner zusammengeschlossen, um die Marke Zero Real Estate für ihre jeweilige Region zu übernehmen. Jede Destination ist für die Umsetzung des immobilienbefreiten Zimmers selbst verantwortlich. Heute stehen über 9000 Gäste auf der Warteliste, Tendenz steigend.

Larisa Gstöhl aus Eschen wird sich als Null-Stern-Butlerin um das Wohl der Gäste im ersten Null-Stern-Zimmer in Liechtenstein kümmern. 

16. Mai 2020 / 19:51
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
26. Mai 2020 / 13:54
26. Mai 2020 / 13:01
26. Mai 2020 / 22:44
Aktuell
26. Mai 2020 / 22:44
26. Mai 2020 / 13:54
26. Mai 2020 / 13:01
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
puzzle ravensburger
Zu gewinnen 1 Ravensburger Puzzle Schloss Vaduz
23.04.2020
Facebook
Top