•  (Tatjana Schnalzger)

Einzigartige Klangerlebnisse schaffen

Musik, Sound, Audiotechnik – das ist Clemens Seebacher. Seit 2015 sorgt der 36-Jährige mit seinem Unternehmen zoomaudio für den passenden Ton.

Wie kommt man dazu, ein Tonstudio zu betreiben? Ein Kindheitstraum? Dazu braucht es neben fundierten Fachkenntnissen auch das nötige Kleingeld ...
Clemens Seebacher: Musik und Technologie haben mich schon in jungen Jahren fasziniert. Während der Schulzeit nutzte ich meine Freizeit, um mich in der Welt von Musik, Sound und Audiotechnik weiterzuentwickeln. Ich war schon immer jemand, der sich gerne selbstständig Wissen und Fertigkeiten angeeignet hat – damals hauptsächlich in Form von Büchern, Fachmagazinen und Internetforen. Heute sind die Möglichkeiten in Zeiten von audiovisuellen Lernplattformen und Online-kursen viel umfangreicher. Zudem hatte ich das grosse Glück, dass mich meine Eltern bei der beruflichen Ausbildung sehr unterstützt haben.  Das Interesse für Kunst, Design, Architektur und Musik war in unserer Familie immer von grosser Bedeutung. Die Anfangszeit mit dem ersten Tonstudio während meines Studiums war zwar nicht in der Garage, wie man das von vielen Musikern kennt, dafür im Keller als Untermieter eines Vorarlberger Getränkeherstellers. (lacht) Die Branche hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Die Zeiten sind längst vorbei, in denen professionelle Tonaufnahmen mit erheblichem finanziellen Aufwand verbunden waren. Da spielen Know-how und Erfahrung inzwischen eine viel wichtigere Rolle.

Musikaffinität ist somit gegeben. Spielen Sie ein Instrument?
Auf jeden Fall. Das ist für mich und für alle Projekte sehr wichtig. Während meiner Tontechnik-Ausbildung an der SAE wurde mir bewusst, wie wichtig Musikalität für die kreative Umsetzung im Tonstudio und später in der Werbebranche sein wird. Das Klavier war dabei immer mein Begleiter. Musiktheorie und Komposition sind Bereiche, an denen ich laufend arbeite. Seit gut drei Jahren lerne ich vom amerikanischen Jazz-pianisten Peter Madsen, der seit einigen Jahren in Vorarlberg lebt und arbeitet. Er hat bereits mit einer Reihe grosser Musiker zusammengearbeitet und zählt für mich zu den besten Jazzmusikern Österreichs. Audio Branding, Originalkompo-sition, Audiopostproduktion, Sound Design, Musikberatung ... die Angebotspalette ist breit.

Was wird am meisten nachgefragt? Wer ist das Kientel?
Die Angebotspalette scheint auf den ersten Blick sehr umfangreich, ist aber immer sehr genau auf die Bedürfnisse der Kunden und die unterschiedlichen Projektbudgets ausgerichtet. Beim Wort Tonstudio denkt man in erster Linie an ein klassisches Aufnahmestudio für Musiker und Bands. Bei der Unternehmensgründung habe ich mich jedoch bewusst auf den Werbebereich fokussiert und unterstütze Marketing- und Kommunikationsprofis bei der Umsetzung von Audioproduktionen für Werbefilme, Onlinevideos, Animationen, Radiospots, Podcasts etc. Zu den Kunden zählen kleine wie grosse Unternehmen aus der DACH-Region, Werbeagenturen und Filmproduktionen. Neben klassischen Medien wie TV, Kino und Radio liegt die Zukunft von audiovisuellen Medien sicher auf Plattformen wie YouTube, sozialen Netzwerken und im Bereich Virtual/Augmented Reality. Für Marken und Unternehmen ist es wichtig, auf allen relevanten Plattformen präsent zu sein. Da spielen bewegte Bilder, Animationen und Videos eine entscheidende Rolle. Dieser Content braucht auch immer einen eindrucksvollen Klang und die passende Musik – im Idealfall passend zur Marken- bzw. Unternehmensidentität. In Wahrheit wird das enorme Potenzial von Musik aber oft unterschätzt, denn der Mensch nimmt das Hörbare meist nur passiv wahr. Aber da gibt es einen einfachen Test: Sieh dir eine Szene aus einem Kinofilm oder Werbespot mit einer völlig anderen Hintergrundmusik an. Man merkt sofort: Musik und Geräusche sind selbstständige Mitteilungsebenen, die sehr stark bestimmen, wie wir einen Film erleben. Diese Macht und Bedeutung wird dann sofort deutlich. 

Ihre spannendsten Projekte bisher?
Jedes Projekt ist anders und auf seine Art und Weise herausfordernd. So war zum Beispiel das Audio Branding und die Konzeption einer ganzen Reihe von unterschiedlichen Onlinespots eines Dienstleistungsunternehmens sehr spannend. Gemeinsam mit dem Team setzten wir auf exklusiv komponierte Musikstücke, um einen gleichbleibenden Klang mit unterschiedlichen Stimmungen einsetzen zu können. Zudem wurde für das Unternehmen ein Casting zur Auswahl des passenden Studiosprechers für alle wichtigen Kommunikationskanäle erstellt. Oder aber die Vertonung eines Onlinevideos für die weltweite Produkteinführung eines Industrieunternehmens. Spannend sind auch rein technische Projekte, wie gerade letzte Woche abgeschlossen, wo es zum Beispiel um die Restaurierung und Aufbereitung von Tonaufnahmen ging. Das spannendste Projekt war wohl die Komposition und das Sound Design für einen Messefilm eines Druckmaschinenherstellers. Zum einen, weil von der Kundenanfrage bis zum fertig gemasterten Song weniger als eine Woche Zeit war, und zum anderen, weil ich für den Liedtext und die Gesangsaufnahmen mit einem ausgewählten Studiosänger aus Los Angeles zusammenarbeiten durfte.

Geniessen Sie mit Ihrem Tonstudio Alleinstellungsstatus oder gibt es Konkurrenz in Vorarlberg?
Es gibt bestimmt gewisse Alleinstellungsmerkmale, an denen man über die Jahre gearbeitet hat, um sich so zu positionieren. Man sieht aber auch deutlich, wie sehr sich jedes kreative Unternehmen auf seine eigene Art und Weise spezialisiert hat. Für mich bedeutet es vielmehr eine Chance und einen Mehrwert, sich gemeinsam austauschen zu können und im Netzwerk zusammenzuarbeiten. Obwohl der Standort Vorarlberg und die Bodenseeregion nicht mit den grossen Medien- und Werbestädten vergleichbar ist, gibt es eine Vielzahl von Events, Netzwerken und Interessensvertretungen, um sich auch über die eigene Fachgruppe hinaus kennenzulernen. Die vielen Veranstaltungen und Workshops haben mir in den letzten Jahren sehr geholfen, mich weiterzuentwickeln und interessante Menschen kennenlernen zu dürfen.

Wie sieht Ihr Arbeitstag aus?
Selbstständig zu sein kann eine erfüllende Tätigkeit sein, stellt aber ebenso eine grosse Herausforderung dar. Ein gutes Selbstmanagement ist sehr wichtig. Wenn kein kurzfristiger Abgabetermin einzuhalten ist, beginnt der Tag meistens mit einem Kurzcheck der laufenden Projekte und Aufgabenbereiche. In der Regel wird im ersten Schritt mit dem Auftraggeber das Projekt besprochen. Dabei ist es in erster Linie wichtig herauszufinden, welche Vorstellungen und Ziele der Kunde mit der Produktion verfolgt, wie ich ihn dabei unterstützen und ihm manchmal auch andere Lösungswege vorschlagen kann. Musik und Klänge in Worte zu fassen, ist oft gar nicht so einfach. Das wird manchmal zur richtigen zur Herausforderung. (lacht) Danach geht es ab ins Studio, wo ich dann vom ersten Entwurf bis zur finalen Endbearbeitung an der perfekten Umsetzung arbeite.

Wie erging es Ihnen bzw. Ihrem Business die vergangenen Monate?
Die letzten Monate waren aufgrund der Coronakrise eine enorme Herausforderung. Die Auswirkungen sind gerade für die vielen kleinen Unternehmen in der Kultur- und Kreativwirtschaft existenzbedrohend. Bei mir hat sich die Auftragssituation innerhalb von Wochen verschlechtert. Da hat man natürlich eine Zeit voller Ungewissheit und Sorgen hinter sich. Meiner Meinung nach hat man direkt nach dem Stillstand mit den angekündigten Hilfspaketen zu lange gewartet. Zu Beginn hat das für mich und viele Betroffene für Unsicherheit gesorgt. Da hat es zum Glück im Laufe der letzten Wochen deutliche Nachbesserungen gegeben. Heute bin ich der Bundesregierung und der Wirtschaftskammer für die Unterstützungsmassnahmen sehr dankbar und kann auch aufgrund neuer anstehender Projekte langsam wieder optimistisch nach vorne blicken.

Ein Bereich von zoomaudio ist das Sprechnetzwerk– eine Datenbank mit professionellen Sprechern. Testen Sie diese selbst?
Im Laufe der Jahre hat sich durch die Arbeit eine Vielzahl von verschiedenen Werbesprecherinnen und -sprechern angesammelt. Neben Sprache, Bekanntheitsgrad und Herkunft wird vom Auftraggeber meist eine bestimmte Altersgruppe für eine Produktion gesucht. Oft steht bei der Auswahl eines Sprecherprofils wenig Zeit zur Verfügung. Für eine Studioaufnahme mit einer knappen Zeitplanung ist es deshalb wichtig, passende Profile schnell griffbereit zu haben. Die unterschiedlichen Sprecherhonorare sollte man natürlich auch immer im Blick haben. Da gibt es vor allem bei bekannten Synchronsprechern aus Film und Fernsehen deutliche Unterschiede – auch in Sachen Nutzungsrechte, was oft übersehen wird. Mit der Zeit entwickelt man einfach ein System, damit alle Daten und vor allem Hörproben schnell und verlässlich abgerufen werden können.

Ihre Zukunftsvision?
Für die Zukunft möchte ich die Zusammenarbeit mit meinen Kunden und Partnern weiter ausbauen und an neuen spannenden Projekten arbeiten. Natürlich möchte ich mich auch laufend weiterentwickeln – fachlich, technisch, kreativ und vor allem musikalisch. Ich wünsche mir auch, dass ich flexibel bleibe. Auch diese Krisenzeit hat gezeigt, wie wichtig Flexibilität ist. Aber in der Musik- und Werbebranche ist dies sowieso notwendig. Denn blickt man zurück, sind die goldenen Zeiten der Plattenindustrie vorbei. Das Leben im Allgemeinen ist viel schnelllebiger geworden. Die Welt wird digitaler und die Coronasituation hat die digitale Transformation weiter enorm vorangetrieben. Auch Werbung, Film und Musik werden sich, wie das Mediennutzungs- und Konsumverhalten, ständig verändern. Trotz dieser Schnelllebigkeit und Kurzfristigkeit ist es mein Anspruch, erfolgreiche und einzigartige Klangerlebnisse zu schaffen, mit denen sich Marken und Unternehmen positionieren und vom Wettbewerb differenzieren können.  (ge)

20. Jun 2020 / 19:49
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