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Die Ansprüche sind gestiegen

Die Band«Miss Rabbit» fing vor zehn Jahren als Coverband an. Ein Jahr später performte sie ihre eigenen Songs. Nun erscheint ein neues Album.

Am 18. Januar feiert ihr Plattentaufe, was erwartet die Fans?
Melanie Curiger:
Die Musik ist abwechslungsreich mit verschiedenen Handlungen.
Angela Bösch: Sie handelt von gesellschaftlichen wie auch persönlichen Themen.
Roger Köppel: Die Texte der Songs schrieben hauptsächlich Melanie und Angela. Ich finde, man hört heraus, dass jede ihren eigenen Stil hat.

Wie unterscheiden sich die Texte?
Roger Köppel:
Bei Melanie geht es meist ums Feiern und Angela schreibt über ernste Themen. Auf dem neuen Album singt Melanie öfters und mit zwei Stimmen ist die Abwechslung durchaus grösser.
Melanie Curiger: Manchmal schreibe ich auch über Quatsch und Ironie.
Angela Bösch: Meine Texte haben meist einen persönlichen Hintergrund.

Wie geht ihr beim Songwriting vor?
Melanie Curiger: Roger schickt einen Song, den ich mir immer wieder anhöre. Auf einmal kommt mir eine Idee.
Angela Bösch: Manchmal erhalte ich durch die Melodie eine Eingebung. Da ich meine Freizeit oft draussen verbringe, verleiht das mir auch Inspiration.

Gab es bereits Situationen, in denen ihr mit der Melodie oder dem Text eines Songs gar nicht einverstanden wart?
Alle lachen.
Roger Köppel: Ich habe ein ganzes Album komponiert, das die Bandmitglieder ablehnten. Es passte einfach nicht zu ihnen. Das ist nicht schlimm, das passiert mir selbst auch. Ich könnte zwei Alben mit Songs füllen, die nie fertig geworden sind. Es ist immer ein Bangen, was da herauskommt.

Wie lange seid ihr an dem Album gesessen, bis es fertig war?
Roger Köppel: Für ein Album brauchen wir etwa zwei Jahre.

Habt ihr euch eine Deadline gesetzt, wann das Album fertig sein muss?
Roger Köppel: Nein, das haben wir nicht. Eigentlich wollten wir es im Herbst veröffentlichen, weil dann die Bewerbung für die Open Airs beginnt. Mit einem neuen Album sind die Chancen grösser, gebucht zu werden. Die Veranstalter achten darauf. Wir erhielten aber im Herbst keinen Termin für die Plattentaufe, also einigten wir uns auf den Januar. Den Puffer haben wir noch gebraucht.

Gibt es eine Aufgabeneinteilung in der Band?
Fabienne Curiger: Das ergibt sich jeweils. Unser Schlagzeuger ist eher versiert auf das Booklet, dessen Gestaltung wie auch der Internetseite. Ich buche jeweils die Hotels. Melanie und Angela verfassen die Songtexte.
Roger Köppel: Für die Vermarktung und Bestellung von T-Shirts ist Angela zuständig. Soziale Medien brauchen viel Zeit.
Angela Bösch: Roger organisiert die Konzerte und komponiert das Instrumentale für die Songs.

Ihr macht von A bis Z alles selbst?
Fabienne Curiger: In Sennwald befindet sich unser Proberaum und bei uns zu Hause im Keller haben wir ein kleines Studio eingerichtet. So können wir uns die Zeit nehmen, die wir brauchen, stehen nicht unter Zeitdruck und bleiben flexibel.
Roger Köppel: Die meisten Ideen entstehen während der Aufnahme. In einem gemieteten Studio hat man keine Zeit, diese einzubringen.

Ihr habt vor zehn Jahren als Coverband begonnen.
Melanie Curiger: Wir Mädels und ein Schlagzeuger unter dem Namen «Wotan’s Hasen». Das waren lustige Zeiten. Als er die Band verliess, mussten wir uns umbenennen. Roger nahm seinen Platz ein, er schrieb auch Songs für uns. Erst hielt er sich ziemlich im Hintergrund.
Roger Köppel: Das hat damit zu tun, dass es eigentlich eine Frauengruppe war. Dieses Konzept wollte ich nicht durcheinanderbringen. Mein Hintergedanke war, dass man mich gut ersetzen könnte, sobald eine Frau hinzustossen würde. Leider fanden wir keine Schlagzeugerin aus der Region. Jetzt sind wir halt eine gemischte Band.
Fabienne Curiger: Dafür verstehen wir uns alle und sind gute Freunde, die sich schon lange kennen.

Wie habt ihr euch in den zehn Jahren verändert?
Fabienne Curiger: Wir haben als Coverband angefangen und einen auf Girlband gemacht mit Songs von Avril Lavigne und «The Offspring». Wir trugen Schottenröcke und Hasenohren. Die eigenen Songs sind punkiger und fröhlicher. Jetzt ist die Musik erwachsener und dynamischer geworden. Und auch die Ansprüche sind gestiegen. Als wir die Band gründeten, konnte ich noch nicht einmal Bass spielen. Das Direkte ohne Spezialeffekte haben wir beibehalten.

Wie seid ihr danach beim Publikum angekommen?
Melanie Curiger: Viele Leute vertraten die Meinung: «Die sehen gut aus, können aber nichts.» Es gab diejenigen, die uns buchten, aber gar nicht gewusst haben, dass wir keine Coverband mehr sind. Sie sahen einfach drei Frauen, die Musik machten. Mittlerweile haben wir uns ziemlich gut positioniert.
Roger Köppel: Man nahm sie erst gar nicht richtig ernst. Die schwierige Phase kam nach etwa zwei Jahren, als dann die Kollegen auch nicht mehr an jedes Konzert kamen. Da liess das Publikum schon nach.

Was habt ihr dagegen gemacht?
Angela Bösch: Durchgebissen.
Melanie Curiger: Und es muss dir egal sein, was die anderen denken. Wir machen unsere Musik gerne und mögen die Auftritte.
Roger Köppel: Interessant war, dass viele Leute mir Dinge über die Band erzählten und gar nicht begriffen, dass ich auch ein Mitglied bin. Die Kritiker kamen zu mir. Darum bekam ich auch sehr viel mit, wie die Leute über uns dachten. Das hat uns angespornt, besser zu werden.

Was waren das für Stimmen?
Roger Köppel: «Frauen, das kann ja nicht so gut sein.»
Fabienne Curiger: Oder: «Sie haben den Gig nur bekommen, weil sie Frauen sind.» Der Frauenbonus wird oft vorgeworfen.
Melanie Curiger: Der Neid war schon zu spüren.

Wie seid ihr damit umgegangen?
Roger Köppel: Meistens habe ich gar nichts gesagt, denn oft war die Kritik nicht konstruktiv.
Fabienne Curiger: Allen kann man es nicht recht machen.
Roger Köppel: Vor allem wenn wir auswärts spielen, ist es immer eine Überraschung. Im Jahr 2019 haben wir nur auswärts gespielt. Das war schon spannend.
Fabienne Curiger: Die Leute sind unvoreingenommen und ohne Vorurteile.
Roger Köppel: Obwohl es schon schwieriger ist, ausserhalb der Region an Aufträge zu gelangen, da man uns dort kaum kennt.

Was heisst für euch «auswärts»?
Melanie Curiger: Mehrheitlich nach Deutschland in die Städte Berlin und Hamburg.
Roger Köppel: Das Weiteste bisher war Hamburg. Damit es sich auch lohnt, versuchen wir, gleich mehrere Auftritte hintereinander zu bekommen, schliesslich fahren wir etwa acht Stunden und müssen alle Instrumente mitnehmen. Wir reisen mit dem VW-Bus. Ausser der Schlagzeuger, der wohnt in Zürich und fliegt dann lieber. Im Schnitt spielen wir einen Gig im Monat.

Geht ihr euch auch manchmal auf die Nerven, wenn ihr im Bus unterwegs seid?
Roger Köppel: Bis jetzt hatten wir nie eine anstrengende Tour und waren höchstens ein paar Tage unterwegs. Dann gönnen wir uns auch ein Hotel, das wir aus eigener Tasche bezahlen. Es gibt Bands, die übernachten in ihrem Tourbus oder in einem «Massenschlag». Ich weiss auch nicht, wie es wäre, wenn wir alle immer auf engstem Raum miteinander auskommen müssten.
Fabienne Curiger: Wir machen es uns jeweils so angenehm wie möglich.

Die Musik ist für euch also mehr als ein Hobby?
Melanie Curiger: Es ist eine Leidenschaft. Wir sind alle voll berufstätig und wir mögen unsere Jobs.

Kamen sich der Job und die Musik bisher nie in die Quere?
Alle: Nein.
Roger Köppel: Momentan ist es etwas schwieriger, da zwei von uns noch eine zusätzliche Ausbildung absolvieren.
Angela Bösch: Bis jetzt ist es immer irgendwie aufgegangen.

Wenn ihr an die Anfangszeit zurückdenkt, was geht euch durch den Kopf?
Alle lachen.
Angela Bösch: Zu dieser Zeit hat es gepasst, auch wenn man heute denkt «Oh mein Gott». Damals hatten wir Freude daran und es war unser Start.

Werdet ihr noch darauf angesprochen?
Fabienne Curiger: Nein, zum Glück nicht mehr. Erst war es schwierig, von dem Image als Coverband loszukommen. Das Thema ist aber begraben und wir lachen darüber.

Wie seid ihr davon losgekommen?
Melanie Curiger: Indem wir einfach mit unseren eigenen Songs aufgetreten sind.
Fabienne Curiger: Damals verliess unser Schlagzeuger die Band und wir mussten uns umbenennen, da «Wotans Hasen» nicht mehr ging. Mit «Miss Rabbit» und dem neuen Schlagzeuger traten wir mit den neuen Songs auf.

Was steht als Nächstes an?
Fabienne Curiger: Die CD-Taufe und dann geht es richtig los. Wir versuchen, das neue Album zu bewerben und Auftritte zu erhalten. Wir haben nun jemanden beauftragt,  uns Auftritte zu beschaffen. Das haben wir bisher selbst gemacht, aber er hat bessere Verbindungen in die Westschweiz und bringt uns an Orte, zu denen wir keinen Zugang haben.
Roger Köppel: Um über die Region (Chur bis Altstätten) hinauszukommen, braucht man etwas Hilfe. Sobald ein neues Album erscheint, läuft es etwa zwei Jahre gut. Mal schauen, wie es jetzt wird. (ms) 

 

11. Jan 2020 / 20:50
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