• Cooper Quaderer, Nendeln
    Cooper Quaderer: «Meistens ist auch ein Quöllfrisch dabei.»  (Tatjana Schnalzger)

"12 Makas im Opel Astra"

Gibt es in Liechtenstein eine Rap-Szene? Cooper Quaderer über seine Musik, die er mit «Eh luagen uf eu» und als «Kylo Dream» macht.

Cooper, was machst du für Musik? 
Cooper Quaderer: Mit Yannick Risch zusammen habe ich ein Projekt namens «Eh luagen uf eu». Wir rappen dabei im Liechtensteiner Dialekt, was komischerweise sonst niemand macht und offenbar in Liechtenstein noch nie jemand gemacht hat. Es ist also etwas komplett Neues, und wir stossen damit auf Interesse – zumindest haben wir mittlerweile eine schöne Reichweite generiert. 

Daneben hast du noch ein Soloprojekt. 
Genau, da rappe ich alleine und auf Hochdeutsch unter dem Namen «Kylo Dream». Die Musik tönt ähnlich. 

Gibt es tatsächlich niemanden in Liechtenstein, der rappt? 
Es gibt einige, die machen Beats, aber Rapper am Mic gibt es meines Wissens wirklich keine.

Es gab mal eine Liechtensteinische Hip-Hop-Formation namens Iceslam.
Keine Ahnung, noch nie etwas davon gehört. 

Wie ist Euer Stil einzuordnen? 
Genau genommen machen wir nicht Rap, sondern Trap. 

Wie die Rapper «Lil Peep», «Lil Pump», «Lil Wayne» und so weiter? 
So in die Richtung. Aber wir machen keine Emo-Sachen. 

Wer beeinflusst Euch? 
Wir stehen zum Beispiel auf« Young Thug» und «Future». 
«Young Thug» – noch nie gehört? Sein Song «Best Friend» hat 222 Millionen Views auf Youtube. «Future» ist Headliner am diesjährigen Open Air Frauenfeld, auch «Young Thug» tritt dort auf. 

Gibt es auch deutschsprachige Vorbilder? Wie findest du den Österreicher Yung Hurn?
Der ist okay, der kommt halt auch aus der Cloud-Rap-Szene. 

Cloud-Rap-Szene? Warum heisst das so?
Viele Künstler nutzen die Plattform Soundcloud, um ihre Songs zu veröffentlichen – das geht am einfachsten und schnellsten. Um die Plattform herum ist eine richtige Community entstanden. Deshalb «Cloud-Rap». 

Wo muss man hingehen, um Trap zu hören? Läuft es hier in der Region in den Clubs?
Nein, man muss schon in die Städte, nach Bern oder Basel oder nach Zürich, ins «Exil» zum Beispiel.  

Trap klingt etwas monoton: Keine Melodie, eher langsam. Kann man dazu überhaupt feiern? 
Es gibt auch schnellere Lieder. Wenn man die Lieder kennt, rappt man mit, nickt mit dem Kopf dazu – und dann kann man gut dazu abgehen. 

Warum rappt ihr auf Dialekt? 
Es begann damit, dass wir Beats hörten und Yannick anfing, auf Dialekt zu freestylen. Wir fanden alle, dass das sehr geil klang und dachten uns: «Das sollten wir auch aufnehmen». 

Was hältst du von der Deutschrap-Szene?
Davon halte ich nicht sehr viel. In der deutschen Underground-Szene gibt es Leute, die machen sehr gute Musik, aber diese Musik ist eher versteckt im Internet. 

Wie findest du den deutschen Chartstürmer «Capital Bra»? 
Das ist nicht so meins. Der macht sein Ding und ist auch sehr erfolgreich. Aber auf ihn und «Kollegah» etc. stehe ich nicht so. 

«Gzuz»?
Er macht sehr harte Musik. Wenn man in einem bestimmten Modus ist, vielleicht etwas getrunken hat, dann kann das schon pumpen.

«Bausa»? 
Ne. 

Textauszüge aus der EP von «Eh luagen uf Eu»: «I chill im Labor Risch und muass UP abgeh – 7G im Rocksack – Hand brocha bim Crack kocha – I bi zwor kan Junkie, aber sit vier Johr ned clean – zwölf Gramm Koks und i kratz mr d’Nasa». 

Drogen sind ein fester Bestandteil der Texte, sowohl bei den internationalen Stars als auch bei euch. Nehmt ihr das Zeug auch, über das ihr rappt? 
Natürlich nicht. 

Warum kommt es trotzdem vor? 
Die Texte sollen sich so roh wie möglich anhören. Das sind einfach Themen, die bei dieser Musik und in diesem Milieu vorkommen. 

Beim Rap werden Frauen generell als «Bitches» bezeichnet. Auch in euren Texten ist das Frauenbild nicht das modernste. 
Nicht wirklich, nein. Aber wir lieben Frauen und wir respektieren Frauen. 

Warum geht es in den Texten trotzdem hart zur Sache? 
So ist Rap. Es geht nicht darum, Frauen zu diskriminieren, sondern es ist Teil der Musik. 

Wie finden das gleichaltrige Mädchen?
Wir erhalten auch von Frauen positives Feedback. 

Worüber würdest du nie rappen?
Rassistische Sachen und bewusst diskriminierende Sachen.

Ihr seid auch die Jungs aus dem «9494-Schaan»-Video, das 2015 für Aufsehen sorgte, oder? 
Also ich war dabei. Das war ja nur ein Spass. Viele Leute fühlten sich aber angegriffen, das hatten wir nicht wirklich geplant. 

Steckt viel Ironie in Euren Texten?
Logisch. Wir sind in Liechtenstein – also auf dem Land. Die Texte sind total übertrieben, aber das ist genau das, was die Rap-Hörer interessiert und lustig finden. Ich glaube nicht, dass es die Leute ernst nehmen, wenn wir «12 Makas im Opel Astra» rappen. 

Was sind Makas? 
Makatussin ist ein Hustensirup, der Codein enthält. 

«Der Inhaltsstoff Codein, der eigentlich eine reizlindernde Wirkung bei Husten hat, kann je nach Kombination – zum Beispiel mit Alkohol – zu einem starken Rausch führen», erklärt Mirjam Capt, Geschäftsführerin der Berner Apotheke Dr. Noyer gegenüber dem Newsportal nau.ch. In etwa 80 Prozent werde Makatussin von Kunden verlangt, die offensichtlich nicht an Husten leiden. Gerade bei Jugendlichen sei das Medikament sehr beliebt, um sich in einen Rausch zu versetzen, schreibt nau.ch. 

Wie ist die Aufgabenteilung bei «Eh luagen uf eu»? 
Yannick und ich rappen. Simon Vogt, ein Liechtensteiner Künstler, der in Köln lebt, mixt die meisten unserer Sachen. Die ersten Lieder haben wir noch ohne Mixing hochgeladen, aber das Mixing ist das, was am Ende die Qualität ausmacht. 

Wer macht die Beats? 
Die nehmen wir aus dem Internet. Es gibt genügend Leute, die Beats gratis zur Verfügung stellen. Auf Youtube findet man Beats am besten. 

Wie ist das generelle Feedback? 
Wirklich gut. Es gibt sogar Liechtensteiner Studenten in Zürich, die auf «Eh luagen uf Euch» angesprochen werden. 

Ein Kollege von Cooper kommt rein und reicht uns zwei Quöllfrisch-Dosen. Ich muss leider verzichten, da der Arbeitstag noch nicht zu Ende ist. Cooper greift zu. 

Wie kommt ihr auf die Texte? 
Meistens setzen wir uns zu zweit in mein Zimmer, das gleichzeitig unser Studio ist, hören Beats und schreiben dann die Texte ins Smartphone. Es geht recht schnell. Meistens ist da auch ein Quöllfrisch dabei. 

Wird die Musik euer Hobby bleiben oder gibt es weitergehende Pläne? 
Yannick macht im Moment die Ausbildung zum Soundengineer in Köln, bei ihm könnte es in Richtung Produzent gehen. Er will auch nicht mehr so viel Rap machen, weil er die Deutschrapszene sehr uncool findet. Aber er würde gerne weiter produzieren. 

Und du? 
Ich mache mal weiter und schaue, wie es sich entwickelt. Ich gehe auch ab und zu nach Deutschland zu Yannick und Simon.  

Wir sind hier in der Kunstschule Liechtenstein, wo Du den Gestalterischen Vorkurs besuchst. Was sind deine beruflichen Ziele? 
Ich würde gerne die Ausbildung zum Grafiker machen, um dann später vielleicht in einer Agentur zu arbeiten. Zuerst arbeiten und Geld verdienen. Davor habe ich das KV gemacht.

Dein Vater ist Harry Quaderer, Gründer der Partei «Die Unabhängigen». Wirst du darauf oft angesprochen? 
Nein. 

Wie findet er deine Musik?  
Er hat sie auch schon gehört. Er steht nicht auf diese Musik, aber er unterstützt, was ich mache. 

Du trägst ein Iron Maiden T-Shirt – hörst du es wirklich oder ist es für den Style? 
Ich höre das nicht, das Shirt ist nur für den Style. 

Wo bleibt dein Face Tattoo? Das gehört ja auch zum guten Ton in der Szene. 
Nein, ein Face Tattoo werde ich mir nicht stechen lassen.  (db)

"Eh luagen uf eu»

07. Apr 2019 / 00:00
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