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Der verlorene Glanz Persiens

Eigentlich erhofft man sich im neuen Jahr, dass alles besser wird. Aus weltpolitischer Sicht startete es jedoch verheerend. Die USA ermordeten den iranischen General Quassem Soleimani in Bagdad. Die Angst vor einem Dritten Weltkrieg ging um. Der Hashtag #WWIII («Dritter Weltkrieg») war in den Stunden und Tagen nach der Tötung des Generals einer der populärsten auf Twitter. Innerhalb von 24 Stunden gab es mehr als drei Millionen Tweets zu diesem Thema.

US-Präsident Donald Trump verteidigt den Angriff mit der Begründung, dass Soleimani Anschläge auf die US-Botschaft geplant hätte. Er bezeichnet ihn als «totales Monster». Doch dieses Mal ging Trump zu weit: Demokraten äusserten Zweifel an der Begründung – auch unter den Republikanern waren kritische Stimmen zu hören. 

Trump bezeichnet den Iran als grösster Unterstützer von Terror und er lässt keine Gelegenheit aus, Unterstellungen zu verbreiten oder Drohungen auszusprechen. Kein Wunder, gilt der Iran in der westlichen Welt als «Inbegriff des Bösen». Vom Prestige des funkelnden und prächtigen Perserreiches ist nicht viel übrig geblieben.

Kaum zu glauben, dass sich der Iran im 19. Jahrhundert hoffnungsvoll an die USA wandte, um sich von Grossbritannien und Russland, die im Iran grossen Einfluss ausübten, zu lösen. Rasch zerstörte die USA dieses Vertrauen, indem sie 1953 die Briten beim Putsch gegen den damaligen Premierminister Mohammad Mossadegh unterstützten. Dieser verstaatlichte nämlich die Ölvorkommen im Land, um sich von der westlichen Ölindustrie zu befreien. Dies gilt noch immer als Schlüsselereignis für die Iranische Revolution in den 70er-Jahren.

Als Barack Obama das Atomabkommen mit dem Iran einging, näherten sich die beiden Nationen einander an. Doch Trump machte dies mit dem Ausstieg wieder zunichte, obwohl der Iran es nicht verletzte. Trump erhob Sanktionen, die das Land niemals vergessen wird. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Mächten. Der iranischen Wirtschaft geht es sehr schlecht, wichtige Güter und Investitionen fehlen. Nachgeben ist wohl für niemanden eine Option.

Nichtsdestotrotz sind die Iraner offene, sehr gastfreundliche und neugierige Menschen. Sie leiden am meisten unter dem Konflikt. Denn Medikamente aus dem Westen sind rar geworden. Händler gelangen nicht mehr an ihre Ware und Arbeiten stehen still, da niemand Material liefern will. Der Konflikt wird auf ihren Schultern ausgetragen – und das werden sie nicht so schnell vergessen. (ms)

11. Jan 2020 / 22:32
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