• Firma Oerlikon Balzers
    Die Firma Oerlikon in Balzers.  (Daniel Schwendener)

Die Werke fahren hoch – aber die Angst bleibt

Die grössten Arbeitgeber Liechtensteins mussten herbe Umsatzeinbussen hinnehmen. Ein Stellenabbau ist nicht ausgeschlossen.

Die Coronakrise hat viele Unternehmen ins Mark getroffen. In manchen Ländern brachen die Umsätze fast ganz weg. Die grössten Arbeitgeber Liechtensteins reagierten mit Kurzarbeit, Betriebsferien und Einstellungsstopp. Ein erster Lichtblick bahnt sich am Horizont inzwischen seinen Weg. Die Produktionen fahren wieder hoch. «Aktuell bewegt sich die Auslastung im Werk Schaan zwischen 80 und 90 Prozent, je nach Produktlinie», erklärt Christoph Loos als CEO der Hilti. Vor allem im April und im Mai verzeichnete das Unternehmen erhebliche Umsatzrückgänge.

In der Folge sank auch das Auftragsvolumen in den Werken, allerdings in ganz unterschiedlichem Umfang. Anfang Juni lag die Auslastung bis auf wenige Ausnahmen aber wieder bei knapp 80 Pro­zent. «Wir erwarten nun einen schrittweisen Anstieg in den kommenden Monaten.» Kurzarbeit wurde für 360 Mitarbeitende im Werk Schaan sowie einzelne Bereiche im Logistikzentrum Nendeln angemeldet. Es gibt aber auch Bereiche, die keine oder nur teilweise Kurzarbeit machen. Wie Loos bereits Ende Mai erklärte, glaubt er nicht an eine schnelle Erholung.

Hilti AG Bilanzmedienkonferenz 2019

Christoph Loos kann noch keine Entwarnung geben bezüglich eines Stellenabbaus.

Eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht

Die weltwirtschaftliche Lage hat sich in den letzten vier Wochen nicht verändert. Entscheidend wird neben dem Einbruch 2020 die Erwartung an die wirtschaftliche Erholung in den verschiedenen Ländern sein, die aller Voraussicht nach in sehr unterschiedlichem Tempo erfolgen wird. «Diese Einschätzung wird zurzeit von unseren globalen Teams erarbeitet.» Ob das zu einem Stellenabbau führen wird, kann Loos nicht sagen. «Auf Basis der globalen Einschätzung werden wir dann im zweiten Halbjahr entscheiden», betont der CEO des Baugeräteherstellers sowie Herstellers für Brandschutzsysteme.  

Bei Oerlikon Balzers prüft man schon seit Langem im Rahmen eines Produktivitätsprogramms die Notwendigkeit jeder neuen oder nachzubesetzenden Position. «Wie unser CEO Roland Fischer im Mai kommuniziert hat, werden auch einige Stellen abgebaut als globale kostensenkende Massnahme, die die negativen Marktentwicklungen und die Folgen der Pandemie abfangen soll», sagt Marc Desryaud, Leiter von Oerlikon Balzers. «Wie bereits gesagt, betrifft das in der Schweiz und in Liechtenstein circa 50 Arbeitsstellen.» Dabei sei zu berücksichtigen ist, dass sich diese Zahl auf das Segment «Surface Solutions» bezieht, also auf die Marken Oerlikon Balzers, Metco und AM an allen Standorten in beiden Ländern. 

75 Prozent der Mitarbeiter sind bei Ivoclar in Schaan in Kurzarbeit

Ivoclar Vivadent in Schaan hatte die Produktion in Schaan aufgrund der Auftragslage vorübergehend sogar ganz eingestellt. Auch hier scheint das Schlimmste überstanden zu sein. Die durchschnittliche Auslastung der Produktion in Schaan beträgt heute rund 50 Prozent. «Die Auslastung hat sich im Juni leicht verbessert, befindet sich aber immer noch deutlich unter Vorjahresniveau», erklärt Diego Gabathuler als CEO. Dennoch: In Schaan sind 75 Prozent der Mitarbeitenden zur Kurzarbeit angemeldet, wobei die effektive Arbeitszeit für die einzelnen  Mitarbeitenden je nach Aufgabenbereich sehr unterschiedlich ist.

An eine schnelle Erholung glaubt auch das Management der Ivoclar nicht. «Wir rechnen damit, dass das Marktvolumen auch im nächsten Jahr noch unter Vor-Corona-Niveau bleiben wird», sagt Gabathuler. Für Stellensuchende gibt es aus diesem Grund eher schlechte Nachrichten.

Im Moment sei das Unternehmen sicher zurückhaltend in Bezug auf Neueinstellungen. «Strategisch wichtige Positionen besetzen wir aber nach wie vor». Ob Stellen bei Ivoclar in Gefahr sind, das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt offenbar nicht sagen. Nur so viel: «Sicherzustellen, dass die Organisationsstruktur den Anforderungen des Marktes entspricht, ist ein fortlaufender Prozess – gerade jetzt, in diesen herausfordernden Zeiten. In diesem Sinne überprüfen wir ständig, ob wir die richtige Organisationsstruktur haben.»

Bei Presta zieht das Geschäft nur sehr langsam wieder an

Der Hauptsitz des Lenkungsgeschäfts von Tyssenkrupp am Standort Eschen war mit seinen Verwaltungs-, Entwicklungs- und Produktionseinheiten zuletzt stark in reduziertem Betrieb. Das betrifft praktisch alle Mitarbeitenden am Standort. Die seit März eingeführten Massnahmen, wie zum Beispiel Kurzarbeit oder Abbau von Urlaubs­beständen, sind weiterhin in Kraft. ­Davon sind in unterschiedlichem Ausmass rund 2000 Mitarbeiter betrof­fen. Die Produktion läuft weiterhin unter Plan. Derzeit wird eine Auslastung von knapp 30 Prozent erreicht. Ein Anstieg der Aufträge ist in den letzten Wochen zwar spürbar.

«Es gibt aber keine signifikante Veränderung der Auslastung beziehungsweise der Kurzarbeit der Presta am Standort Eschen – höchstens könnte man von einem leichten Anstieg auf niedrigem Niveau sprechen», wie Mediensprecher Konrad Böcker auf Anfrage erklärt. Das liegt weiterhin an einem zurückhaltenden Kaufverhalten der Endverbraucher und der in den Sommermonaten ohnehin gedrosselten Produktion bei den Erstausrüstern aufgrund von Ferien. (dal)

25. Jun 2020 / 22:29
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