• Am Logo der Mohrenbrauerei scheiden sich aktuell mehr denn je die Geister.

«Mohren»-Bier in der Marken-Bredouille

Die Vorarlberger Mohrenbrauerei sieht sich im Zuge der weltumspannenden Rassismus-Debatte heftiger Kritik an ihrem Logo gegenüber.

Schon einmal, im Jahr 2012, war um das Logo der 1834 gegründeten Mohrenbrauerei eine öffentliche Diskussion entbrannt, in deren Rahmen dem Unternehmen rassistische Stereotypisierung vorgeworfen wurde. Nun ist der stilisierte «Mohrenkopf» im Zuge der durch den Fall George Floyd ausgelösten weltweiten Rassismus-Debatte neuerlich in den Fokus der ­Öffentlichkeit geraten.

Der Dornbirner Künstler Vincent Hehle hatte im Lichte der globalen Geschehnisse ein alternatives Mohrenbräu-Logo mit einem Birnbaum anstelle der strittigen Silhouette entworfen und den Stein damit ins Rollen gebracht. «Es wird Zeit, dieses Bier ins Jahr 2020 zu bringen und diese elende Karikatur mit dem zentralen Element unserer Stadt, dem Birnenbaum, zu ersetzen», kommentierte er die Publikation seines Logos auf Instagram vor knapp einer Woche. Daraus entwickelte sich in der Folge eine zusehends emotionalisierte Debatte, aufgrund welcher die Brauerei schliesslich entschied, die Kommentarfunktion auf ihrer Instagram-Seite vorerst zu deaktivieren. «Wir sind von der Dynamik dieser Diskussion überrascht wor­den», sagt Geschäftsführer Thomas Pachole gegenüber «Wirtschaft regional». «Aber auch von der Aggres­sivität, die dabei von beiden Seiten ausging. Da sind Menschen aufgesprungen, denen Sachlichkeit völlig egal ist.» Irgendwann habe man sich eingestehen müssen, dass eine Sperrung der Kommentarfunktion unumgänglich sei. «Wir sind ein Bier, das verbindet, und nicht spaltet.»

Die enorme emotionale Aufgeladenheit der Diskussion bekamen laut Pachole nicht zuletzt auch die Mitarbeiter des Unternehmens zu spüren. Einige seien beschimpft worden, berichtet er, «teilweise als Nazis». «Sie haben in den vergangenen Tagen sehr gelitten.» Auch aus diesem Grund ist das Unternehmen sehr darum bemüht, zu deeskalieren.

Deeskalation durch Kommunikation

Parallel zu der erwähnten Massnahme im Social-Media-Bereich publizierte die Brauerei am vergangenen Sonntag deshalb ein offizielles Statement. Darin äusserte sie ihr Verständnis dafür, dass das Logo manche Menschen irritiere, versuchte aber auch über die Hintergründe aufzuklären: «Unser Name stammt von Josef Mohr, der 1784 das nach ihm benannte Gasthaus ‹Zum Mohren› mit angeschlossener Brauerei eröffnete. Dafür verwendete er das Familienwappen, welches einen Menschen schwarzer Hautfarbe zeigt. Die Zeichnung basiert auf alten Darstellungen des heiligen Mauritius.» Gleichzeitig distanzierte sich das Unternehmen von jeglicher rassistischer Gesinnung: «Die Mohrenbrauerei steht für Toleranz und lehnt Rassismus ganz entschieden ab.»

Am Mittwoch liess die Mohrenbrauerei dann ein weiteres Schreiben folgen, gezeichnet von der Eigentümerfamilie Huber, in welchem diese die Bereitschaft betonte, «die Situation neu zu bewerten». Thomas Pachole unterstreicht diesen Willen gegenüber «Wirtschaft regional» neuerlich: «Wir nehmen die Kritik wahr, und wir sind offen.» Allerdings dürfe andererseits auch nicht der grosse Kreis treuer Kunden ausser Acht gelassen werden. «Der Zuspruch war in den zurückliegende Tagen deutlich grösser als die Kritik.» Es gebe viele Menschen, denen das Mohrenbräu-Logo wichtig sei und deren Lesart genau jener des Unternehmens entspreche.

Am Namen wird definitiv nicht gerüttelt

In den kommenden Monaten will die Brauerei nun gemeinsam mit externen Experten prüfen, ob und wie die Marke weiterentwickelt werden könnte. Das Ergebnis dieses Prozesses ist laut Pachole gegenwärtig noch völlig offen. Eines ist für den Geschäftsführer jedoch klar: Am Namen wird nicht gerüttelt. «Das», so Pachole, «kann ich dezidiert ausschliessen. Wir bezeichnen uns selbst als ‹Möhreler›. Wir können nicht das Unternehmen verleugnen.» Über alles andere könne man aber diskutieren.

Während die Erörterungen rund um den Markenauftritt also noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden, scheinen die jüngsten öffentlichen Erklärungen des Unternehmens schon jetzt einen zarten Effekt zu zeitigen: eine leichte Beruhigung der Diskussion. «Seit dem offenen Brief der Eigentümerfamilie ist die Zahl der eingehenden Mails deutlich zurückgegangen», berichtet Pachole. Einen Anlass, die Social-Media-Einschränkungen wieder aufzuheben, sieht er darin aber noch nicht unbedingt: «Wir werden die Situation jeden Tag von Neuem bewerten und schauen, wie wir hier verfahren sollen.» (bo)

27. Jun 2020 / 15:12
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
11. August 2020 / 15:52
11. August 2020 / 09:39
11. August 2020 / 13:32
Meistkommentiert
07. August 2020 / 09:00
30. Juli 2020 / 20:37
Aktuell
11. August 2020 / 16:35
11. August 2020 / 15:52
11. August 2020 / 15:04
11. August 2020 / 14:59
11. August 2020 / 14:58
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Lova Center
Zu gewinnen einen Lova Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken.
25.06.2020
Facebook
Top