• Pascal Seger, Vaduz
    «Früher hatte ich mal den Traum, ein AC/DC-Konzert in Liechtenstein zu organisieren.»  (Tatjana Schnalzger)

«Ich bin grundsätzlich Optimist»

Für Pascal Seger aus Vaduz war der Corona-Lockdown gleich in doppelter Hinsicht nicht einfach.

Herr Seger, wie ist es Ihrer Event- und Kommunikationsagentur in den letzten Monaten während der Coronakrise ergangen?

Pascal Seger: Zum Glück ist der Bereich Kommunikation ein zweiter Ertragspfeiler unserer Agentur, der nicht so stark betroffen war wie der Eventbereich. Für einige unserer Kunden war die Kommunikation – oft auch die in­terne – gerade in der Anfangsphase der Coronapandemie sehr wichtig. Der Eventbereich war aber natürlich mass-geblich betroffen und wir sind froh, dass wir die Kurzarbeit mittlerweile wieder langsam abbauen können.

Für viele Firmen war das staatliche Hilfspaket wichtig. Bei Ihnen demnach auch?

Es war sehr wichtig, weil wir dank dieser Unterstüt­zung auf Kündigungen verzichten konnten, was sonst aus wirtschaftli­chen Gründen unvermeidbar gewesen wäre. 

Wie schwierig war diese Zeit für Sie persönlich?

Ich bin im März zum zweiten Mal Papa geworden. Gleichzeitig brach mit dem Corona-Lockdown die Welt auseinander. Unsere Eltern konnten ihren Enkel erst Wochen nach der Geburt physisch sehen. Das war emotional eine sehr schwierige Situation für uns alle.

Sie organisieren durchschnittlich 20 bis 30 Events pro Jahr. Mussten nun alle abgesagt werden?

Mai und Juni sind natürlich Hochsaison in der Eventbranche. Und entsprechend gab es gewisse Veranstaltungen, welche abgesagt oder verschoben werden mussten. Unter anderem mussten wir auch die «Plattform Alter – die Messe mit Pfiff» absagen. 

Eines Ihrer Events, das Sie aus der Taufe gehoben haben, hat ein Finanzierungsproblem. Wie geht es mit «Princely Tattoo» weiter? 

Die Vorstandsmitglieder des neu gegründeten Vereins sind motiviert und bereit ihren Anteil zu leisten, um die Zukunft zu sichern. Ein Anlass, der jeweils 8000 Besucher begeistert, sollte es wert sein, weitergeführt zu werden.

Das Event hat noch nie schwarze Zahlen geschrieben. Sind Sie zuversichtlich, dass die Finanzierung klappen wird für das kommende Jahr?

Ich bin grundsätzlich Optimist und hoffe natürlich, dass es klappen wird – auch dank des jetzt breit aufgestellten Vorstandsteams. Ich liebe die Atmosphäre des Events auf der Burgruine Schellenberg und der Parade im Städtle von Vaduz.

Wie kamen Sie auf die Idee, ein solches Festival zu organisieren? 

Der Ursprung war, dass mich Dudelsackmusik fasziniert – auch wenn ich nie vorhatte, es selber zu erlernen. (lacht)

Auch wenn Sie selbst nicht zum Musiker werden, läuft bei Ihnen im Auto also Dudelsackmusik?

Nein, so weit geht es dann doch nicht. (lacht) Aber das Glas Whisky zu Hause schmeckt natürlich mit der richtigen Musik noch besser. Wenn man dann die Augen schliesst, sieht man sich in der dazu passenden Umgebung.

Princely Tattoo war demnach ein Traum, der in Erfüllung ging. Wovon träumen Sie sonst?

Früher hatte ich mal den Traum, ein AC/DC-Konzert in Liechtenstein zu organisieren. (lacht) Aber ich habe dann mal herausgefunden, wie hoch die Gagen sind, das machte es dann eher unrealistisch. 

War es schon immer Ihr Traumjob, Events zu organisieren?

Ja, ich habe schon vor fast 20 Jahren meine ersten Events zusammen mit Freunden organisiert. Es liegt mir, Dinge zu planen und zu organisieren. Wenn ich dann bei einer unserer Veranstaltungen oder Konzerte stehe und die Emotionen sehe, dann weiss ich: Ich hab einen coolen Job. 

Sie waren bei Swarovski in einer leitenden Position im Customer Service tätig und haben im Jahr 2012 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Haben Sie viel Mut dafür benötigt?

Nein, weil ich von Anfang an zuversichtlich war, dass es der richtige Schritt ist. Klar, habe ich die ersten ­Monate viel Durchhaltevermögen gebraucht. Umso mehr schätze ich, dass meine Frau Manuela immer an meiner Seite stand und mich unterstützt hat. Auch finanziell, als das Geschäft anfangs erst noch anlaufen musste, lastete einiges auf ihren Schultern. Ohne sie hätte ich mir den Traum der Selbstständigkeit nicht verwirklichen können. 

Inzwischen haben Sie einen Geschäftspartner gefunden.

Ja, Marcus Vogt und ich haben uns zur gleichen Zeit selbstständig gemacht. Anfang 2015 haben wir uns entschieden zu fusionieren. Mittlerweile sind wir sechs Personen im Unternehmen und wenn nicht gerade Coronazeit ist, läuft es sehr gut. Der Vorsatz von Marcus und mir war, dass wir jeden Tag miteinander lachen – und es ist toll, dass wir dies auch wirklich können.

Wie sieht Ihr persönlicher Ausblick für die Agentur in Zeiten von Corona aus?

Kunden denken wieder über Veranstaltungen nach und planen diese für den Herbst. Nun sind zwar Events bis zu 1000 Personen wieder erlaubt, doch die Zahl ist für uns zweitrangig. Für uns hat die Abstandsregel einen grösseren Einfluss. Ob ich zwei Meter Abstand oder 1,5 Meter Distanz einhalten muss, das hat für eine Veranstaltung grosse Auswirkung. Wir müssen Events nun mehr Raum geben und gleichzeitig ­dafür sorgen, dass die Location nicht halbleer aussieht.

Sehen Sie die Gefahr, dass einige Agenturen die Coronazeit nicht überleben werden? Die Branche war am längsten vom Lockdown betroffen.

Tatsache ist, dass Eventagenturen und alle in der Eventbranche tätigen Unternehmen noch keine sichere Aussicht haben. Für uns ist die Coronazeit also noch lange nicht vorbei. Was im Herbst und Winter genau möglich sein wird und was nicht, ist aktuell noch relativ unklar. Eine zweite Welle der Pandemie würde sicher gerade bei grösseren Veranstaltungen wieder deutliche Einschränkungen mit sich bringen. Diese Unsicherheit ist auch bei unseren Kunden zu spüren, weshalb gerade grössere Veranstaltungen im Moment nicht oder nur zaghaft geplant werden.

Eine Zeit voller Unsicherheit. Wie können Sie abschalten und wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Die Zeit, die neben dem Beruf noch übrig bleibt, verbringe ich am liebsten mit meiner Frau und meinen beiden Kindern. Wir wohnen in Vaduz. Für Hobbys bleibt gerade keine Zeit mehr. Ausser fürs Princely Tattoo natürlich. 

(dal)

27. Jun 2020 / 15:10
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