• Hunters stalk through their hunting grounds.
    Der Liechtensteiner Jägerschaft widerstrebt an der Gesetzesvorlage, dass staatliche Wildhüter eingeführt werden sollen.  (Edgar G. Biehle)

Jagdpachtperiode bis 2022 verlängert

Der Wald-Wild-Konflikt rund um die Abänderung des Jagdgesetzes wird auch in der nächsten Legislaturperiode aktuell bleiben.

Zehn der elf Massnahmen, welche die Regierung mit der Hoffnung auf eine Waldverjüngung zum Paket geschnürt hat, stossen bei der Liechtensteiner Jägerschaft auf Anklang. Für Diskussionen sorgt hauptsächlich die geplante Einführung von staatlichen Wildhütern. «Wir Jäger werden den Massnahmenkatalog nicht auf sich beruhen lassen, da er fachlich und sachlich nicht ausgereift ist», sagte ihr Präsident Michael Fasel bereits im Februar. Diesen Worten müssen bald Taten folgen, zumindest tickt jetzt die Uhr. Vergangenen Dienstag verabschiedete die Regierung nämlich den Vernehmlassungsbericht zur Abänderung des Jagdgesetzes. Die Frist für Stellungnahmen läuft seither bis zum 22. September.

Im Vernehmlassungsbericht stellt das Ministerium für Inneres, Bildung und Umwelt klar, dass es mit den Änderungen hauptsächlich eine «Effizienzsteigerung der Jagd» anstrebt. Eine Reduktion des Schalenwildbestands sei unabdingbar «für die notwendige Waldverjüngung», welche die Sicherheit der Einwohner gewährleistet. Der Vorschlag zur Abänderung des Jagdgesetzes beschränke sich auf jene Massnahmen, die für jenes Ziel erforderlich sind – wohlgemerkt in Ergänzung «zum unverzichtbar grossen Einsatz der Milizjägerschaft», die ihre Einsätze in vielen Fällen neben Beruf und Familie leistet. Laut Bericht sollen staatliche Wildhüter sie dabei unterstützen, «eine Trendwende der Schalenwildbestände auf ein dem Lebensraum angepasstes Mass zu erreichen.» Ihre Aufgaben werden dort gesehen, wo das bisherige System an seine Grenzen stösst. Weiter kündigt das Ministerium unabhängig von der Vorlage zusätzliche Schritte an, wie etwa die Schaffung von Wildtierkorridoren oder die Kategorisierung von Schutzwäldern.

Ministerium möchte an der Revierjagd festhalten

Just jenen Milizjägern ist die dargebotene Hilfe, welche den Schwerpunkt der Regierungsvorlage darstellt, allerdings ein Dorn in Auge. Letztlich erfolgt durch die staatlichen Wildhüter nicht nur eine Unterstützung, sondern auch eine Unterstellung der Milizjäger. Dies zeigt sich im breiten Aufgabenfeld, das unter anderem die Ausbildung von Jägern und die Wildtierbestandserhebung beinhaltet. Zudem wären sie für die neuen Intensivjagdgebiete verantwortlich. Ein weiterer Kritikpunkt: Die staatlichen Wildhüter gehen ihrer Tätigkeit ohne zeitliche Einschränkung nach, was neben mehr Flexibilität auch Verantwortung mit sich bringt. Fasel möchte ein «rücksichtsloses Niederschiessen» der Tiere vermeiden und vertritt die Ansicht, dass die Jägerschaft der Aufgabe selbstständig gerecht wird.

Das Ministerium hält dem entgegen: «Es ist ausdrücklich zu betonen, dass damit kein neues Jagdsystem durch die Hintertür eingeführt werden soll, sondern grundsätzlich an der Revierjagd festgehalten wird.» Ausserdem dürfen staatliche Wildhüter genauso wenig «ohne vernünftigen Grund» töten. Die Strategie bleibe weiterhin eine kurze, intensive 
Reduktion der Bestände. Ausserhalb dieser Phase seien die Abschüsse auf schadensstiftende, kranke oder verletzte Tiere beschränkt. Im Bereich des Schalenwilds, wo Überscheidungen zwischen Wildhütern und Jäger möglich wären, koordiniert das Amt für Umwelt.

Regierung möchte nicht unter Zeitdruck handeln

Einerseits ist ein «zügiges Voranschreiten» erforderlich, andererseits möchte das Ministerium nichts überstürzen. Der Oktober-Landtag kommt angesichts der Vernehmlassungsfrist  zu früh. Doch auch an den beiden folgenden Terminen dürfte die erste Lesung des Jagdgesetzes angesichts der vielen erwarteten Rückmeldungen auf der Traktandenliste fehlen. «Ausschliesslich ein Mitwirken aller Beteiligten ermöglicht ein Fortkommen in dieser Thematik. Der Vernehmlassungsprozess und die Auswertung der Stellungnahmen sind Schlüsselelemente von hoher Bedeutsamkeit», schreibt das Ministerium. 

Somit zieht sich der Wald-Wild-Konflikt in die nächste Legislaturperiode. Damit genügend Zeit bleibt, wurde die aktuelle Jagdperiode von der Regierung um ein weiteres Jahr verlängert. Den Jagdpächtern hat sie entsprechende Vertragsverlängerungen bis zum 31. März 2022 angeboten, wie im Vernehmlassungsbericht steht. Staatliche Wildhüter werden davor also keine eingesetzt. (gk)

15. Jul 2020 / 20:35
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