• HINGIS, PORSCHE
    1997 gewinnt Hingis beim WTA Stuttgart einen Porsche 911.  (THOMAS KIENZLE)

Der erste Porsche von Hingis in Triesen

Nach 23 Jahren hat Martina Hingis’ erster Porsche 911 den Weg zurück ins Rheintal gefunden.
Triesen. 

Reinhard Caseli, der zugleich Sammler und Enthusiast ist, führt die Reica Fahrzeuge. Das kleine Unternehmen verkauft daher öfters ungewöhnliche Fahrzeuge, die mitunter eine prominente Vorgeschichte haben. «Dass wir Hingis’ knallroten Porsche 911 – die interne Bezeichnung lautet 996 – in einem topgewarteten Zustand bei uns stehen haben, verdanken wir einem glücklichen Zufall aus unserem Netzwerk», sagt der Firmeninhaber Caseli.  Der Youngtimer –so die Bezeichnung des 23 Jahre alten Autos – erhält dieser Tage den letzten Feinschliff, inklusive Komplettaufbereitung und einem neuen Porsche Car-Cover mit gesticktem Porsche-Logo. «Der 911er kann in der Fahrzeug-Boutique im Lova Center besichtigt werden», so Caseli.

Die Vorgeschichte des knallroten Autos

Der Porsche 996 wurde auf der IAA im September 1997 präsentiert. Nur ein paar Wochen später, am 12. Oktober, stand einer als indischrote Coupé-Ausführung mit Vollausstattung bereits als Siegerpreis am WTA Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart/Filderstadt. Dort gewann die Schweizer Weltklasse-Spielerin Martina Hingis das Finale gegen Lisa Raymond mit 6:4 und 6:2.

Obwohl Hingis bei Opel unter Vertrag stand, erst 17 Jahre alt war und noch gar keinen Führerschein besass, entschied sie sich trotzdem als Teil des Preisgeldes für den Porsche 911 vom Turniersponsor und drehte unter frenetischem Applaus der Zuschauer eine Ehrenrunde auf dem Centre Court. Der bei Reica ausgestellte Porsche wurde direkt vom Porsche-Werk in die Schweiz geliefert und auf Hingis’ Mutter Melanie Molitor zugelassen.

Auftrieb für die Marke Porsche

Anfang der 1990er-Jahre stand Porsche kurz vor der Pleite. Es kursierten bereits diverse Übernahmegerüchte. 1991 wurden noch 23 000 Autos der Marke verkauft und im darauffolgenden Jahr erwirtschaftete das deutsche Unternehmen einen Verlust von über 240 Millionen Mark. Die Gründe lagen bei dem stark gesunkenen US-Dollar, welcher die Rendite auf dem für Porsche wichtigsten Markt in Amerika einbrechen liess. Überdies fand die Modellpalette kaum noch Anklang. Die Zeiten der Luftkühlung waren längst vorbei und sie war komplett veraltet. Wegen der geforderten Abgasgrenzwerte musste schnellstmöglich eine Neuentwicklung her. Obwohl man der Sechszylinder-Boxer-Anordung und dem Heckmotorenprinzip treu blieb, entstand ein komplett neuer Porsche 911, welcher etwas grösser und trotzdem einige Kilogramm leichter wurde als sein Vorgänger. Als Klassiker hat der 996 im Vergleich zu seinen Vorgängern noch Luft nach oben. Noch sind 996-Modelle im Alltagsverkehr zu sehen und werden im Occasionenhandel angeboten, doch die rareren Versionen ziehen wertmässig bereits an. «Es erfüllt uns natürlich mit Freude und Stolz, einen solch historischen Porsche aus Promi-Erstbesitz in unserer Ausstellung präsentieren zu dürfen». Das Fahrzeug werde zum gegebenen Zeitpunkt zum Verkauf angeboten. (lb)

15. Jul 2020 / 20:31
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