•  (CHRISTIAN BEUTLER)

Blutdrucksenker belastet Abwasser

Eine Abwassermessung zeigt erneut eine hohe Konzentration an Irbesartan auf.

Liechtensteins Abwasser ist mit allerhand belastet: Medikamentenrückstände, Wasch- und Kosmetikmittel, Pflanzenschutzmittel aus der Landwirtschaft wie auch Chemikalien aus Industriebetrieben. Der Überbegriff für solche Verschmutzungen sind sogenannte Mikroverunreinigungen. Die Partikel sind so klein, dass sie von blossem Auge nicht sichtbar, dafür umso schädlicher sind. Beispielsweise für die Fortpflanzung der Fische. 

Im Jahr 2016 wurde eine grossangelegte Studie durchgeführt, die das Abwasser der Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Bendern untersuchte. Bereits damals stach ein Medikament besonders hervor: Irbesartan. Ein Mittel, das gegen Bluthochdruck eingesetzt wird. Während 21 Tagen lag die gemessene Konzentration im Liechtensteiner Abwasser fünfmal höher als der Mittelwert aller anderen 45 getesteten Schweizer Kläranlagen. Gemessen wurde damals auch an drei Wochenenden. Elija Kind, Abteilung Umweltschutz vom Amt für Umwelt, erklärte für einen Bericht dem «Vaterland» 2018: «Wir gehen davon aus, dass die höhere Fracht aus der Bevölkerung stammt.» Insgesamt gelangen jährlich 23 Kilogramm des Wirkstoffes Irbesartan in die Kanalisation und über die Abwasserreinigungsanlage in den Rhein.  Im Februar 2020 wurde von der ARA eine erneute Messung, dieses Mal jedoch von zwölf spezifisch ausgesuchten Stoffen, in Auftrag gegeben. Dieses Mal wurde nur an zwei Tagen jeweils eine 48-Stunden-Sammelprobe des Zulaufs und Ablaufs genommen. Doch auch bei der erneuten Messung, so Hilmar Hasler, Geschäftsführer der Abwasserreinigungsanlage, war die Konzentration vor allem an Irbesartan deutlich erhöht und lag mehrfach über den Werten von St. Gallen. Welche Auswirkungen die Medikamente auf das Ökosystem des Gewässers haben, sei schwierig zu beurteilen. Eine vierte Filterstufe in der Abwasserreinigungsanlage – so wie sie in der Schweiz seit 2016 für wichtige Kläranlagen gesetzlich festgeschrieben ist – könnte Abhilfe bei der Verunrei­ni­gung schaffen. Doch wann sie kommen wird, steht laut Hasler noch nicht fest.  

Eine Million Franken für Blutdrucksenker
Irbesartan ist das am häufigsten verkaufte Medikament dieser Stoffklasse in Liechtenstein. Im Jahr 2018 wurden die Kosten für Blutdrucksenker hierzulande auf eine Million Franken gerechnet. Die Ursachen für Bluthochdruck sind vielfältig. Am häufigsten kommt er in Folge von Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress, aber auch aufgrund genetischer Ursachen vor. Bluthochdruck schädigt im Laufe der Jahre wichtige Organe wie das Herz, die Herzkranzgefässe, das Gehirn, die Nieren und die Blutgefässe.

22. Mai 2020 / 21:31
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