• Interview Fürst Hans-Adam
    Davide und Viviana erfahren im Gespräch mit dem Fürsten mehr über das Schloss und das Leben von Hans-Adam II.  (Daniel Schwendener)

Kinder fragen, der Fürst antwortet

Fürst Hans-Adam II. empfängt auf Schloss Vaduz zwei nicht alltägliche Interviewpartner: Die Eschner Primarschüler Viviana Marugg und Davide Galati, beide elf Jahre alt, befragen ihn aus der Sicht der nächsten Generation. Dabei erfahren sie, weshalb der Fürst gutes Essen mag und trotzdem kein Frühstück isst, dass der fürstliche Dackel gerne Radau macht und niemand genau weiss, wie viele Zimmer das Schloss Vaduz hat.
Vaduz. 

Davide: Machen Sie zu Ihrem 75. Geburtstag ein Fest?
Fürst Hans-Adam II.: Nein. Ich feiere meinen Geburtstag im engsten Familienkreis – mit meiner Frau, unseren Kindern und Enkelkindern. Also gemütlich. Es gibt noch einen Empfang mit der Regierung und Vertretern aus dem Landtag, welche gratulieren kommen. Aber ansonsten gibt es kein grosses Fest.

Viviana: Was wünschen Sie sich zum Geburtstag?
Ein gutes Essen. Austern habe ich sehr gerne und anschliessend ein warmes Dessert. Zum Beispiel ein Schokoladen-Soufflé. Manchmal wünsche ich mir eine Büchse Kaviar. Den habe ich sehr gerne, aber guter Kaviar ist teuer. Deshalb wünsche ich ihn mir meist zum Geburtstag oder auch zu Weihnachten.

Viviana: Dann essen Sie gerne?
Ja. Als Student habe ich auch selbst gekocht und war in einem Kochclub. Das Interesse in der Familie für gute Rezepte und das Kochen ist über die Generationen hinweg sehr ausgeprägt. 

Davide: Was ist Ihr Lieblingsessen?
Ich habe gerne verschiedenes Essen und esse alles Mögliche. Ich bin kein Vegetarier und esse gerne ein gutes Steak. 

Davide: Welchen Geburtstag haben Sie besonders in Erinnerung?
Die Geburtstage in der Kindheit sind schon besonders. Wenn die Geschenke ausgepackt werden können, die man sich gewünscht hatte. Allerdings war das bei mir nur in der Volksschule so. Denn bereits nach der vierten Klasse kam ich mit meinem Bruder nach Wien. Wir wohnten in der Stadt und da war es natürlich anders als hier.

Viviana: Wie haben Sie als Kind Geburtstag gefeiert? Gab es auch Kinderpartys?
Wir feierten den Geburtstag im Familienkreis. Damals wohnten meine Grosseltern und Prinz Heinrich im Schloss, die natürlich mitfeierten. Unsere Köchin backte einen Kuchen und dann wurde das Geburtstagskind in den Raum gerufen, wo ihm die Familienmitglieder gratulierten und es Geschenke auspacken konnte. Aber Kinderpartys mit Schulfreunden gab es auf dem Schloss nicht.

Davide: Waren Sie als Kind in einem Verein?
Nein, es gab damals keine Möglichkeit. Ein Grund ist sicher auch, dass ich mit elf Jahren nach Wien ans Gymnasium ging. Da war ein Vereinsleben, wie man es bei uns kennt, nicht gegeben. 

Viviana: Gingen Sie gerne in die Schule?
Einigermassen. 

Viviana: Weshalb?
Geht ihr gerne in die Schule? (Die Kinder schütteln den Kopf. Fürst Hans-Adam II. muss lachen und spricht weiter.) In der ersten Klasse der Volksschule hatten wir einen sehr guten Lehrer. David Beck war ein Pionier der Archäologie in Liechtenstein. Und das interessierte mich sehr. Wir durften ihn nach der Schule zu seinen Ausgrabungen begleiten. Das musste ich natürlich zuhause melden, da ich mit dem Auto abgeholt wurde. Aber da ging ich immer sehr gerne mit.

Davide: Waren Sie fleissig in der Schule?
Nein. (lacht) Ich habe so viel gemacht, wie nötig war, um in die nächste Klasse versetzt zu werden. Einen gewissen Spielraum hielt ich immer ein, um nicht durchzufallen und so ein Jahr länger in die Schule zu müssen. Das wollte ich möglichst vermeiden.

Viviana: Was war Ihr Lieblingsfach?
Geschichte. Da hatte mich David Beck sehr geprägt. In Mathematik und Physik war ich ebenfalls gut. Eigentlich wollte ich Physik oder Archäologie studieren. Doch aufgrund der damaligen Situation der Fürstenfamilie studierte ich schliesslich Recht und Wirtschaft. Wirtschaft, um das Familienvermögen neu aufzubauen, und Recht, da ich anschliessend die Regierungsgeschäfte übernehmen sollte. 

Davide: Was wären Sie als Kind gerne geworden?
Archäologe oder Physiker hätte mich schon sehr interessiert. 

Davide: Interessiert Sie die Archäologie auch heute noch?
Ich interessiere mich auch heute noch sehr dafür und unterstütze eine Stiftung, die archäologische Forschung in Drittweltländern fördert. Diese Staaten haben wenig Geld für solche archäologische Arbeiten und dadurch geht sehr viel kaputt. Dank diesem Projekt bin ich in verschiedenen Ländern bei Ausgrabungen dabei gewesen. Das war sehr interessant.

Viviana: Sind Sie gerne Fürst?
Ja, ich konnte sowohl in der Aussen- als auch in der Innenpolitik viel erreichen und habe die meisten geplanten Reformen realisiert. Aber ich war dann froh, als ich die Aufgaben dem Erbprinzen übergeben konnte. Gesetze durchzulesen und zu studieren langweilte mich ein bisschen. Der Erbprinz ist da anders. Er ist ein Jurist und macht das gut und gerne. Von klein auf hat er sich für Justiz interessiert. Mich faszinierten eher die Naturwissenschaften und Geschichte.

Davide: Was gefällt Ihnen am besten am «Fürst-Sein»?
Dass ich in dieser Funktion sehr viel bewirken konnte. Das wäre mir als Präsident des Landes wohl nicht gelungen. Bereits in jungen Jahren konnte ich Kontakte knüpfen. Mit 18 Jahren absolvierte ich ein Praktikum im amerikanischen Senat. Dabei wurde ich ins Weisse Haus eingeladen und lernte den damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy kennen. Als Fürst habe ich Zugang zu vielen Leuten, was sonst nicht möglich wäre. Nicht nur zu Staatsmännern, sondern auch zu Wissenschaftlern, und komme so zu vielen Informationen. Schon als junger Mann hatte ich guten Kontakt zu den Chefs der westlichen Nachrichtendienste. Während des Kalten Krieges war es für mich sehr wichtig zu wissen, wie es mit dem Konflikt weitergeht und wie sich das sowjetische Imperium entwickelt. Denn der Ausbruch eines Dritten Weltkrieges wurde befürchtet. Durch die Kontakte hatte ich Informationen über einen geplanten Überfall auf Westeuropa, das überrollt werden sollte. Dank den Nachrichtendiensten und der Aufrüstung Frankreichs konnte das verhindert werden.

Viviana: Wie sieht Ihr Tag aus, was machen Sie genau?
In der Früh stehe ich auf. Ich frühstücke aber nicht, das habe ich mir bereits in der Studentenzeit abgewöhnt, da ich lieber länger schlief. Dafür absolviere ich mein Turnprogramm und gehe anschliessend in mein Büro, wo ich die Post erledige, und dann gebe ich beispielsweise Interviews wie heute mit euch oder habe sonstige Besprechungen im Schloss. Das Mittagessen nehme ich mit meiner Frau ein oder, wenn Gäste da sind, mit den Gästen zusammen. Und am Nachmittag bin ich wieder im Büro. Als ich noch für die ganze Vermögensverwaltung zuständig war, war die Büroarbeit schon sehr zeitintensiv. Aber das ist jetzt weniger der Fall. 

Davide: Sie besitzen wertvolle Bilder. Malen Sie selbst auch gerne?
Nein, da habe ich gar kein Talent. Ich war in den Fächern Zeichnen und Singen schlecht. Wenn in der Klasse gesungen wurde, sagte der Lehrer: «Hans-Adam, du singst aber nicht mit. Denn du singst so falsch.» (lacht) Auch im Zeichnen hatte ich immer eine schlechte Note. Mein Bruder Philipp war sehr begabt. Aber bei mir war das hoffnungslos.  

Davide: Mögen Sie die Bilder trotzdem?
Natürlich gefallen mir die Bilder aus unserer Sammlung. Zusammen mit meiner Frau habe ich die Bilder und andere Kunstwerke, die im Schloss aufgehängt oder aufgestellt sind, ausgesucht und darauf geachtet, welcher Stil oder welches Sujet am besten in den jeweiligen Raum passt. Ausserdem konnte ich viele Bilder, die mein Vater nach dem Zweiten Weltkrieg verkaufen musste, zurückkaufen und so die Kunstsammlung nahezu gänzlich wiederherstellen. Die Kunstperioden, aus denen unsere Sammlung besteht, gefallen mir gut. Zur modernen Kunst habe ich dagegen keinen Bezug. Da kenne ich mich auch nicht aus. Ich hätte mich allerdings nicht intensiv mit der Kunst beschäftigt, hätten wir die Sammlung nicht. Aber wir sind in der Familie damit aufgewachsen, und sie ist ein wichtiger Vermögensteil. Es war meine Verantwortung, mich mit der Kunst auseinanderzusetzen. Deshalb war es mir wichtig, ordentliche Depots für die Kunstwerke zu bauen. Hier im Schloss haben wir ein grosses Depot tief in den Felsen hinein. In Wien gibt es unter dem Palais Liechtenstein nochmals ein mehrstöckiges, unterirdisches Depot. Die Depots sind jetzt alle voll, und deshalb habe ich aufgehört zu sammeln.

Viviana: Was für eine Sportart machen Sie gerne?
Früher bin ich sehr gerne Ski gefahren und tauchen gegangen. Ich war nicht nur Tauchlehrer, sondern auch Instruktor, und habe Tauchlehrer ausgebildet. Das Wasser habe ich sehr gerne, ich bin im Zeichen des Wassermanns geboren. Schon als kleines Kind beobachtete ich in den Ferien am Meer die Fische mit einer Taucherbrille. Das faszinierte mich sehr. Aber damit habe ich aufgehört. Heute gehe ich gerne in den Wald laufen. Vor allem in der Steiermark, wo wir ein Haus besitzen. Oder auch hier im Schlosswald. 

Viviana: Welches ist Ihr Lieblingsort in Liechtenstein?
Ich bin gerne hier im Schloss und geniesse die Aussicht ins Tal oder auf die Schweizer Berge. Oft gehe ich in die Höhe nach Triesenberg. Wir haben hier eine schöne Natur, und ich bin sehr gerne in der Natur. 

Davide: Von was für einer Fussballmannschaft sind Sie Fan?
Es freut mich natürlich, wenn Vaduz gewinnt, aber sonst bin ich kein grosser Fussballfan. Skirennen interessieren mich mehr. Die Skirennen von Tina Weirather verfolge ich. Bereits ihren Eltern habe ich zugeschaut, und wir sind auch zu den Skirennen gefahren. 

Viviana: Was ist Ihr Lieblingsreiseziel?
Früher fuhr ich gerne ans Meer. Ich war an vielen verschiedenen Meeren, wo ich Tauchgänge unternahm. Im Roten Meer war ich auch als Tauchlehrer tätig. Wir reisten viel umher. Als ich jedoch bei einem Tauchunfall auf einem Ohr taub wurde, habe ich mit dem Tauchen aufgehört. Heute reisen wir nicht mehr weit. Aber wir gehen sehr gerne in die Steiermark, wo es vor allem für Kinder ideal ist. Wir haben einen Schwimmteich, und die Jagd ist dort beeindruckend. Im Herbst ist es ein grosses Spektakel, wenn die Hirsche röhren und kämpfen. Ich bin zwar kein Jäger, aber unsere Kinder gehen auf die Jagd und auch unsere Enkelkinder gehen bereits gerne mit.  

Davide: Wohin gehen Sie zum Frisör?
Hier in Vaduz zum Coiffure Fabrizio.

Davide: Das ist mein Papa.
(lacht) Ach so. Ja, zu ihm gehe ich schon viele Jahre und er versteht sein Handwerk. Wir verstehen uns sehr gut.

Viviana: Haben Sie ein Haustier?
Nein, ich nicht. Aber die Erbprinzessin hat einen Dackel. Mein Vater und ich hatten nie so grosses Interesse an einem Haustier. Unseren Frauen hingegen war es immer wichtig. Meine Mutter hatte einen Labrador und einen Dackel. Meine Frau war ebenfalls der Meinung, dass ein Tier für die Kinder gut wäre. Deshalb hatten wir einen Labrador, als die Kinder noch klein waren. Und jetzt ist wieder ein Dackel im Schloss. Hat er euch angebellt?
Kinder: Nein.
Ah, dann wurde er nicht freigelassen (lacht). Denn wenn jemand kommt, macht er ein grosses Spektakel, und deshalb wird er meistens nicht in den Hof gelassen, wenn Gäste kommen.

Viviana: Dann ist es also erlaubt, im Schloss Haustiere zu halten.
Ja. wir hatten sogar einmal zwei Esel, die meine Frau geschenkt bekommen hatte. Die Kinder hatten diese sehr gerne und fanden es sehr lustig, mit der Kutsche zu fahren.

Davide: Schauen Sie viel Fernsehen?
Die Nachrichten schaue ich mir an. Und manchmal Sport. Wenn beispielsweise Tina Weirather Skirennen fährt. Aber das ist dann schon alles. 

Viviana: Wie viele Zimmer hat es im Schloss?
Das wissen wir nicht. Einige Räume werden nur als Durchgangszimmer genutzt, andere verändern immer wieder ihre Funktion: Mal ist es ein Gang, dann wird es wieder in ein Zimmer umgewandelt. Deshalb ist das sehr schwer zu sagen. Aber es sind schon viele Zimmer. 

Viviana: Wer wohnt im Schloss?
Die Familie des Erbprinzen sowie meine Frau und ich. Deshalb haben wir zwei Haushalte, die jeweils eine eigene Küche und Speisezimmer haben. Es gibt auch noch die grosse Küche mit dem grossen Speisezimmer für offizielle Essen oder wenn die ganze Grossfamilie da ist. Dann sitzen bis zu 26 Personen am Tisch. Deshalb haben wir auch viele Gästezimmer im Schloss.

Davide: Wohnen Sie gerne im Schloss?
Ja, ich wohne gerne hier. Aber ich könnte genauso gut irgendwo anders wohnen. Meine Frau und ich wohnten eine Zeit lang im Bauernhaus oberhalb des Schlosses. Das hatten wir sehr gerne. Als das zu klein wurde, überlegten wir, die fürstliche Villa als unser Wohndomizil einzurichten, da meine Eltern noch im Schloss wohnten. Doch wir entschieden uns schliesslich, das Schloss in zwei Wohnungen zu teilen, was sehr gut ging. Das Schloss hat seinen Charme, auch wenn es mit hohen Kosten verbunden ist. Heizungskosten, Reparaturen und der Personalaufwand sind gross. Ein Nachteil ist, dass man nicht gleich draussen im Garten ist. Aber die alten Mauern haben Flair und erzählen aus früheren Zeiten. Wollt ihr euch das Schloss ansehen?

Beide Kinder: Au ja, gerne!

Zum Abschluss des Interviews führte Fürst Hans-Adam II. auf seine unkomplizierte Art die Kinder durchs Schloss und zeigte ihnen auch Räumlichkeiten, die nicht viele zu Gesicht bekommen. So konnten sie sich selbst ein Bild davon machen, wie viele Zimmer so ein Schloss haben kann, und erfuhren mehr über die Geschichte der Fürstenfamilie. (manu)

14. Feb 2020 / 11:12
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