• FC Balzers 2
    Die zweite Mannschaft des FC Balzers mit Trainer Marco Rothmund (1. v. r.) setzt sich für einen fairen Umgang im Breitensportfussball ein. Die Kampagne «Kein Platz für Rassismus» hat Coach Stefan Villamar (1. v. l.) auf der Rheinau lanciert.  (Daniel Schwendener)

FC Balzers II setzt Zeichen gegen Rassismus

Die zweite Mannschaft des FC Balzers führt in ihren vier Testspielen für die nächste Saison eine Kampagne durch, um auch im Breitensport die Stimme gegen Gewalt und Diskriminierung zu erheben.

Schon länger hatte Coach Stefan Villamar die Idee, mit der zweiten Mannschaft des FC Balzers ein Zeichen gegen Gewalt und Diskriminierung zu setzen. Den notwendigen Anstoss für die Kampagne gab letztlich die jüngste Partie zwischen St. Gallen und Zürich im Kybunpark. Die Freude über den 0:4-Sieg gegen den Tabellenführer rückte wegen einer Aussage eines Fans der Gastgeber in den Hintergrund. Dieser beleidigte den nigerianischen FCZ-Stürmer Aiyegun Tosin, der den zweiten Treffer erzielte (64.), als «schei** Mohrechopf», wie ein online viral verbreiteter Videoclip belegt. «Zum ersten Mal nach der Coronapause dürfen wieder 1000 Personen ins Stadion und dann geht es genau dort weiter, wo es vorher aufgehört hat», zeigt sich Villamar enttäuscht. 

Seit zwei Jahren betreut er die Viertligamannschaft auf der Rheinau rund um Trainer Marco Rothmund. Bei den eigenen Spielen hat der FCB-Coach noch keinen ähnlichen Eklat wie in St. Gallen erlebt. Doch ihm stellte sich folgende Frage: «Warum abwarten, bis etwas passiert?» Ausserdem sei jetzt genau der richtige Zeitpunkt für eine Kampagne, weil das Thema durch die tödliche Polizeigewalt an George Floyd in den USA weltweit wieder eine erhöhte Aufmerksamkeit erhält. Wenn Villamar seine Mannschaft anschaut, sieht er darin eine Vielfalt an Kulturen – unter anderem gehören Albaner, Italiener, Portugiesen, Schweizer und Liechtensteiner zum Kader, die alle in der Region verankert sind. Viele von ihnen kickten schon in der Jugend für Balzers. «Wahrscheinlich sind sie im Alltag viel häufiger mit Rassismus konfrontiert als auf dem Fussballplatz», betont Villamar die Notwendigkeit einer Aktion, die über den Breitensport hinaus zum Umdenken anregt. Insofern stand ausser Frage, dass die gesamte Mannschaft wie auch der Vereinsvorstand hinter der Sache stehen. Auch der Liechtensteiner Fussballverband, den Villamar im Vorfeld kontaktierte, befürworte die Kampagne.

T-Shirts und ein Banner weisen auf Kampagne hin

Unter dem Motto «Kein Platz für Rassismus» möchte der FCB II in seinen vier Testspielen vor der anstehenden Saison zum Nachdenken anregen. Vor Anpfiff der beiden Heimspiele auf der Rheinau werden die Spieler und weitere Vereinsmitglieder zusammen mit den Gegnern auf den Platz einlaufen und einen Banner präsentieren. Dabei tragen die Balzner extra für die Kampagne angefertigte T-Shirts, die das Gipsergeschäft Bürzle aus der eigenen Gemeinde sponsert. Die Spieler behalten diese auf der Ersatzbank an. Dort werden die T-Shirts auch bei den beiden Auswärtspartien zu sehen sein.

Auf der Rheinau wird jeweils eine Spendenkasse aufgestellt. Wohin ihr Inhalt fliesst, möchte das Team entscheiden, sobald die erhaltene Summe feststeht. Villamar zieht dafür verschiedene Institutionen des Landes in Betracht: «Das Geld wird sicher an ein Projekt gehen, das gegen Rassismus kämpft und wo wir davon überzeugt sind, dass es am richtigen Ort ankommt.» 

Ohne Zuschauer hätte die Kampagne keine Wirkung. Deshalb würde sich Villamar darüber freuen, wenn so viele FCB-Anhänger wie möglich auf der Rheinau mitfiebern. Aufgrund den Lockerungen der Covid-19-Verordnung steht dem auch nichts im Weg. Natürlich gilt es dabei die bekannten Vorgaben wie die Abstandsregelungen einzuhalten. Diesbezüglich appelliert der Coach an den gesunden Menschenverstand, auch zum eigenen Schutz. 

Alle Testspiele finden gegen Liechtensteiner Teams statt

Das Beleidigen des Kontrahenten sei im Sport schon immer präsent gewesen, meint Villamar. Gerade was rassistische Aussagen betrifft, erlebe er am Seitenrand oft paradoxe Situationen. «Wenn jemand einen Gegner wegen seiner Herkunft verbal angreift, dann beleidigt er dessen ganze Kultur. Man darf also nicht das Gefühl haben, dass sich ein Mitspieler mit derselben Nationalität nicht davon betroffen fühlt. Da gibt es keine Mauer», erklärt der Coach. Es kommt vor, dass einem während dem Spiel etwas herausrutscht, weil man voller Adrenalin ist oder gerade gefoult wurde. Doch Villamar findet es wichtig, dass man danach Charakter beweist und sich später bei dem Kontrahenten dafür entschuldigt. Denn der Fussball ist eigentlich ein Instrument, um die Integration in der Gesellschaft zu erleichtern: «Alle müssen an einem Strang ziehen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.» 

Die mediale Aufmerksamkeit, die einem Viertligisten zukommt, ist relativ gering. Doch Balzers II vertritt die Meinung, dass nicht immer nur die Fussballprofis, sondern auch der Breitensport vermehrt Flagge bekennen muss. «Je mehr sich dafür einsetzen, desto eher verstummen die anderen Stimmen. Auch kleine Sachen können eine grosse Wirkung erreichen. Ich glaube nicht, dass dies die letzte Aktion unserer Mannschaft sein wird», zeigt sich Villamar optimistisch. So wünscht er sich, dass sein Team eine Vorreiterposition einnimmt und andere Vereine im Land mit eigenen Kampagnen nachziehen. Diese werden von der Kampagne sicher hören, denn alle vier Testspiele sind gegen Liechtensteiner Mannschaften angesetzt. «Die Gegner standen schon vor der Kampagne fest. Nun ist es aber schön, dass wir mit ihnen etwas gegen den Rassismus unternehmen», blickt Villamar dem morgigen Auftakt voller Vorfreude entgegen. Um 20 Uhr ist die erste Auswahl des FC Triesen (3. Liga) auf der Rheinau zu Gast. (gk)

Testspiele FC Balzers II
• 10. Juli (20 Uhr): Balzers II – Triesen
• 24. Juli (20 Uhr): Balzers II – Schaan II 
• 31. Juli (20 Uhr): Vaduz III – Balzers II
• 7. August (20 Uhr): Triesenberg – FCB II

08. Jul 2020 / 21:44
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