Erkenntnisse aus Andorra sollen gegen Zypern umgesetzt werden
Der Frust nach dem Abpfiff am Donnerstag war greifbar. Die liechtensteinische Nationalmannschaft hatte in Andorra über weite Strecken alles in die Waagschale geworfen, ehe zwei späte Gegentore die 0:2-Niederlage besiegelten. Doch Zeit zum Wundenlecken bleibt in diesem intensiven Länderspielfenster nicht. Bereits heute um 15 Uhr wartet im heimischen Rheinpark Stadion die nächste Hürde: Erstmals in der Verbandsgeschichte trifft Liechtenstein auf Zypern. Denn während Andorra primär über Kampf, Leidenschaft und eine extrem tief stehende Defensive kam, reist mit Zypern ein Gegner an, der mit einer völlig anderen spielerischen und individuellen Qualität auftritt.
Zypern misst sich problemlos mit internationalen Grössen
Auf den ersten Blick mag man Zypern in die Schublade der klassischen europäischen Aussenseiter stecken, doch diese Sichtweise greift längst zu kurz. Der zypriotische Fussball hat in den vergangenen Jahren eine kontinuierliche Entwicklung nach oben durchgemacht. Dass auf der Mittelmeerinsel ernstzunehmender Fussball gespielt wird, zeigen nicht nur historische Meilensteine auf Klubebene, wie der legendäre Viertelfinaleinzug von APOEL Nikosia in der Uefa Champions League, sondern vor allem die zunehmende Internationalisierung des Nationalkaders. Viele Akteure stehen mittlerweile in ausländischen Ligen unter Vertrag und bringen wertvolle Erfahrung auf absolutem Top-Niveau mit. Das Prunkstück der Mannschaft ist zweifellos die Offensive um Ioannis Pittas. Der Stürmer in Diensten von ZSKA Sofia wird auf einen Marktwert von rund 2,5 Millionen Euro taxiert und gilt als extrem antrittsschnell, zielstrebig und abschlussstark. Zusammen mit Mittelfeld-Stratege und Kapitän Grigoris Kastanos (Aris Limassol) sowie dem erfahrenen Innenverteidiger Konstantinos Laifis (APOEL Nikosia, ehemals Standard Lüttich) bildet er eine spielstarke Achse. Zypern agiert weitaus variabler, kombinationssicherer und unberechenbarer als Andorra. Nationaltrainer Konrad Fünfstück stellt seine Mannschaft deshalb auf ein intensives und völlig anderes Szenario ein: «Ich denke, Zypern wird nochmal ein komplett anderes Spiel machen. Natürlich bringen sie noch mehr Wucht, noch mehr offensive Power und Qualität mit.» Wie gefährlich die Zyprioten selbst für etablierte Nationen auf europäischem Parkett sind, unterstrichen sie erst am vergangenen Donnerstag. In Slowenien trotzten sie dem favorisierten Heimteam ein 1:1-Unentschieden ab und standen dabei sogar dicht vor dem grossen Coup. «Zypern hat lange Zeit 1:0 geführt. Wer in Slowenien in Führung geht, der weiss erstmal, dass dies auch kein Zuckerschlecken wird, was da auf uns zukommt», analysiert Fünfstück.
Neue Kräfte sorgen im Kader für mehr Tiefe
Dass das Spiel in Andorra Spuren hinterlassen hat, ist kein Geheimnis. Der kräfteraubende Auftritt hat spürbar an der Substanz der Liechtensteiner Spieler gezehrt. Insbesondere Akteure wie Alessio Hasler oder Fabio Luque-Notaro, die in ihren jeweiligen Vereinen zuletzt kaum Spielpraxis sammeln konnten, mussten in der Nationalmannschaft direkt ins kalte Wasser springen und bis an ihre physischen Schmerzgrenzen gehen. Hinzu kommt der allgemeine Faktor des Juni-Termins: Nach einer langen, kräftezehrenden Saison sind die Beine schwer. Umso wichtiger und erlösender ist die Nachricht, dass Konrad Fünfstück für die morgige Heim-Premiere personell wieder deutlich mehr Spielraum besitzt und aus dem Vollen schöpfen kann. Mit Aron Sele und Severin Schlegel stossen zwei fest eingeplante Stützen wie angekündigt verspätet zum Team und bringen die nötige Frische mit. Zudem kehren mit Stürmer Dennis Salanovic und USV-Torhüter Gabriel Foser zwei weitere Säulen in den Kader zurück, nachdem sie das Andorra-Spiel aus persönlichen Gründen kurzfristig verpasst hatten. «Die Zustösse öffnen uns wieder drei weitere Optionen», so Fünfstück abschlieesend.
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