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Daniel Beck aus Triesenberg

Ein Leben für die Erste Hilfe und für die Menschen

Seit 1971 ist der Triesenberger Teil von den Samaritern – insgesamt 55 Jahre, 45 davon als Präsident. «Der Verein war nie nur ein Hobby, er war Teil unseres Familienlebens», sagt er im Porträt.
von Bianca Cortese
Daniel Beck in Triesenberg
Seit 1971 ist der Triesenberger Teil davon – insgesamt 55 Jahre, 45 davon als Präsident. Ende März hat er das Amt übergeben. (Bild: Daniel Schwendener)
Bei Bedarf wird er auch weiterhin im Einsatz stehen: «Reinreden werde ich ihnen aber ganz bestimmt nicht», betont Daniel Beck (1. v. l.). (Bild: Eingesandt)
Feldübung in Steg im Jahr 1986. Fürstin Marie wirft mit Daniel Beck einen Blick in die Unterlagen. (Bild: Eingesandt)
Erinnerungsfoto an die erste Anhänger-Einweihung im Jahr 1985. (Bild: Eingesandt)
Tag der offenen Tür des Neubaus für die Blaulichtorganisatione
Feuerwehrkommandant Florian Eberle, Vorsteher Christoph Beck, Daniel Beck und Pfarrer Georg Hirsch am Tag der offenen Tür des Neubaus für die Blaulichtorganisationen im Mai 2025. (Bild: Stefan Trefzer)

In seinem Haus steht ein Gartenzwerg in gelb-blauer Kleidung. Kein gewöhnlicher Zwerg, sondern einer, der ihn selbst als Samariter darstellt. Ein Geschenk seines Vereins. Daniel Beck lächelt, wenn er davon erzählt. 55 Jahre ist er schon dabei, 45 Jahre lang war er Präsident. «Der Samariterverein Triesenberg ist wie ein viertes Kind von mir», sagt er.

Dabei begann alles unspektakulär. 1971, Daniel Beck war 20 Jahre alt, besuchte er gemeinsam mit seiner Frau Rosemarie einen Samariterkurs im alten Schulhaus in Triesenberg. Ein paar Klassenzimmer, das Material im Kohlenkeller verstaut – viel Platz gab es damals nicht. Ein Samariterlehrer überredete ihn zu bleiben. Aus einem Kurs wurde Engagement. Und daraus eine Leidenschaft, die ihn nie mehr losgelassen hat.

Bei Bedarf wird er auch weiterhin im Einsatz stehen: «Reinreden werde ich ihnen aber ganz bestimmt nicht», betont Daniel Beck (1. v. l.). (Bild: Eingesandt)

Zwischen Berufung und Belastung

Es gibt Phasen in seinem Leben, in denen sich fast alles um den Samariterverein drehte: Kurse, Übungen, Sanitätsdienste und schliesslich auch der Beruf. Sein Weg dorthin begann jedoch nicht geplant, sondern aus einer einschneidenden Erfahrung heraus. Damals arbeitete der Triesenberger bei den Gebrüdern Frick, bis ein schwerer Arbeitsunfall alles veränderte. Nach der Entlassung aus dem Spital in Grabs riet ihm der behandelnde Arzt, körperlich weniger belastende Arbeit zu suchen – «am besten in einer Fabrik», erinnert sich Daniel Beck. Anstatt diesen Weg einzuschlagen, entschied er sich anders. 

Beim Liechtensteinischen Roten Kreuz war gerade eine Stelle als Rettungssanitäter ausgeschrieben. 1978 nutzte er die Chance und fand damit nicht nur einen neuen Beruf, sondern auch seine eigentliche Berufung. Elf Jahre lang war er im Einsatz. Parallel dazu engagierte er sich stark im Samariterwesen: Er absolvierte die Ausbildung zum Samariterlehrer, gab Kurse und war an freien Tagen oft in Schulen unterwegs, um Kindern und Jugendlichen Erste Hilfe näherzubringen.

Doch die Arbeit hinterliess Spuren. Schwere Verkehrsunfälle, persönliche Schicksale – Situationen, die sich einprägen und nicht einfach wieder verschwinden. «Die positiven Einsätze kann ich an einer Hand abzählen.» Und der Rest? Der blieb. «Irgendwann wurde die Belastung zu gross. Die Bilder, die Geschichten – sie haben mich beschäftigt, mir den Schlaf geraubt.» 1989 zog er die Konsequenzen. Es war kein leichter Entscheid, aber ein notwendiger.

Vom Rettungsdienst zur Polizei

Der Schritt zur Gemeindepolizei Vaduz war zunächst alles andere als selbstverständlich. «Ich konnte mir gar nicht vorstellen, mit Uniform und Pistole unterwegs zu sein», erinnert er sich. Und doch blieb er. Was als Übergang gedacht war, wurde zu einer zweiten Berufung. Über zwei Jahrzehnte prägte Daniel Beck als Gemeindepolizist den Alltag in Vaduz, zuletzt sogar als Leiter. Sein Arbeitsalltag war damals vielfältig: Schulwegsicherung, Parkraum, Tempo-30-Zonen, Einsätze bei Lärm oder Vandalismus, dazu organisatorische Verantwortung für ein kleines Team. Vor allem aber war es der Umgang mit Menschen, der ihn erfüllte. «Ich habe all die Jahre nie gestritten», erzählt er. Und sehr oft tat es ihm leid, wenn er einen Busszettel ausstellen musste. «Wenn die Leute dann kamen und erklärten, wie es passiert ist – oft habe ich ihn zerrissen und es gut sein lassen», meint er lachend und ergänzt:

Mein Problem war schon immer, dass ich schlecht Nein sagen kann. Das ist bis heute so.

Parallel dazu blieb der Samariterverein Triesenberg sein Lebensmittelpunkt. 1980 wurde er Präsident, nach guten Überredungskünsten seines Vorgängers. Am Freitag gewählt, am Samstag standen bereits die Unterlagen vor der Tür, erzählt er. In den folgenden 45 Jahren. baute er den Verein weiter aus, professionalisierte Strukturen, organisierte Fahrzeuge und dokumentierte die Geschichte mit einer Akribie, die heute ihresgleichen sucht. Kaum ein Verein im Land ist so umfassend festgehalten.

Feldübung in Steg im Jahr 1986. Fürstin Marie wirft mit Daniel Beck einen Blick in die Unterlagen. (Bild: Eingesandt)

Der Verein wuchs und veränderte sich. Von einst rund 50 Mitgliedern ist heute etwa die Hälfte geblieben. «Die Welt ist offener geworden», meint er, da die «Jungen» heute ganz andere Möglichkeiten hätten. Ausbildung, Karriere, Ausland – vieles habe sich verschoben. Das Ehrenamt stehe stärker unter Druck. Und trotzdem: Es freut ihn, dass wieder junge Menschen Verantwortung übernehmen.

Wir haben heute einen guten, jungen Vorstand. Einen gesunden Verein. Das ist wichtig.

Dass Daniel Beck all das über Jahrzehnte hinweg leisten konnte, lag auch an seinem Umfeld. Seine Frau Rosemarie stand immer hinter ihm. «Sie hatte Verständnis für meine Leidenschaft, gab mir Rückendeckung und auch den einen oder anderen guten Rat.» Im Jahr 2021 feierten die beiden Goldene Hochzeit, inzwischen sind sie seit 55 Jahren verheiratet – eine Zeitspanne, die fast deckungsgleich ist mit seinem Engagement bei den Samaritern. Auch die drei Söhne – Patrick, Dominik und Marcel – waren Teil dieser Welt. Sie halfen bei Übungen, spielten «Verletzte», unterstützten bei Berichten oder im Hintergrund. 

Loslassen und doch verbunden bleiben

Nach 45 Jahren hat Daniel Beck das Präsidentenamt an der diesjährigen Jahresversammlung abgegeben. Ein bewusster Schritt, wie er betont. Ganz loslassen kann er trotzdem nicht, dafür ist die Verbindung zu stark. Bei Bedarf hilft er weiterhin mit, steht im Einsatz, wenn es ihn braucht. «Reinreden werde ich ihnen aber ganz bestimmt nicht», betont er. Seinem Nachfolger gibt er vor allem eines mit auf den Weg: «Die Leute kommen freiwillig. Es ist ein Ehrenamt. Das darf man nie vergessen.»

Seit der Pensionierung im Jahr 2015 hat sich sein Alltag verändert. Weniger Druck, mehr Gelassenheit: «Wenn ich etwas heute nicht mache, dann eben morgen oder ein anderes Mal.» Ganz untätig ist er nicht. Über 30 alpine Marathons hat er absolviert, heute zieht es ihn auf vertraute Gipfel – Orte, an denen er sich sicher fühlt. Er geht gerne spazieren, ist viel draussen unterwegs. Und als wären die Zwerge nicht schon genug, gibt es noch eine weitere Sammlung: Osterdosen. In einem Setzkasten, der in einem Zimmer hängt, hat er sie sorgfältig eingeordnet. Seine Söhne ziehen ihn deswegen gerne auf. Er nimmt es gelassen. «Es ist halt auch ein Hobby», sagt er und schmunzelt. 

Tag der offenen Tür des Neubaus für die Blaulichtorganisatione
Feuerwehrkommandant Florian Eberle, Vorsteher Christoph Beck, Daniel Beck und Pfarrer Georg Hirsch am Tag der offenen Tür des Neubaus für die Blaulichtorganisationen im Mai 2025. (Bild: Stefan Trefzer)

Auch das Fotografieren begleitet ihn schon lange. Früher waren es Familienbilder aus einer Schachtel, die ihn faszinierten. Er konnte sie stundenlang ordnen und betrachten. Später kaufte er sich seine erste «richtige» Kamera, fotografierte seine Kinder und mit der Zeit alles, was ihm begegnete: Menschen, Momente, Landschaften. «Ein Foto hält fest, was sonst verloren geht. Gerade von Menschen, wenn sie irgendwann nicht mehr da sind.» Was er auch besonders mag, sind die kleinen Rituale, die seinen Alltag prägen: Donnerstag ist Einkaufstag mit Rosemarie. Freitag wird gemeinsam geputzt – «ich bin fürs Staubsaugen zuständig», sagt er lachend. Und am Samstagmittag ist Familienzeit, dann gibt es gesottene Kartoffeln und die Söhne kommen vorbei.

Was ihn geprägt hat, beschreibt Daniel Beck selbst am treffendsten: «Die Hände habe ich von meinem Vater, das Herz von meiner Mutter.» Der Vater habe ihm das Arbeiten beigebracht, das Anpacken, die Disziplin, seine Mama das Mitgefühl, das grosse Herz, die Offenheit. Und vielleicht ist genau diese Mischung der Grund, warum er über Jahrzehnte hinweg für andere da war – im Rettungsdienst, bei der Polizei und im Samariterverein. 

Heute ist er dort geblieben, wo alles begonnen hat: bei der Ersten Hilfe. Bei seinem «Kind» – dort, wo Hilfe nicht gross erklärt wird, sondern einfach passiert.

 

Artikel: http://www.liewo.li/liechtenstein/gesellschaft/ein-leben-fuer-die-erste-hilfe-und-fuer-die-menschen-art-728125

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