• Storchennest KITA in Grabs
    Jeanette Berger, Pikler-Pädagogin und Präsidentin Verein Spielraum-Lebensraum.  (Daniel Schwendener)

«Wir haben das gemacht, was wir für richtig hielten»

Frau Berger, wie sind Sie auf die Pikler-Pädagogik gekommen?
Jeanette Berger: Als meine Kinder noch klein waren – heute sind sie erwachsen – besuchte ich mit ihnen die Kleinkind-Rhythmik bei Frau Maria Luisa Nüesch (Initiantin). Sie erzählte mir von ihrem Vorhaben, dass sie gerne einen Ort für Kinder nach der Pikler-Pädagogik schaffen möchte. Wir gründeten die Gruppe und ich bildete mich weiter. Die Art der Pädagogik und deren Bild des Kindes gefällt mir.

Ist die Pädagogik ein Lehrgang? 
Es ist ein Studium. Dazu gehört auch ein Besuch in Budapest, dem Ursprungsort. Als Leiterin ist diese notwendig. Hier im Storchennest haben alle Betreuer eine entsprechende Ausbildung. In der Region sind wir weit und breit die einzigen, die das anbieten. Zusätzlich haben ehemalige Leiterinnen von hier ein Angebot in Schaan aufgebaut. Die nächsten sind in der Umgebung Winterthur und Zürich zu finden.

Wie ist der pädagogische Ansatz zu Beginn angekommen?
Mittlerweile wird die Pädagogik angenommen und wir kommen nicht mehr so exotisch daher, wie vielleicht am Anfang vor 16 Jahren. Es hat sich herumgesprochen, wie es hier abläuft und was erwartet wird. Wir haben das gemacht, was wir für richtig hielten. 

Warum galtet Ihr als exotisch?
Oft hörten wir, dass man an diesem Ort nicht reden dürfe. Für viele war es sehr ungewohnt, die Kinder nur zu beobachten und nicht mit ihnen zu spielen oder etwas vorzuzeigen. Das verbreitete Bild ist das der Krabbelgruppe, in der die Kinder spielen und sich die Eltern miteinander unterhalten. So ist es eben nicht, weil dann können sie nicht beobachten. Dafür muss es ruhig sein. Das war schon sehr ungewohnt für viele. 

Wie weist Ihr die Eltern ein?
Beim ersten Besuch erklären wir in den Gruppen, wie wir es hier gerne hätten. Sie wissen dann, welche Rolle sie hier einnehmen und worin ihre Aufgabe besteht und das funktioniert ganz gut.

Wie teilt Ihr die Gruppen ein?
Die Gruppe bleibt jeweils dieselbe in der Grössenordnung von fünf bis sechs Kindern – alle im selben Alter. Jede zweite oder dritte Woche finden Begleitabende statt, bei der sich die Eltern unter sich und mit uns austauschen können. Da wird dann umso mehr und ausführlicher geredet.


Wird diese Pädagogik auch zu Hause umgesetzt?
In der Pädagogik gibt es nicht den einen Weg. Unserer Idee ist, dass das Kind sich selbst bewegen und selbst lernen soll. Im Alltag ist es nicht immer gleich und überall umsetzbar. Wir sagen den Eltern auch nicht, wie sie es machen müssen. Lediglich im Storchennest gelten unsere Regeln. Jedes Kind ist anders wie die Mutter und die Familie, es gibt kein richtig oder falsch.

Wie lassen sich Kinder am besten inspirieren?
Wir sind viel draussen im Garten, die Natur greift am besten. Manchmal muss man die Kinder sich etwas langweilen lassen, damit sie kreativ werden. Langeweile fördert die Kreativität und ist auch Erholung. 

Was hat es mit dem Guckloch am Eingang auf sich?
Übergänge in neue Räume sind für Kinder manchmal schwierig, da etwas Neues kommt und sie nicht genau wissen, was dahinter passiert. Durch das Guckloch schauen sie erst hinein und sehen die anderen Kinder und die Betreuer. Die Unsicherheit ist dann rasch überwunden. 

Die Materialien des Gebäudes sind nicht gerade alltäglich …
Der Boden im Eingangsbereich ist aus gestampften Lehm und im Spielzimmer aus Kork. Der ist etwas nachgiebig und angenehm, um auf dem Boden zu liegen oder zu krabbeln. Die Wände sind aus Strohballen. Das Storchennest besteht hauptsächlich aus Naturmaterialien. (ms)

05. Jul 2020 / 00:00
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