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«Wir bereiten uns intensiv vor»

Das Coronavirus hat Liechtenstein noch nicht erreicht. Für den Ernstfall sei man trotzdem gerüstet, wie Peter Gstöhl, Leiter des Amtes für Gesundheit, bestätigt.

Abgeschottete Regionen und Quarantäne, Flugstopps und Evakurierungsflüge, steigende Infektions- und Todesfälle, sinkende Aktienkurse – das Coronavirus hält derzeit die Welt in Atem. Doch obwohl man auch in Mittel-europa auf jedes Hüsteln eines Mitmenschen mit einem grösseren Sicherheitsabstand reagiert, scheint man gelassen zu bleiben. Bisher wurde weder in der Schweiz noch in Liechtenstein eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus 2019-nCoV festgestellt. Doch es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis das Virus auch Liechtenstein und die Schweiz erreicht. Da stellt sich einem die Frage: Sind wir auf den Ernstfall vorbereitet?

«Das Ausrufen einer gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite durch die WHO löst in der Schweiz und in Liechtenstein nur dann eine besondere Lage aus, wenn der Schweiz beziehungsweise Liechtenstein durch diese Notlage auch tatsächlich eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit droht. Wir werden uns in dieser Frage an die Schweiz halten», erklärt Peter Gstöhl, Leiter des Amtes für Gesundheit in Liechtenstein. Seit Bekanntwerden der Epidemie verfolge man die weltweite Entwicklung und habe bereits vorsorgliche Massnahmen ergriffen. «Um auf eine solche allfällige Situation möglichst gut vorbereitet zu sein, beginnen wir schon jetzt, eine mögliche Bedrohungslage für das Land Liechtenstein zu analysieren. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es zweckmässig, sich mit den aktuellen konkreten Szenarien auseinanderzusetzen sowie eine allfällige Bedrohungslage für das Land Liechtenstein zu analysieren und bereits früher vorgesehene Massnahmen zu überprüfen, anzupassen beziehungsweise neu zu entwickeln.» 

Die Massnahmen unterscheiden sich im Wesentlichen kaum von jenen anderer Länder, wie Peter Gstöhl erklärt. So werde man auch in Liechtenstein Verdachtsfälle abklären, indem Proben labortechnisch auf das Vorhandensein des neuen Coronavirus 2019-nCoV untersucht werden. «Sollte es zu vereinzelten bestätigten Erkrankungen kommen, dann müssen diese Personen isoliert werden, um die Ansteckung weiterer Personen zu verhindern. Zudem müssen die Kontaktpersonen ermittelt und auch untersucht werden.»

Noch keine Pandemie – aber man ist vorbereitet
So dramatisch wie es die weltweite Berichterstattung vermuten lassen mag, ist die Situation noch nicht. Ausserhalb von China kam es bisher nur zu vereinzelten bestätigten Infektionsfällen. Von einer Pandemie, also einer weltweiten Verbreitung des Virus, kann daher nicht wirklich gesprochen werden. Ob es so weit kommt, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall sei man darauf vorbereitet, wie der Amtsleiter bestätigt: «Die Schweiz und damit auch Liechtenstein bereiten sich seit Anfang 2020 intensiv auf eine internationale Ausbreitung des Virus vor und setzen die aktuellen Empfehlungen der WHO um.» So habe das Amt für Gesundheit die Informationen der WHO und des Europäischen Zentrums für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (Ecdc) aufgearbeitet. Man stehe in engem Kontakt zum Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) und zu den Schweizer Kantonsärzten.  Auch das Landesspital, die Ärztekammer, der Rettungsdienst und die Notrufzentralle wurden bereits Ende Januar darüber informiert, wie mit Verdachtsfällen umzugehen ist. 

Im Grunde ist im Liechtensteiner Pandemieplan geregelt, wie im Fall einer Pandemie vorzugehen ist. Allerdings wurde dieser im Jahr 2006 auf Grundlage einer Influenzapandemie erstellt. Inwiefern dieser beim Coronavirus Anwendung findet, muss noch geklärt werden, wie Peter Gstöhl erklärt. «Aktuell handelt es sich um ein neues Coronavirus, über dessen Verhalten wenig bekannt ist. Dies bedeutet, dass eine mögliche Bedrohungslage und die daraus abzuleitenden Massnahmen grundlegend neu analysiert werden müssen.» Sicher wird aber auch bei einem Ausbruch des Coronavirus in Liechtenstein ein Krisenstab eingerichtet, der während der Notlage die strategische und operative Organisation übernimmt, mit dem Ziel die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung möglichst gut aufrechtzuerhalten.

«Noch keine fundierten Prognosen möglich»
Wie gefährlich das Amt für Gesundheit den neuartigen Virus einstuft? «Die bisherigen Infektionen in Europa nahmen einen milden Verlauf, vergleichbar mit einer normalen Erkältung. Trotzdem muss die Situation zur Vorsicht weiter engmaschig beobachtet werden, weil es sich um einen neuen Erreger handelt. Aus diesem Grund müssen Verdachtsfälle und Infizierte isoliert werden. Dies auch, weil das Virus sehr ansteckend zu sein scheint. Zudem ist es sinnvoll, schon jetzt eine allfällige zukünftige Bedrohungslage für das Land Liechtenstein zu analysieren. Dieser Schritt ist in die Wege geleitet», sagt Peter Gstöhl, fügt jedoch an: «Es ist momentan unmöglich, fundierte Prognosen über den weiteren Verlauf und mögliche Auswirkungen auf die Schweiz beziehungsweise Liechtenstein zu machen. Den Experten auf internationaler Ebene stehen immer noch zu wenig Informationen über das neue Virus zur Verfügung.»

Sowohl das Amt für Gesundheit als auch das Schweizer Bundesamt für Gesundheit haben eine Website eingerichtet, die laufend aktualisiert wird. «Falls es zu einer Erkrankung in Liechtenstein kommt, wird darüber aktiv informiert werden.» Zudem stehen der Bevölkerung Liechtensteins und der Schweiz die jeweiligen Hotlines des BAG für die Bevölkerung, für Reisende sowie für Ärzte zur 
Verfügung.
 


Die Info-Seiten der Ämter sind unter diesen Shortlinks erreichbar: 
http://bit.ly/corona-fl 
http://bit.ly/corona-ch

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08. Feb 2020 / 22:21
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