• Angst
    Angst kann für Menschen zu einer die Lebensqualität stark einschränkenden Belastung werden.  (martin-dm)

Wenn Angst zur Krankheit wird

Angst macht uns vorsichtig. Doch manchmal nimmt die Angst überhand. Wenn das Leben von Furcht bestimmt wird, wird es Zeit, sich Hilfe zu holen.
Vaduz. 

Es gibt keinen Menschen, der frei von Angst ist. Grundsätzlich ist Angst etwas Gutes. Seit Urzeiten hilft sie uns, Gefahren schneller zu erkennen und lebensrettende Entscheidungen zu fällen. Aber was, wenn die Angst das Leben bestimmt?

Es gibt Menschen, bei denen nimmt die Furcht ein übersteigertes Ausmass an. In einem solchen Fall spricht man von einer Angsterkrankung. Nach der Depression ist sie die zweithäufigste psychische Erkrankung. Schätzungen zufolge haben 10 bis 15 Prozent der Menschen eine Angststörung. Dabei unterscheidet man zwischen verschiedenen Formen von Störungen:

Panikstörung
Bei der Panikstörung leiden Betroffene an schweren wiederkehrenden Angstanfällen mit heftigen körperlichen und psychischen Reaktionen, wie zum Beispiel Atemnot, Zittern, Schweissausbrüche, Erstickungsgefühle, Engegefühl in der Brust, Taubheits- oder Kribbelgefühle, erhöhter oder unregelmässiger Herzschlag oder Hitzewallungen bzw. Kälteschauer.

Diese Panikattacken können wenige Minuten aber auch im Extremfall mehrere Stunden andauern. Betroffene leben oft in ständiger Angst vor der nächsten Attacke. In zwei Drittel der Fälle ist die Panikstörung mit einer Agoraphobie (Platzangst) verbunden. Panikattacken müssen aber nicht in bestimmten Situationen ausgelöst werden. Sie können auch völlig überraschend entstehen. Betroffene versuchen Situationen oder Orte zu meiden, die eine Panikattacke auslösen können. In besonders schweren Fällen verlassen sie ihr gewohntes Umfeld kaum noch. Frauen erkranken zweimal häufiger an einer Panikstörung als Männer.

Soziale Angststörung
Eine soziale Angststörung (Soziale Phobie) ist eine extreme Form der Schüchternheit. Betroffene fürchten sich vor allem vor Situationen, in denen sie von anderen beobachtet oder beurteilt werden könnten. Sie fürchten sich vor Prüfungen, davor mit Fremden zu sprechen, sich mit jemandem zu verabreden, vor Streitgesprächen, davor, Vorträge zu halten oder in einem Restaurant zu essen. Befinden sich betroffene Menschen in einer solchen Situation, leiden sie unter Erröten, Zittern, Übelkeit und vermehrtem Toilettendrang.

Generalisierte Angststörung
Menschen mit einer generalisierten Angststörung haben anhaltende Sorgen oder Ängste, die viele Lebensbereiche umfassen und sich nicht auf eine bestimmte Situation beschränken. Betroffene machen sich oft über reale Bedrohungen Sorgen, wie zum Beispiel Krankheiten oder Unfälle, die ihnen oder Verwandten zustossen könnten. Allerdings ist ihre Furcht dabei in unrealistischer Weise übersteigert. Wer an einer generalisierten Angststörung leidet, ist oft unruhig, angespannt, nervös und leidet häufig unter Schlafstörungen. Ausserdem treten immer wieder Angstsymptome auf. Allerdings nicht wie bei der Panikstörung alle gleichzeitig in Form eines Angstanfalls, sondern einzeln und über den Tag verteilt. 

Spezifische Phobien
Bei einer spezifischen Phobie wird die Angst von einzelnen Objekten oder Situationen ausgelöst, die in der Regel ungefährlich sind. Besonders häufig sind die Furcht vor Tieren, Insekten und Spinnen, Angst vor Höhen oder die Angst vor Spritzen. Bereits der Gedanke an die entsprechende Situation oder das Objekt kann bei Betroffenen Furcht verursachen. Diese kann von leichtem Unbehagen bis zur panischen Angst reichen. Den betroffenen Personen ist zwar bewusst, dass anderen Menschen dieselbe Situation nichts ausmacht und sie übertrieben reagieren, das lindert ihre Furcht jedoch nicht. Etwa 75 bis 90 Prozent der Patienten mit Tierphobien und 55 bis 70 Prozent jener mit Phobien vor Blut oder Verletzungen sind weiblich.

Zwangsstörung
Personen mit einer Angststörung versuchen häufig, dieser entgegenzuwirken, indem sie bestimme Handlungen oder Rituale durchführen. Daraus kann sich eine Zwangsstörung entwickeln. Zum Beispiel kann die Angst vor Krankheitserregern dazu führen, dass sich Betroffene ständig die Hände waschen.

Posttraumatische Belastungsstörung
Ein traumatisches Erlebnis führt dazu, dass Menschen in den Wochen nach diesem Erlebnis ihr Denken, Fühlen und Handeln verändern. Das ist eine normale Reaktion auf ein abnormales Geschehen. Werden die Symptome nach einigen Wochen nicht weniger oder verstärken sich diese noch, kann eine posttraumatische Belastungsstörung auftreten.

Von Persönlichkeit abhängig
Die Ursachen für eine generalisierte Angststörung können vielfältig und individuell unterschiedlich sein. Häufig tritt eine Angststörung zusammen mit Depressionen auf. Bei vielen Betroffenen liegen psychische Erkrankungen in der Familie. Was selbstverständlich nicht bedeutet, dass jede Person eine Angststörung entwickelt, wenn ein Familienmitglied unter einer psychischen Erkrankung leidet.

Auch belastende Ereignisse, wie zum Beispiel Probleme in Beziehungen, eine Belastung am Arbeitsplatz, der Verlust eines geliebten Menschen, eine traumatische Erfahrung oder die Veränderung der Lebensumstände können eine Angsterkrankung hervorrufen. Manche Menschen entwickeln durch den starken und andauernden Konsum von Drogen eine Störung, besonders wenn die Wirkung der Substanzen nachlässt. Ein wesentlicher Faktor spielt ausserdem die Persönlichkeit. So entwickeln Kinder, die leicht erregbar und perfektionistisch sind, wenig Selbstvertrauen haben oder alles unter Kontrolle haben möchten, im Erwachsenenalter eher eine Angststörung.

Die Ursachen einer Angststörung eindeutig festzustellen, ist oft schwierig, da meist mehrere Faktoren eine Rolle spielen.

Angst setzt Grenzen
Grundsätzlich lassen sich Angststörungen gut behandeln. Vorausgesetzt, sie werden erkannt. Betroffene nehmen jedoch ihre Angst nicht als Krankheit war. So dauert es Jahre bis zur Diagnose. Das ist fatal, denn eine schnelle Behandlung ist wichtig für den Verlauf der Krankheit: Je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto schneller ist Besserung der Angst in Sicht. Und doch nimmt mehr als die Hälfte aller Erkrankten keine Therapie in Anspruch. Das Risiko: Wenn die Angst länger andauert, verfestigt sie sich. Das kann dazu führen, dass Betroffene es irgendwann nicht mehr schaffen zu arbeiten oder auch nur das Haus zu verlassen.

Um herauszufinden, ob jemand an einer Angststörung leidet, gilt es körperliche Ursachen auszuschliessen. Denn manche Erkrankungen können mit Symptomen einer Angststörung einhergehen, wie zum Beispiel eine Schilddrüsenüberfunktion, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurologische Erkrankungen oder bestimmte Lungenerkrankungen.

Liegt kein physisches Problem vor, muss geklärt werden, wie lange und wie ausgeprägt und in welchen Situationen die Symptome schon bestehen. Um eine eindeutige Diagnose stellen zu können, ist ein ausführliches Gespräch mit einem Arzt oder Psychotherapeuten notwendig. (sms)

07. Apr 2018 / 22:28
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