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Warum Frauen neuerdings einen Aufstand wegen der Periode machen

Die Menstruation ist etwas Natürliches, aber nichts, worüber man spricht – so wurden die meisten von uns erzogen. Seit geraumer Zeit brechen jedoch immer mehr Frauen ihr Schweigen, zeigen sich sogar blutend in der Öffentlichkeit. Was steckt hinter dieser «roten Revolution»? Ist das wirklich nötig?

Es gibt bald ein «Menstruations-Emoji». Ein roter Tropfen soll die Periode der Frau in Zukunft bildlich beschreiben. So mancher mag sich nun fragen: «Ist das nötig?» Eine gute Frage. 

Wir leben im 21. Jahrhundert, in einer vermeintlich aufgeklärten Gesellschaft. Wir wissen: Die Hälfte der Weltbevölkerung blutet einmal im Monat. Das ist ganz natürlich. Natürlich scheint jedoch nicht der Umgang mit dem Thema Menstruation zu sein. Seit Generationen handhaben die Frauen ihre Monatsblutung so, dass es möglichst keiner mitbekommt – sauber und diskret. Tampons und Binden werden unter den Tischen weitergereicht und gekonnt in Ärmeln versteckt, als wären es illegale Waren. Unterleibsschmerzen werden mit Medikamenten betäubt und sollte Frau wegen ihrer Periode einmal nicht zur Arbeit kommen können, wird gern eine andere Entschuldigung vorgeschoben. Eine nicht repräsentative Umfrage in Zürich hat sogar ergeben, dass Frauen sich auf öffentlichen Toiletten zwar trauen, laut nach WC-Papier zu fragen, aber nur flüsternd nach Hygieneartikeln. Denn: Menstruieren ist peinlich, noch immer.

Doch weshalb schämen sich Frauen für ihre Periode? Immerhin ist sie ein natürlicher Teil des Kreislaufs des Lebens. 

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Quer durchs Büro mitteilen, dass man schnell aufs WC muss – kein Problem. Fällt aber der Kollegin ein Tampon aus der Tasche, ist es peinlich. Warum? Input zeigt, wie ein entspannter und aufgeklärter Umgang mit der Menstruation aussieht. Denn ohne Mens kein Mensch.

Der Fluch der Menstruation
Über Jahrhunderte wurden Frauen aufgrund ihrer Blutung von den verschiedensten Religionen und Traditionen stigmatisiert. In allen drei Weltreligionen wird die Menstruation auf die Verfehlung Evas zurückgeführt. Dementsprechend galten die Frauen während dieser Zeit als unrein und wurden von der religiösen Gemeinschaft ausgeschlossen. Praktisch in allen Gesellschaften sind Gebote, Riten und Praktiken rund um die Menstruation und den Umgang mit der Frau bekannt. Diese betreffen das Betreten heiliger Orte, das Berühren bestimmter Objekte, das Herstellen und Essen bestimmter Speisen und den Geschlechtsverkehr während der Blutung. In vielen Kulturen verbringen die Frauen diese Zeit an bestimmten Plätzen. Sogenannte Menstruationshütten oder -zelte sind sogar heute noch bei traditionellen Gesellschaften in Afrika, Amerika und Asien gang und gäbe. 

Es gibt jedoch auch Kulturen, in denen die Monatsblutung heilig ist. Die Menarche, die erste Blutung, der Übergang vom Mädchen zur Frau, wird mit einem Fest gefeiert. Die jungen Frauen werden dabei rituell in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen. Bei den Yurok-Indianern zum Beispiel wird die Menstruation als die grösste Kraft der Frau angesehen. Ihre ganze Energie verwendet sie während dieser Zeit für konzentrierte Meditation und spirituelle Entwicklung.

Beginn einer «roten Revolution»
Im Umgang mit der Menstruation sind uns die Urvölker also weit voraus – nach wie vor. Denn Bilder von fliessendem Blut passen auch heute nicht in unser Weltbild. Wir leben in einer Gesellschaft der Selbstoptimierung und Selbstdarstellung, in der in sozialen Netzwerken Fotos von durchtrainierten, haarlosen und sauberen Körpern geteilt werden. In einer Welt, in der Hüftgold und Haare an der falschen Stelle zu Shit-storms führen, haben Bilder von blutenden Frauen keinen Platz. Dementsprechend sorgte ein Foto der Künstlerin Rupi Kaur für Aufsehen, das sie 2015 auf Instagram veröffentlichte: Ein Selbstporträt von ihr auf dem Bett, völlig bekleidet mit einem Blutfleck auf Hose und Laken. Nachdem einige User das Foto als unangemessen meldeten, wurde es von der Internet-Plattform gelöscht. Rupi Kaur kritisierte die Zensur von Instagram, Twitter und Facebook scharf und warf ihnen Doppelmoral vor: Fotos von halbnackten Frauen in sexy Posen werden geduldet, solange sie einem gängigen Frauenbild entsprechen. Die Darstellung eines Frauenbilds abseits dieser sexualisierten Ideologie wird jedoch zensiert.  

Zur selben Zeit machte auch Feministin Kiran Gandhi die Menstruation zum Thema, als sie in London einen Marathon während ihrer Periode lief und das Blut dabei frei fliessen liess – sichtbar für die Öffentlichkeit.

Von den einen gefeiert, von den anderen verabscheut
In den letzten Jahren entwickelt sich unter jungen Frauen ein Menstruationsstolz. Sie sprechen offen über ihre Monatsblutung und scheuen sich nicht davor, diese zu zeigen. Für ihren Mut und ihre Offenheit werden sie gefeiert, aber auch hart kritisiert und beschumpfen. Kaum ein anderes Thema sorgt auf sozialen Netzwerken für so kontroverse Diskussionen. Kulturelle und sozialisierte Ängste und Schamgefühle lassen sich nicht von heute auf morgen auflösen. Das braucht Zeit. Und Mut. Mut, offen über die Menstruation zu sprechen. Ein Blutstropfen-Emoji soll dabei helfen. Denn das ist nötig. (sms)

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17. Feb 2019 / 00:00
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