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Statement Frisur

Unsere Haare sind Körperschmuck und Statussymbol, Zeichen religiöser Zugehörigkeit oder gesellschaftlicher Abgrenzung, Ausdruck unserer Persönlichkeit und unserer Kultur – daran hat sich im Laufe der Jahrtausende nichts geändert.

Sie sind ein letztes Überbleibsel unser tierischen Vorfahren: unsere Haare. Zu ihnen haben wir seit jeher ein besonderes Verhältnis. Sie gelten als Körperschmuck, Ausdruck unserer Persönlichkeit und Statussymbol. In fast allen Kulturen dienen die Haare zur Markierung von Geschlecht und sozialem Status. Sie sind äussere, auf einen Blick wahrnehmbare Merkmale, die eng mit dem gesellschaftlichen Werte- und Normsystem verbunden sind. Bei Frauen sind sie ein Zeichen für Sexualität und Weiblichkeit. Bei den Männern repräsentieren die Haare hingegen körperliche Stärke, sogar in der Bibel. Dort sind die langen Haare von Samson dem Starken seine geheime Quelle der Kraft.

Schon die Ägypter waren eitel
Schöne Haare gelten als Geschenk der Natur, ebenso wie schöne Körper. Trotzdem gilt die Körperbe-
haarung als «animalischer Rest», als zivilisatorischer Fremdkörper, den es zu bändigen gilt. Schon im alten Ägypten, rund 3000 Jahre vor Christus, pflegten die Menschen ihr Haupthaar mit Messern, Kämmen und Haarnadeln. Besonders in den höheren Kasten legte man Wert auf einen prachtvollen Kopfschmuck. So wurde viel Zeit und Aufwand in die Haarpracht investiert. Schon damals wurden die Haare gefärbt und sogar Perücken angefertigt. 

Im alten Griechenland (ca. 1500 vor Christus) war ein gutes und gepflegtes Aussehen sogar so wichtig, dass eigens ein Tribunal errichtet wurde, um über Angelegenheiten des äusseren Erscheinungsbildes zu entscheiden. Frauen, die in der Öffentlichkeit eine unordentliche Frisur trugen, mussten Geldstrafen bezahlen.  So handelte es sich bei den kompliziert aussehenden Hochsteckfrisuren mit langen wallenden Locken meist um Perücken. Jene aus echtem Haar konnte sich nur der Adel leisten. Die ärmeren Leute trugen hingegen Perücken aus Schafwolle. 

Im römischen Reich (800 vor Christus bis 700 nach Christus) waren die edlen Damen von den blonden Haaren ihrer germanischen Sklavinnen fasziniert. Oft wurden ihnen die Haare abgeschnitten und zu Perücken verarbeitet. Damals wurde auch gern gefärbt. Am liebsten blond oder schwarz. Um eine tiefschwarze Haarfarbe zu erzielen, wurden verweste Blutegel verwendet, die 60 Tage in einem verschlossenen Gefäss in Wein und Essig eingelegt waren. Das Färbemittel für blonde Haare wurde mittels Ziegenfett und Birkenasche hergestellt. Ausserdem liessen sich reiche Römerinnen ihren Kopfschmuck gern mit Goldstaub aufhellen und die Frisuren wurden mit allerlei Schmuck ergänzt.

Die Gefahr roter Haare
Zu beginn des zweiten Jahrtausends (Romanik) trugen die adligen Damen und Herren ihr Haupthaar gern in offenen Locken. Die gewöhnlichen Bürger trugen ihre Haare indes als kurze oder halblange Pagenfrisur. Nur wenig später, im Zeitalter der Gotik (1140 bis 1500), schrieb die Kirche vor, dass verheiratete Frauen ihr Haar in der Öffentlichkeit nicht mehr zeigen durften. Sie trugen daher Hüte, Hauben und teilweise sogar Schleier. Damals galt eine hohe Stirn als besonders schön, weshalb sich die edlen Damen den Haaransatz gern rasierten. 

Rothaarige mussten ab dem 15. Jahrhundert um ihr Leben fürchten. Sie galten als Hexen und wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Daher wurde versucht, rotes Haar unter allen Umständen zu verstecken. Da man zu der Zeit keine Färbemittel kannte, wurden gesalzene rote Schnecken zu einer Paste verarbeitet und auf das Haar gegeben. 

In der Renaissance wurden die Frisuren phantasievoller. Besonders blondes und goldenes Haar war wieder in Mode. Und die Frisuren wurden wieder mit Bändern und Edelsteinen geschmückt. In der Barock-Zeit (bis 1700) wurden die Haare bevorzugt nach hinten und oben frisiert. Damit die Frisur nicht zusammen fiel, wurden die Locken auf einem Drahtgestell befestigt. Der Aufbau dieser Hochsteckfrisuren war äusserst aufwendig. Dadurch wurden die Damen gern einmal 60 Zentimeter grösser. Und damit auch jeder die pompöse Frisur bewundern konnte, wurden die reichen Adelsfrauen von einem Pagen begleitet, der eine Kerze neben ihnen her trug – und des Öfteren das Haar seiner Herrin in Brand setzte. 

Bei den Herren waren zu der Zeit Lockenköpfe und Spitzbärte in Mode. Damals liess der französische König Ludwig XIII. eine Lockenperücke anfertigen, um sein kahles Haupt zu verstecken. Perücken waren überhaupt sehr angesagt. Sogar die französische Armee führte welche ein. 

Bartverbot eingeführt
Während der Biedermeier-Zeit (1790 bis 1890) verschwanden die Perücken. Die Damen trugen vermehrt Zierkämme, Diademe, Hauben und Seidenbänder und mussten oft eine Kopfbedeckung tragen. Später wurden die Haare am Hinterkopf zu einem breiten Knoten aufgesteckt. Seitlich am Kopf trugen die Frauen damals gern Lockengebilde, welche die Ohren fast völlig bedeckten. Bei den Herren war zu dieser Zeit ein in die Stirn gekämmtes Haar mit ausgeprägten Koteletten in Mode. Das Tragen von Bärten wurde ebenfalls beliebt, was jedoch darin gipfelte, dass 1846 ein Bartverbot für preussische Referendare und Postbeamte ausgesprochen wurde.

In der Zeit des Jugendstils sorgte die österreichische Kaiserin Elisabeth (Sisi) mit ihren langen mit Blüten geschmückten Haaren für Schlagzeilen. Ansonsten setzten sich mehrheitlich französische Frisuren durch, deren Kennzeichen der Mittelscheitel war. Ein Jahrzehnt später war Natürlichkeit angesagt. Die «richtige» Haarfarbe gewann an Gewicht, wobei rotes Haar als ordinär galt, vor allem rot gefärbtes Haar. 

Ein Zeichen der Rebellion
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam erstmals der Pagenschnitt in Mode. Später erleichterten technische Hilfsmittel wie Fön, Haarschneidemaschinen und Trockenhauben die Arbeit der Friseure. Während der Kriegszeit wurden vor allem Haarnetze und Kopftücher getragen. Danach trugen die Frauen gern halblange und natürlich schwingende Frisuren. Während der 50er-Jahre wurden gern Frisuren von Filmschauspielern und Prominenten nachgeahmt. Vor allem der Haarstil von Elvis Presley war bei den Männern beliebt. In den 60er-Jahren entwickelte sich die kulturelle Bewegung der Hippies, die gegen Werte, Moral und Ethik der vorigen Generationen protestierte. Langes ungebändigtes Haar war ein Zeichen der Rebellion. Selbst Männer liessen ihre Haare wieder wachsen.

Mittlerweile wechselt der Frisurentrend fast jährlich. Wobei dieser nach wie vor in auffallender Regelmässigkeit zwischen schlichter Natürlichkeit und extremer Künstlichkeit wechselt, zwischen ungebändigter Freiheit und zivilisierter Angepasstheit. 

Abkehr von der Gesellschaft
Auch in der Religion spielt das Haar eine grosse Rolle, denn Haare versinnbildlichen körperliche und spirituelle Kraft und sind ein Symbol von gesellschaftlichem Status. In der biblischen Geschichte von Samson sind seine Haare nicht nur Quelle seiner Kraft, sondern auch die Verbindung zu Gott. In vielen Kulturen bedeutet das Abschneiden der Haare daher den Verlust von gesellschaftlichem Ansehen. So wurde Frauen in der Geschichte auch oft die Haare geschnitten, wenn sie Ehebruch begingen, um sie öffentlich zu demütigen.
Doch auch Priester und Gläubige rasieren sich schon seit Jahrtausenden den Schädel, um sich bewusst von weltlichen Dingen zu distanzieren. Im Buddhismus ebenso wie im Christentum sind das Tragen einer einfachen Robe und das Abrasieren der Haare Symbole für den Bruch mit der Gesellschaft und als Zeichen der Zusammengehörigkeit der Mönchsgemeinschaft. 

Andererseits gibt es auch Religionen, bei denen ein üppiger Bart und lange Haare Gläubigkeit symbolisieren. Meist werden diese unter einem Kopftuch oder Turban versteckt. Interessant ist, dass eine Glatze und langes Haar in den verschiedenen Religionen oft dieselbe Bedeutung haben. (sms)

06. Mai 2018 / 00:00
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