• Martina Bocek  (pd)

Sorgfältiger Umgang mit Geld

Martina Bocek ist Schulden- und Budgetberaterin bei der Beratungsstelle der Hand in Hand Anstalt in Triesen. Die Diplom-Bankfachwirtin weiss: Vieles, was früher bar bezahlt wurde, wird heute in Raten beglichen – oft eine (zu) starke Belastung für das Konto.

Frau Bocek, klingelt bei Ihnen im Januar das Telefon besonders oft?
Martina Bocek: Die Beratungsanfragen sind über das ganze Jahr verteilt in der Häufigkeit unterschiedlich. Dass der Januar nicht besonders hervorsticht, liegt wohl daran, dass vermehrt Rechnungskauf, Ratenzahlungsoptionen und Kreditkartennutzung für den Konsum eingesetzt werden. Früher fehlte das Geld im Januar in der Geldbörse, heute ist die Kreditkartenrechnung höher bzw. die Anzahl der offenen Rechnungen wegen der Weihnachtseinkäufe und dem verlockenden «Black Friday» grösser. Bis es hier einen finanziellen Engpass gibt, vergehen oft noch ein paar Wochen.

Wie gehen Sie bei einer Budgetberatung vor? Raten Sie, Geld anzusparen, um eben für den Januar finanziell gerüstet zu sein?
Die Budgetberatung ist individuell auf die jeweilige Person und deren Situation zugeschnitten. Sicher ist es gut, wenn regelmässig gespart werden kann. Doch in erster Linie helfen wir dabei, ein ausgeglichenes Budget zu erreichen und die Klienten zu regelmässigen Rückzahlungen anzuleiten, um die Schulden zu verringern. Das Ansparen über Rücklagenbildung ist aber sicher eines der Ziele unserer Beratung.

Sind Jugendliche, deren Eltern verschuldet sind, gefährdeter, selbst in die Schuldenfalle zu geraten?
Es kommt ganz darauf an, wie die Eltern den Jugendlichen den Umgang mit Geld vorleben. Wenn eine Familie beispielsweise unverschuldet in finanzielle Schwierigkeiten gerät, es dann aber schafft, über einen Rückzahlungsplan diese Schulden sukzessive zu tilgen, muss sich dies nicht negativ auf eine eventuelle Gefährdung der Jugendlichen in diesem Haushalt auswirken. Im Gegenteil. Wenn die Eltern die Situation offen schildern und aufzeigen, wie sie eine Verbesserung herbeiführen, lernen Jugendliche schnell, dass Geld nicht so einfach unbegrenzt verfügbar ist für den Konsum. Wichtig ist hier ein guter Familienzusammenhalt. Anders ist es zu sehen, wenn Eltern, ohne auf das Budget zu schauen, konsumieren und bereits Inkassobüros eingeschaltet sind. Hier besteht die Gefahr, dass Jugendliche negative Erfahrungen sammeln, das Gefühl bekommen, «man käme da sowieso nicht mehr raus» und das Verhaltensmuster der Eltern übernehmen.

Im besten Fall lernt man den gesunden Umgang mit Geld bereits im Elternhaus. Was halten Sie von einem Schulfach «Finanzen»?
Ich sehe es als wichtig an, dass es nach wie vor in der Verantwortung der Eltern liegen sollte, den Kindern einen sorgfältigen Umgang mit Geld zu vermitteln. Da es aber in den Familien unterschiedlich läuft und beispielsweise das Thema Kostgeld scheinbar in Vergessenheit geraten ist, sollte das Thema auch im Schullehrplan berücksichtigt und von der Lehrperson im Unterricht aufgegriffen werden. Fragen wie «Wie fülle ich eine Steuererklärung aus?», «Wie beantrage ich Mietbeiträge?» oder «Wie stelle ich einen Antrag auf Prämienverbilligung?» könnten mit den Schülern im Rahmen des Unterrichts besprochen und diskutiert werden. Wenn sich die Schüler intensiv damit befassen, lernen sie fürs Leben.

Damit Finanzielles nach Plan läuft und Flüssiges zur Hand ist, hilft es, ein Haushaltsbudget zu erstellen. Vielen ist das zu aufwendig.
Es gibt mittlerweile zahlreiche Apps, welche eine «moderne» Budgetplanung erlauben. Doch das regelmässige Sammeln der Rechnungen und Quittungen sowie das handschriftliche Festhalten der Ausgaben bringt auch Vorteile mit sich. Einerseits beschäftigt man sich intensiver mit seinem Ausgabeverhalten und kann es so einfacher steuern. Andererseits hat man – sofern man alle Belege, Rechnungen und Quittungen regelmässig in einem Ordner ablegt – eine gute Übersicht und damit benötigte Dokumente für Ämtergänge und im Garantiefall schnell zur Hand.

Wohnen, Krankenkasse, Verpflegung, Versicherungen, Auto, Kleidung, Urlaub, Handy. Welche Posten sind die Knackpunkte?
Sicher sind Miete und Krankenkassenprämien wohl die grössten Ausgabeposten. Da aber vieles, was früher bar oder eben komplett bezahlt wurde, nun über Raten bezahlt wird, kommt in Summe zusätzlich monatlich oft noch ein hoher Betrag zusammen, welcher das Budget stark belasten kann, obwohl die einzelnen Raten zum Teil nicht so hoch sind.

Kleinkredite sind verlockend und leicht zu bekommen. Wie überzeugen Sie jemanden, darauf zu verzichten?
Eine gezielte Umschuldung über einen Kredit kann durchaus Sinn ergeben, wenn in der Folge keine weiteren Ratenverpflichtungen eingegangen werden und die Kreditsumme sukzessive und in überschaubarer Zeit zurückbezahlt wird. Wenn mit einem Kleinkredit aber nur «ein Loch gestopft wird» und neue Schulden gemacht werden, kann dies der Beginn einer Schuldenspirale sein, die belastet und zu immer mehr Schulden führt.

In Liechtenstein ist eine zunehmende Verschuldung der 25- bis 45-Jährigen festzustellen. Worauf führen Sie dies zurück?
Solange noch kein eigenes Einkommen vorhanden ist, werden offene Rechnungen oftmals über die Eltern bezahlt. In der Altersgruppe 25 bis 45 Jahre haben dann häufig andere Prioritäten Vorrang, sodass es durch die veränderten Lebensbedingungen kaum Raum zum Sparen gibt. Heirat, Kinder, Scheidung, Arbeitslosigkeit, dabei oftmals veränderte Konsum-gewohnheiten und zum Teil auch ein erhöhtes Anspruchsdenken – in dieser Lebensphase gibt es oft Veränderungen, die einhergehen mit höheren finanziellen Ausgaben bzw. geringeren Einnahmen. Ich glaube, je älter man wird, desto besonnener wird man oft auch im Umgang mit Geld, da andere Dinge an Priorität gewinnen.

Ihr Tipp, um dem Januarloch in der Kassa vorzubeugen?
Sich Fragen stellen wie: Muss ich den Artikel wirklich kaufen? Was bringt es mir, wenn ich diesen Artikel jetzt besitze? Sollte ich nicht besser eine Nacht darüber schlafen? Kann ich mir das überhaupt leisten? Und wenn ja: Macht es mir nicht mehr Freude, den Geldbetrag zur Seite zu legen, um mir später einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen? Mein Tipp an die Klimajugend: Das neueste Handy, die neuesten Kleider, möglichst oft und weit fliegen – all diese Wünsche belasten nicht nur das Budget, sondern auch die Umwelt. Vielleicht fällt so der Verzicht leichter. (ge)

11. Jan 2020 / 21:20
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Bauen und Wohnen Mai 2020
Zu gewinnen einen Gaskugel-Grill Chelsea 480 G der Marke ­Outdoorchef im Wert von 399 Franken von ­Eisenwaren Oehri AG in Vaduz.
07.05.2020
Facebook
Top