• Bubble gum stuck to the shoe
    Etwa 100 Kaugummis kauft jeder von uns jährlich. 15 Prozent haben täglich oder mehrmals pro Woche den beliebten Gummi im Mund.  (photoschmidt)

Seit 150 Jahren in aller Munde

Schon vor Tausenden von Jahren haben die Menschen ihren Kautrieb mit Harz befriedigt. Heute wird vorwiegend auf Plastik herumgekaut – für den Kautrieb, weissere Zähne und gegen schlechte Angewohnheiten.

Eigentlich ist es völlig unsinnig, eine blöde Angewohnheit, wie Nägelkauen oder Rauchen – trotzdem kauen wir gern Kaugummi. Die Schweizer schwören dabei auf zuckerfreie Varianten in den Geschmacksrichtungen Pfefferminze, grüne Minze und Wildkirsche. Gern auch mit Bleicheffekt für schöne Zähne. Aber auch der klassische Bubble Gum ist nach wie vor beliebt – es gibt eben keinen besseren Kaugummi, um Blasen zu machen. Der Weltrekord liegt übrigens bei 58,4 Zentimeter Durchmesser. Die Kaugummiblase wurde von Susan Montgomery Williams aus Kalifornien geblasen. Sie ist seit Jahren die unbezwungene Rekordhalte-
rin in der Disziplin «grösste Kaugummiblase». Und wie es sich für einen Rekordversuch in einer ernsthaften Sportart gehört, gibt es auch beim Kaugummiblasen strenge Regeln. So ist vorgeschrieben, dass maximal drei handelsübliche Kaugummis verwendet werden dürfen.

Rund 100 Kaugummis werden jedes Jahr pro Person gekauft. Laut einer deutschen Umfrage zur Häufigkeit des Konsums von Kaugummi  finden es zwei Drittel der Befragten angenehm, etwas im Mund zu haben. Etwa 15 Prozent kauen täglich oder mehrmals pro Woche. Und das nicht erst seit gestern. 

Über 9000 Jahre alt
Die klebrige Masse, so wie wir sie kennen, feierte am 27. Juli ihren 150. Geburtstag. 1869 meldete Amos Tyler in den USA ein Patent für seine «verbesserte Kaugummi-Verbindung» an. Im grossen Stil verkauft hat er seine Kaumasse nicht. Er war auch nicht der Erfinder des Kaugummis. Gekaut haben die Menschen nämlich schon immer gern. Der älteste bekannte Vorläufer des Kaugummis ist über 9000 Jahre alt. Damals kaute man auf Birkenharz herum. Vermutlich um den Kautrieb zu befriedigen. Im alten Ägypten kauten vor allem Frauen eine Mischung aus Melone, Weihrauch und Myrrhe und die Griechen bevorzugten das Harz des Mastixbaumes, das auch im osmanischen Reich beliebt war und noch heute in Lokum, im deutschsprachigen Raum auch als «türkischer Honig» bekannt, verwendet wird. 

Auch die Indianer in Nordamerika kauten gern. Sie mochten vor allem das Harz von Fichten. Dieses Harz verwendete der erste Kaugummifabrikant John B. Curtis 1848 als Grundstoff für seinen Kaugummi. Knapp 10 Jahre später kam Thomas Adams, ein Erfinder und Fotograf aus New York, auf die Idee, Chicle als Grundstoff zu verwenden. Auf dem gummiartigen Milchsaft des Breiapfelbaums kauten schon die Indios gern herum. Der geschmacklose Kaugummi von Adams wurde anfangs noch in Form von kleinen Kugeln in einem Drugstore in New Jersey verkauft. Als der Verkauf auf die gesamte Ostküste ausgeweitet wurde, wurde die Masse in langen Streifen verkauft, von denen die Händler Stücke für einen Penny abbrechen konnten. Den ersten aromatisierten Kaugummi gab es 1957.  John Colgan aus Kentucky kam auf die Idee und verwendete dafür einen medizinischen Balsam, der gegen Husten wirkte. Der erste Pfefferminzkaugummi wurde 1880 produziert. Seither sind immer mehr Geschmacksrichtungen dazugekommen. Der Pfefferminzkaugummi ist und bleibt jedoch immer noch die beliebteste. 

Wir kauen Plastik

Über die Jahrzehnte hat sich die Zusammensetzung des Kaugummis verändert. Heute dienen hauptsächlich synthetische Substanzen als Grundstoff für die Kaumasse. Denn für die grossen Produktionsmengen reichen natürliche Erzeugnisse wie Chicle oder Mastix lange nicht mehr aus. Heute werden vorwiegend Kunststoffe wie Polyisobutylen oder Polyvinylacetat als Grundmasse verwendet. Ähnliche Substanzen werden verwendet, um Klebstoffe oder Gummierzeugnisse herzustellen. Neben Zucker besteht der Kaugummi ausserdem aus Füllstoffen, wie zum Beispiel Aluminiumoxid, Kieselsäure oder Cellulose, sowie Weichmachern, Feuchthaltemitteln, Antioxidantien, Aromen, Säuren, Farbstoffe und Emulgatoren. Kurz: Wir kauen auf aromatisiertem Plastik herum. 

Da Kunststoffe aufgrund der Weichmacher aus der Gruppe der Phthalate im Verdacht stehen, gesundheitsschädlich zu sein, stellt sich auch beim Kaugummi unweigerlich die Frage, ob er überhaupt gesund ist. Eine Studie für das österreichische Umweltbundesamt hat die Konzentration von Abbau-
produkten von Phthalaten im Harn von Probanden gemessen und deren Ernährungsgewohnheiten untersucht. Tatsächlich wurde bei jenen Verbrauchern, die regelmässig Kaugummi kauten, eine höhere Konzentration der Abbauprodukte gemessen. Erhöht waren diese Werte jedoch auch bei jenen Probanden, die regelmässig Make-up, Haarfärbemittel oder Haarschaum benutzen oder aus PET-Flaschen trinken. Weitere Studien konnten keine schädliche Wirkung von Polyvinylacetat oder Butylkautschuk nachweisen. Die in Kaugummi verwendeten Mengen der möglicherweise schädlichen Stoffe sind demnach viel zu gering, um für den Menschen schädlich zu sein. Trotzdem darf man, was einige Inhaltsstoffe der Kaumassen angeht, skeptisch sein. 

Vielseitiger Kaugummi
Die Inhaltsstoffe machen den Kaugummi auch in seiner Verwendung vielfältig. Neben dem herkömlichen Kaugummi und dem Bubble Gum gibt es welche für die Zahnpflege, die, ähnlich wie Zahnpasta, Mineralien enthalten, welche die Regeneration der Zähne unterstützen. Einige davon sollen mit Mikrogranulaten, also durch Schleifen, Verfärbungen der Zähne vermindern. Ausserdem bekämpft Kaugummi geruchs-
bildende Bakterien. Allerdings sollte das Kaugummikauen die Mundhygiene nicht ersetzen – aber das versteht sich wohl von selbst. 

Mit Nikotin versetzte Kaugummis sollen helfen, mit dem Rauchen aufzuhören. Das sind übrigens keine Kaugummis im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr Depots, die in einer Backentasche bleiben sollen. Nur wenn die Wirkstofffreisetzung nachlässt, soll kurz gekaut werden. Ähnlich funktionieren auch Kaugummis gegen Übelkeit. Diese sind mit einem Wirkstoff versetzt, der gegen Reisekrankheit helfen soll. Für Autofahrer sind sie jedoch oft ungeeignet, da sie die Reaktionsfähigkeit einschränken können. Übrigens hilft Kaugummikauen allgemein bei Flugreisen. Durch das Kauen wird die Ohrtrompete bewegt, was beim Druckausgleich hilft. 

Kaugummikauen hat also so manche Vorteile. Doch vor einem übermässigen Verzehr wird abgeraten. Denn die Zuckeraustauschstoffe in zuckerfreiem Kaugummi können Durchfall oder Verstopfung auslösen. (sms)

11. Aug 2019 / 00:00
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