• Hanffeld, Eschen
    Hanfernte im Sommer 2018 in Eschen.  (Tatjana Schnalzger)

Rückkehr einer Wunderpflanze

Der Hanf erlebt eine Blütezeit und das ganz legal: Mit einem THC-Gehalt von unter einem Prozent soll er wieder zu einem alltäglichen Lebensmittel werden.

Bis in den 50er-Jahren war Cannabis, dessen Gesetzgebung sich diesbezüglich an der Schweiz orientiert, in der Schweiz und Liechtenstein legal und fand in verschiedenen Bereichen seine Anwendung. Die berauschende Wirkung war durchaus bekannt, doch fand das Kraut regen Gebrauch in der Medizin, wie beispielsweise bei Verbrennungen und Wunden. Die Blütezeit erlebte der Hanf bereits im 19. Jahrhundert: Produkte wie Öl, Kleider, Papier, sogar Süssigkeiten und vieles mehr entstand aus dieser Pflanze. 1951 fiel das Kraut endgültig wegen seiner psychosomatischen Wirkung unter das Betäubungsmittelgesetz und galt ab da als illegal und erhielt das Image einer Droge, das lange an ihm haften blieb. Jedoch fällt Hanf erst ab einem THC-Gehalt (Tetrahydrocannabinol ist eine psychoaktive Substanz) von einem Prozent und mehr unter das Betäubungsmittelgesetz. Darum darf der Hanf ganz legal unter bestimmten Bedingungen in den Schweizer Handel.

Zurück in die Küche

Die Pflanze erlebte 2017 einen regelrechten Boom – ihr Ruf erhielt eine Komplettsanierung. Das zeigten unter anderem die Neugründungen von Firmen: Die meisten davon beschäftigten sich 2017 mit Hanf oder seinen Produkten. 2017 ging ebenfalls die Firma Alpen Pionier AG in Tschiertschen an den Start. Sie wird vom Ideenkanal gefördert. Das Start-up befindet such auf der Suche nach Landwirten, die Hanf anpflanzen. Die Alpen Pioniere unterstützen sie beim Ackerbau und stellen Produkte aus der Pflanze her. Dazu gehören etwa Hanföl, Hanfnüsse, Seife, Pasta und vieles mehr. Als Ziel legten sich die Alpen Pioniere fest, die Hanfpflanze wieder zurück in die Schweizer und Liechtensteiner Küche zu bringen.

Die Nachfrage war gleich zu Beginn so hoch, dass die Alpen Pioniere ihre Anbaufläche im Folgejahr nach ihrer Gründung vervierfachen konnten. Gemäss Emanuel Schütt, Agrar Dirigent der Alpen Pionier, plant das Unternehmen 2019, rund 50 bis 60 Hektaren Hanf anzupflanzen. «Im Mai und Juni wird gesät. Nach 100 Tagen kann die Pflanze geerntet werden», erklärt er. Dank der hohen Nachfrage ist es Alpen Pionier möglich, neue Produkte auf den Markt zu bringen. «Diesen Frühling versuchen wir es mit einem Hanfbier und Hanfriegel», berichtet Emanuel Schütt. Das Potenzial, um höher hinaus zu gehen, sei durchaus vorhanden.

In der Region pflanzen Landwirte in Grabs, Bad Ragaz und Liechtenstein Lebensmittelhanf an. In Liechtenstein ist aus den Aktivitäten der Arbeitsgruppe Bioackerbau – unter der Leitung der Bioberatung Liechtenstein – der Hanfanbau im Land entstanden. 2018 haben fünf Biolandwirte auf etwa 13 Hektar Land Lebensmittelhanf angebaut. Einer von den Landwirten, der sich auf das Abenteuer Hanf eingelassen hat, ist Andreas Näscher aus Eschen. Er selbst hat zwischen zwei bis vier Hektaren Land für den Hanfanbau zur Verfügung.

In Zusammenarbeit mit der Bioberatung wird derzeit der Anbau 2019 geplant. «Es ist mir sehr wichtig, dass der Anbau dieser vielseitig nutzbaren Kulturpflanze in Liechtenstein weiter ausgedehnt wird», betont Andreas Näscher. Weitere Biolandwirte zeigen Interesse am Hanfanbau. Er ist begeistert von der Hanfpflanze, welche sich optimal in die Fruchtfolge des Betriebes integrieren lässt und die Durchwurzelung und den Humusaufbau der Böden fördert. Als Biobauer beschränkt sich die Arbeit von Andreas Näscher auf das Sähen und Ernten. In der Zwischenzeit lässt er die Pflanze gedeihen. «Ab diesem Jahr gibt es das Saatgut sogar in der Landi zu kaufen», freut sich der Bio-Landwirt über die Entwicklung. 

Auf seinem Hof verkauft Andreas Näscher Biohanföl. Hauptsächlich kaufen Liechtensteiner bei ihm ein. «Für einen Liter Hanföl benötigt man drei bis vier Kilogramm Hanf. Die Produktion ist aufwendig und kostspielig», erzählt er. Weitere Produkte befinden sich noch in der Testphase. «Wir möchten ein Hanf- Knäckebrot auf den Markt bringen sowie einen Brotaufstrich und die ersten Erfahrungen mit dem Hanftee vertiefen. Doch brauchen diese Ideen noch etwas Zeit zum Reifen.» Im Frühling geht er dann mit seinen Produkten auf verschiedene Märkte im Land. 

Ernten von Hand

Eine der offenen Fragen, die es noch zu klären gilt, ist die Ernte. Für einige Hanf-Produkte wie zum Beispiel Tee waren bei der Ernte 2018 noch nicht die richtigen Maschinen vorhanden. Da nutzte Andreas Näscher ein Gerät, das in der Regel für Mäharbeiten von Grünflächen zum Einsatz kommt. Zudem wurde einiges von Hand geerntet. Die Hanfsorte für die Nussgewinnung (zur Ölproduktion) kann mit einem Mähdrescher geerntet werden. Das Erntegut wird von der Firma Alpen Pionier AG gesammelt, getrocknet und weiterverarbeitet. 

Der Verkauf der Hanfprodukte erfolgt online, in Bioläden oder auf diversen Märkten. «Der Anbau von neuen Kulturen bringt für die Biolandwirtschaft Chancen. Der Biomarkt entwickelt sich ständig weiter und es werden laufend neue Produkte angeboten. Deshalb ist es wichtig, dass man die Markttrends frühzeitig erkennt, die Produktion darauf vorbereitet und das dazu notwendige Wissen aufbaut. Neue Absatzmöglichkeiten und Produkte bieten für Landwirte mehr Umsatz und eine Verbesserung des Einkommens», ist Bioberater Florian Bernardi überzeugt. (ms)

10. Feb 2019 / 00:00
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