• crucifix, jesus on the cross in church with ray of light from stained glass
    Für viele Christen ist es heute kein Problem mehr, an Gott und Talismane wie auch Amulette zugleich zu glauben.  (thanasus)

Kein Schwarz-Weiss-Denken mehr

Im 15. Jahrhundert bezeichnete die Kirche andersgläubige Menschen abwertend als «abergläubisch». Später wurden auch Kritiker und Ketzer so bezeichnet und auf die gleiche Ebene gestellt wie angebliche Hexen und Zauberer. Diese Zeiten sind heute vorbei, der Aberglaube ist im Christentum aber noch immer vorhanden.

I m Mittelalter verwendete die Kirche den Begriff Aberglaube hauptsächlich, um diejenigen Menschen schlecht zu reden, die sich an einer anderen Glaubensrichtung als dem Christentum orientierten. Meist wurden Menschen dann als abergläubisch bezeichnet, wenn ihr Lebensstil als nicht glaubenskonform galt, als ketzerisch oder heidnisch angesehen wurde. Als dann die Wissenschaften über die Natur und das Leben in der Neuzeit verbreitet wurden, galten diese Menschen in den Augen der Kirche ebenfalls als abergläubisch und wurden in denselben Topf geworfen wie vermeintliche Hexen und Zauberer. Zudem glaubten die Menschen im Mittelalter, von höheren Kräften umgeben zu sein, da sie die komplexen Vorgänge in der Natur wie beispielsweise das Wetter, die Jahreszeiten oder Gezeiten nicht erklären konnten. Folglich holten sich die Menschen die Erklärung in einer übernatürlichen Macht. Um sich vor Unwetter zu schützen, trugen sie Amulette. Sobald einem ein vermeintliches Zeichen des Todes ­begegnete, suchte man einen geweihten Ort, um die bösen Geister zu besänftigen und Blitze galten als göttliche Strafe für ein Vergehen.

Deutungshoheit verloren

Diese Zeiten sind längst vorbei. Doch der Aberglaube ist zwar in einer etwas anderen Form geblieben. Denn noch heute gibt es im Christentum Ansichten, die man dem Aberglauben zuordnen kann. «Als Pfarrer werde ich beispielsweise immer wieder fürs Wetter ­mitverantwortlich gemacht und gebeten, ich möge doch ein gutes Wort bei Petrus einlegen», erzählt Patrick Siegfried, Pfarrer der evangelischen Kirche Buchs. Im Gegensatz zu früher verlor die Kirche seiner Ansicht nach ihre Deutungshoheit für die spirituelle Orientierung. Das stellt die Kirche vor neue Herausforderungen. «Sie befindet sich in einem Markt der religiösen Angebote, in denen sich die Menschen an Riten oder Praktiken orientieren, die ihnen den Umgang mit der riesigen Kluft zwischen Denken und Glauben erleichtern. Die Kirche ist wie selten gefordert, den Menschen auf ihrer Suche nach hilfreicher Spiritualität beizustehen», führt Patrick Siegfried aus. 

Eine Zusatzversicherung

Für viele Christen ist es heute kein Problem mehr, an Gott zu glauben und zusätzlich einen Glücksbringer wie einen Talisman oder ein Amulett mit sich zu tragen. Der Aberglaube könnte in diesem Sinne als eine Art Zusatzversicherung zum Gottvertrauen betrachtet werden. «Das ist für jeden individuell. Es ist ein Prozess, in dem die Vernunft den Glauben reinigt und der Glaube die Vernunft. Mir ist etwas Aberglaube viel lieber als eine sture Rechthaberei und fundamentalistisches Denken», meint der Buchser Pfarrer. Der Aberglaube wird nicht mehr nur mit Negativem assoziiert und kommt nicht mehr einem Widerspruch der Kirche gleich. «Schwarz-Weiss-Denken ist im Bereich des Glaubens nicht hilfreich», stellt Patrick Siegfried klar und ergänzt in seiner Ausführung: «Wenn ich als evangelischer Pfarrer von Kirche spreche, meine ich eine Gruppe von Menschen, die an Jesus Christus und seine Auferstehung glauben. Dazu gehören viele Kirchen, Gruppen und Gemeinschaften.» (ms)

07. Jul 2019 / 00:00
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