• Irene Ospelt, Vaduz
    Irène Ospelt, Präsidentin des Soroptimist International Club Liechtenstein.  (Tatjana Schnalzger)

«Gewalt geht alle etwas an»

Für rund drei Stunden werden Regierungs- und Landtagsgebäude heute in Orange erstrahlen – dies aufgrund des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Mit der Aktion soll eine hellere Zukunft frei von Gewalt symbolisiert werden. Der Soroptimist Int. Club Liechtenstein hat die Aktion organisiert.

Heute ist der Tag der Gewalt gegen Frauen. Sie nehmen an der sogenannten «Orange the World»-Aktion teil. Wie läuft diese heutige Aktion genau ab?
Irène Ospelt: Die Idee zu dieser Aktion ist im Rahmen der Erarbeitung unseres Jahresprogramms entstanden. Wir wollten das wichtigeThema «Gewalt gegen Frauen» in den Mittelpunkt stellen und ein Zeichen setzen. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, die Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» zu unterstützen. Diese startet am 25. November, dem Internationalen Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen. Weltweit werden an diesem Tag Gebäude und Wahrzeichen in Orange getaucht, um eine hellere Zukunft frei von Gewalt zu symbolisieren. Diese Aktion fanden wir so toll, dass wir sie auch in Liechtenstein umsetzen möchten. Deshalb haben wir den Kontakt zur Regierung gesucht, bei der wir sofort auf offene Ohren gestossen sind. Am 25. November werden nun auch das Regierungs- und Landtagsgebäude von 17.30 bis ca. 20 Uhr mit Hilfe von Scheinwerfern in Orange getaucht. Es findet ein kurzes offizielles Programm statt, dem auch der Regierungschef wie auch Jasmine Andres-Meier beiwohnen, bevor wir uns anschliessend bei Orangenpunsch und Kuchen austauschen. Jeder ist herzlich zu diesem Anlass eingeladen. Gewalt ist eine Menschenrechtsverletzung. Und das geht jeden etwas an  – nicht nur Frauen.

Der Soroptimist Club Liechtenstein kämpft unter anderem für die Verbesserung der Rechte der Frau, weshalb er diese Aktion mitträgt. In welcher Form können und wollen Sie hier einen Beitrag leisten, das Leben von Frauen und Mädchen positiv zu beeinflussen?
Wir setzen uns für die Wahrung hoher ethischer Werte sowohl im Beruf als auch in allen anderen Lebenslagen, die Rechte aller Menschen, besonders für die Verbesserung der Rechte der Frau, die Vertiefung der Freundschaft und der Zusammengehörigkeit der Soroptimistinnen aller Länder und für die Förderung von Hilfsbereitschaft und menschlichem Verstehen ein. Dabei unterstützen wir sowohl Projekte im In- wie auch im Ausland. Anlässlich unseres Weihnachtsmeetings legen wir fest, wem unsere alljährliche Kollekte zugute kommt. Ein Projekt, das ich gerne erwähnen möchte, ist das sogenannte «Eselprojekt» in Äthiopien. Ich war selber kürzlich vor Ort und durfte miterleben, dass es nicht vielem bedarf, um Frauen wichtige Unterstützung zukommen zu lassen: Ein Esel und ein Wagen helfen dabei, dass sie sich selbst helfen können.

Reicht eine Sensibilisierungskampagne wie die «Orange the World»-Aktion Ihres Erachtens aus, um Gewalt gegen Frauen und Mädchen einzudämmen? Was müsste in Ihren Augen sonst noch getan werden?
Natürlich ist die Aktion letztlich nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Aber es ist trotzdem mehr als Nichts. Es ist eine wichtige Möglichkeit, Frau und Mann gleichermassen für das Thema Gewalt zu sensibilisieren. Die Aktion soll dazu verhelfen, dass die Menschen kurz innehalten und sich darüber bewusst werden, wie schnell man selbst – unabhängig von Alter, Rasse, Religion oder Geschlecht – zum Täter werden kann. Vor allem in Bezug auf die verbale Gewalt sind sich die wenigsten bewusst, wie viel Schaden damit angerichtet werden kann. Gewalt, physisch oder psychisch, macht krank. Und dass wiederum hat langfristige Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft und verursacht enorm hohe Kosten, die wir alle bezahlen müssen. Insofern bin ich sehr dankbar, dass die Regierung diese Aktion unterstützt und damit zeigt, dass sie sich der Bedeutung der Auswirkungen des Themas Gewalt durchaus bewusst ist. So ist es auch enorm wichtig, dass es eine gesetzliche Handhabe gibt. Zur Unterstützung der Opfer. Und zur Abschreckung der Täter.

Der Name ist bei den Mitgliedern auch Programm: Er ist Anspruch an das eigene Verhalten im Privat- aber auch im Berufsleben. Was bedeutet dies konkret im Alltag für eine Soroptimistin?
Der Club wurde 1991 gegründet und besteht aus 29 berufstätigen Frauen. Uns geht es darum, Gutes zu tun, uns Wissen anzueignen und und positiv auf andere Menschen «abzufärben». Es geht darum, respektvoll mit seinen Mitmenschen umzugehen und darauf aufmerksam zu machen, dass jeder von uns dies tun kann und tun sollte. So nehmen wir eine Vorbildfunktion ein – und das nicht nur innerhalb der eigenen Familie.

Wird die Aktion «Orange day» im kommenden Jahr wiederholt?
Ja, das ist auf jeden Fall geplant. (dv)

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24. Nov 2018 / 21:38
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