• money for startup, business concept
    «Spare in der Zeit, dann hast du in der Not» (Bild:iStock)  (anyaberkut)

Geiz als neuer Lebensstil?

Den Ruhestand mit 30 oder 40 Jahren schon geniessen – davon träumen viele. Die sogenannten Frugalisten erfüllen sich diesen Traum.

Frugalisten sind die Füchse unter den Sparern. In kürzester Zeit versuchen sie, ein Vermögen aufzubauen, damit sie möglichst früh aus dem Job aussteigen können.  Der Trend stammt aus den USA. Dort formt sich eine Strömung unter dem Begriffen «Fire», die Abkürzung für «Financial independence, retire early» und «Mustachianism», nach dem Vordenker «Mr. Money Mustache». Der Begriff «Frugalist» oder «Frugalismus» leitet sich vom Wort «frugal» ab und bedeutet bescheiden, genügsam, spärlich oder sparsam. Frugalist bezeichnet also eine äusserst sparsame Person.
Frugalisten geht es nicht um ein dickes Bankkonto oder darum, den Rest ihres Lebens die Füsse hochlegen zu können. Hinter dem Frugalismus steckt eine neue Lebensphilosophie. Es geht um Genügsamkeit, Konsumverzicht, Ressourcenschonung, Gesundheitsbewusstsein, Minimalismus und vor allem um finanzielle Unabhängigkeit – der Befreiung vom wirtschaftlichen Zwang zur Arbeit. Frugalisten wollen dem wachsenden Druck der Arbeitswelt entfliehen und unabhängig über ihr Leben entscheiden. 

Kosten reduzieren und investieren

Mit 30 oder 40 Jahren in Rente gehen – wie soll das funktionieren? Um dieses Ziel zu erreichen, verfolgen Frugalisten unterschiedliche Ansätze. In einem Satz zusammengefasst: Sie reduzieren ihre Ausgaben auf ein Minimum und investieren jeden Euro, den sie entbehren können. Dafür fahren sie Fahrrad statt Auto, wohnen in Wohngemeinschaften, kochen selbst, statt in Restaurants zu gehen, und Neues wird nicht gekauft, sondern geborgt oder zumindest gebraucht erworben. Sie verzichten auf Partys, Urlaube und Shoppen sowie auf jegliche Genussmittel wie Zigaretten oder Alkohol. Einige Frugalisten schaffen es so, bis zu 70 Prozent ihres Einkommens zu sparen.

Doch Frugalisten sparen nicht nur, sie investieren ihr Geld in Anleihen, Fonds und Immobilien – alles, was möglichst hohe Erträge generiert. Diese werden wiederum sofort reinvestiert.

Sparen heisst nicht verzichten

Das Wort «sparen» hat in der Regel einen bitteren Beigeschmack, wird es doch mit Verzicht und einer Verringerung der Lebensfreude gleichgesetzt. Denn ein langfristiges Vermögen in Aussicht zu haben, ist allgemein bei Weitem nicht so attraktiv, wie die Erfüllung eines kurzfristigen Verlangens. Frugalisten schaffen es jedoch, das Sparen positiv zu interpretieren. Sie überlegen sich bewusst, wofür sie ihr hart verdientes Geld ausgeben möchten und hinterfragen ihre Lebensgewohnheiten. Wer sich zum Beispiel morgens sein Müsli selbst zubereitet, statt ein Schokocroissant beim Bäcker zu holen, lebt nicht nur günstiger, sondern auch gesünder. Mit dem Fahrrad zu fahren, ist nicht nur sparsam, sondern umweltschonender und ein gutes Training. Die Frage, die sich Frugalisten im Leben stellen, ist nicht «Was kostet mich das?», sondern «Was bringt mir das?».

Frugalisten führen nicht nur während der Ansparphase einen sehr bescheidenen Lebensstil, sondern rechnen auch für die Ruhestandsphase mit geringen Lebenshaltungskosten. Wer mit Mitte 30 aussteigt, muss möglicherweise mehr als 60 Jahre von seinem angesparten Vermögen leben können. Allerdings streben Frugalisten nicht danach, möglichst früh die Füsse hochzulegen. Viele bleiben im Job, weil sie an der Arbeit Spass haben. Andere arbeiten Teilzeit oder projektweise – aber zu ihren Bedingungen. Wiederum andere machen sich selbstständig und verwirklichen ihre Träume. Die finanzielle Unabhängigkeit ermöglicht es ihnen, zu tun, worauf sie Lust haben und was sie erfüllt. Arbeiten zu können, es aber nicht zu müssen, darum geht es.

Nichts für Normalverdiener

Wer nun glaubt, ein paar Jahre arbeiten und ein bewusster Lebensstil genügen, um früh in Rente gehen und sein Leben geniessen zu können, der irrt. Denn nicht jeder kann es wie die Frugalisten machen und 70 bis 80 Prozent seines Einkommens sparen. Der frugale Lebensstil ist nur etwas für jene, mit einem verhältnismässig hohen Einkommen. Geringverdiener können die Sparrate kaum erreichen, um 20 Jahre vor dem gesetzlichen Rentenalter in den Ruhestand zu gehen. 

Um sich in wenigen Jahren ein nennenswertes Vermögen aufzubauen, sind Frugalisten auf Investitionen mit einer möglichst hohen Rendite angewiesen. Da führt kaum ein Weg an risikoreichen Anlageformen wie zum Beispiel Aktien vorbei. 
Trotzdem können sich auch Normalverdiener etwas vom frugalen Lebensstil abschauen. Wie man bewusster mit seinem Geld umgehen und wo man vor allem sparen kann, lesen Sie auf der folgenden Seite. (sms)

28. Okt 2018 / 00:00
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