•  (iStock)

Eine Welt ohne Verschwendung

Das neunköpfige Team von Too Good To Go Schweiz hat Grosses vor. Sie wollen eine Food-Waste-Revolution anführen, um die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und die Wegwerfmentalität zu stoppen. Denn jeder Einzelne kann ohne grossen Aufwand die Verschwendung von Lebensmitteln vermeiden.

Der Blick in den Kühlschrank am morgen verrät, dass es noch genügend Joghurt im Haus hätte, um den knurrenden Magen zu besänftigen. Eines müsste sogar bald schon gegessen werden, da das Mindesthaltbarkeitsdatum an diesem Tag verstreicht. Heute ist aber die Lust auf Müsli grösser. Und da man sich mit der Haltbarkeit von Lebensmitteln nicht gut auskennt, fällt die Entscheidung, das vermeintlich abgelaufene Joghurt in den Abfall zu werfen. 

«Von allen Umweltproblemen auf dieser Welt ist das Verschwenden von Lebensmitteln wohl das dümmste, da es absolut vermeidbar wäre», erklärt Delila Kurtovic, Medienverantwortliche von Too Good To Go Schweiz. Ihre Bewegung plädiert nicht dafür, dass jemand mehr essen oder die Produzenten weniger Nahrungsmittel produzieren sollen. «Wir sagen lediglich, dass man aufhören soll, gutes, leckeres Essen wegzuwerfen», führt Kurtovic aus. Ihre Eltern hätten ihr schon als Kind mit auf den Weg gegeben, dass Nahrung nicht in die Tonne gehört und sie ist sich sicher, dass viele andere Eltern diese Einstellung teilen. «Irgendwann aber sind wir als Gesellschaft falsch abgebogen», sagt die Medienverantwortliche von Too Good To Go Schweiz. Die Bewegung will die Bevölkerung nun wieder auf den richtigen Weg führen und laut der Medienverantwortlichen ist das nur mit einer Food-Waste-Revolution möglich. 

«Unsere Einstellung muss sich ändern»
«Too Good To Go ist nicht nur eine App. Wir sind eine europaweite Bewegung, die sich zur Lebensmittelrettung einsetzt – sei dies über die App oder durch andere Massnahmen», erklärt Kurtovic. So spielt in Frankreich beispielsweise die Too-Good-To-Go-Bewegung eine wichtige Rolle bei der Unter­schrif­ten­sammlung für die Petition zur Änderung des Gesetzes zum Mindesthaltbarkeitsdatum. «In Dänemark sind wir fleissig dabei, Lehrmittel zu entwickeln, die auf das Thema aufmerksam machen», erklärt sie. Auch in der Schweiz tut sich einiges: Die Bewegung hat sich mit Organisationen wie foodwaste.ch oder Tischlein deck dich zusammengetan, um die Bevölkerung gemeinsam zu sensibilisieren. 

 

Die selbsternannten Lebensmittelretter haben die Vision einer Welt ohne Lebensmittelverschwendung. Dies sei nicht nur möglich, sondern auf Dauer auch zwingend nötig, betont Kurtovic. «Hierfür muss aber etwas in den Köpfen der Menschen passieren. Wir, also die Konsumenten, sollten nicht erwarten, im Supermarkt ständig volle Regale bis kurz vor Ladenschluss anzutreffen.» Die Gesellschaft müsse lernen, den Wert der Nahrungsmittel zu schätzen und dass das Joghurt nicht weggeworfen werden müsse, sondern zuerst geschaut werden soll, ob es noch geniessbar wäre. «Uns muss bewusst sein, dass Ressourcen zur Produktion dieser Lebensmittel nötig waren», sagt sie weiter. 

Fünf einfache Schritte gegen Food Waste
Food Waste ist also etwas, wogegen jeder Einzelne etwas tun kann. Es gibt fünf einfache Schritte, die foodwaste.ch auf ihrer Webseite aufführt, die keinen grossen Aufwand verursachen, aber eine grosse Wirkung zeigen: Zuerst geht es darum, clever einzukaufen. Sprich, man soll nur jene Menge an Produkten in den Einkaufswagen legen, die man tatsächlich auch braucht. Eine auf die gesamte Woche ausgelegte Einkaufsliste kann hierfür nützlich sein. Auch der Blick in den Kühlschrank, bevor man in den Supermarkt geht, hilft, dass Produkte nicht doppelt eingekauft werden. 

Die optimale Lagerung ist der zweite Schritt. Denn das verlängert die Haltbarkeit der Lebensmittel. Essensreste sollen beispielsweise in durchsichtigen Behältern aufbewahrt werden – so gehen sie im Kühlschrank nicht vergessen. Verderbliche Lebensmittel wie Früchte und Gemüse sollten gut sichtbar ein Plätzchen im Kühlschrank finden. Alles, was neu hinein kommt, kann weiter hinten abgelegt werden. Damit Essensreste nicht im Müll landen, empfiehlt sich, kleinere Mengen zu kochen und zu servieren.

Ebenfalls nicht aussen vorgelassen werden darf der Spass am Kochen: Schritt vier besagt, dass man mit einfachen und kreativen Ideen an den Herd treten soll. So muss man nicht drei Tage hintereinander dasselbe zubereiten, sondern mit übrig gebliebenen Lebensmitteln lassen sich leichter Hand neue leckere Gerichte zaubern. Und als letzten Schritt schlägt foodwaste.ch vor, sein Essen zu lieben und dieses auch gemeinsam mit seinen Liebsten zu geniessen. (jka)

Zum Thema

In Dänemark wurde 2016 eine Idee geboren, die in einigen Ländern hohe Wellen schlägt. Too Good To Go sagt der Lebensmittelverschwendung den Kampf an. mehr...
03. Mär 2019 / 00:00
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Schloss Vaduz
Zu gewinnen 1 Ravensburger Puzzle Schloss Vaduz
30.04.2019
Facebook
Top