• Ecology friendly electric car charging station road sign
    Die Infrastruktur für die E-Mobilität ist noch nicht überall wirklich vorhanden.  (leskas)

E-Mobilität auf der Überholspur

Der Dieselskandal rüttelte die Autohersteller wie die Gesellschaft wach und verhalf dem Elektroauto zu einem Sprung nach vorne. Die Technologie schreitet immer weiter voran, um die elektrischen Fahrzeuge alltagstauglich für die Strassen zu machen. Jedoch gibt es noch einige Hürden zu nehmen sowie Fragen zu klären.

Am Genfer Autosalon im März wird Honda den Prototypen seines neuen Elektrofahrzeuges vorstellen. Der Autohersteller sieht vor, dass bis 2025 zwei Drittel der in Europa verkauften Einheiten Hybrid-, Plug-in-Hybrid- und Elektrofahrzeuge umfassen. Nicht nur Honda, auch Volkswagen hat bereits den elektrischen e-Golf auf den Markt gebracht und macht so die elektrische Mobilität für die Mittelklasse zunehmend attraktiver. Doch die hohen Preise sind ein Hindernis wie die erst teilweise vorhandene Infrastruktur (beispielsweise zu wenig Ladestationen). Zwar treiben Dieselverbote in deutschen Städten sowie Subventionen die Entwicklungen voran, trotzdem schraubte so ziemlich jeder Experte seine Prognose über die Anzahl der erwarteten elektrischen Fahrzeuge auf der Strasse zurück. In der Schweiz schafft vor allem der Kanton Thurgau als einziger in der Ostschweiz Anreize für den Kauf eines E-Autos.

Denn er subventioniert den Umstieg auf ein Elektroauto mit einer Prämie von 4000 Franken, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind. In St. Gallen werden Elektroautos über den Energiefonds lediglich in der Stadt gefördert. In der gesamten Schweiz machten die Autos mit einem elektrischen Antrieb laut dem Bundesamt für Statistik im Jahr 2017 einen Marktanteil von 5,1 Prozent aus. Während in Europa die Staaten die Subventionen und Förderungen von Elektroautos selbst in die Hand nehmen, ist dies in der Schweiz Sache der Kantone. 
65 Teslas in Liechtenstein
In Liechtenstein stellen die Life Klimastiftung und die Liechtensteinischen Kraftwerke in einem gemeinsamen Förderprogramm Anreize zur Anschaffung von elektrischen Fahrzeugen bereit. Laut der Motorfahrzeugkontrolle waren in Liechtenstein im vergangenen Jahr 237 Elektroautos zugelassen, wobei es sich um 65 Teslas handelte. Amtsleiter Otto C. Frommelt ist bezüglich der Zukunft der E-Mobilität optimistisch gestimmt: «Die Entwicklung in diesem Bereich wird mit Riesenschritten und grosser Geschwindigkeit weiter voranschreiten. Die Antriebe und Batterien werden sicherlich in der Zukunft noch leistungsfähiger, günstiger und leichter.»

E-Traktor in der Testphase

Die Entwicklung wird zudem kräftig von der Interstaatlichen Hochschule für Technik Buchs (NTB) vorangetrieben. Nachdem sie bei der Realisierung eines E-Dumpers beteiligt war, testet sie nun einen e-Traktor, der im Dezember den Swiss Innovation Award gewann. Dieses Jahr absolviert dieser einige Tests. «Ziel ist es, dass der e-Traktor einen halben Tag arbeiten kann. Jedoch spielt es noch eine erhebliche Rolle, wie er eingesetzt wird. Schliesslich ist es im Verbrauch ein Unterschied, ob er nur mäht oder gar pflügt», erläutert Maximilian Stöck, Dozent für Technische Mechanik und Produktentwicklung an der NTB. Die Produktion einer Kleinserie ist beim Hersteller bereits in Planung.

Maximilan Stöck geht davon aus, dass die E-Mobilität 2020 stark zulegen wird: «Autos werden eine Reichweite von 500 Kilometern erreichen und unter 50 000 Franken kosten – weisen also eine höhere Reichweite sowie einen geringeren Preis auf.» Der Schlüssel für die Preisreduktion liege seinen Erläuterungen zufolge in der günstigeren Herstellung der Batterie, die leichter geworden ist und deren Preis zugleich fällt. «Der Verbrennungsmotor hatte sich über Jahrzehnte entwickelt. Nun benötigt die neue Technologie ebenfalls Zeit, um zu reifen. Langsam wird es realistisch, dass der elektrische Antrieb den Verbrenner überholen könnte.»

Doch hat die elektrische Mobilität auch ihre Tücken. «Wichtig ist, dass man beim Aufladen der Batterie Strom aus erneuerbarer Energie bezieht, sonst bringt das alles nichts und die Ökobilanz könnte schlechter ausfallen als bei einem Dieselfahrzeug», mahnt Maximilian Stöck. 

Dagegen könnte eine eigene Photo­voltaik-Anlage Abhilfe schaffen. Denn eine Fläche von 30 Quadratmetern – was beispielsweise die Fläche eines Garagendachs sein könnte – würde laut des Experten Strom für 15 000 Kilometer Reichweite im Jahr produzieren. Die Autofirmen würden gar die Ladeanschlüsse für zu Hause liefern.

Gute Pflege – langes Leben

Die Lebensdauer einer Batterie hängt unter anderem davon ab, wie man sie pflegt. «Das ist Sache vom Hersteller», betont Maximilian Stöck. Die NTB beispielsweise erhöht die Lebensdauer von Batterien durch das Thermomanagement. Laut Stöck wäre die ideale Temperatur jeweils 25 Grad Celsius. Minusgrade würde sie gar nicht mögen und begrenze die Leistung. «Ein gutes Auto pflegt seine Batterie, angeschlossen an der Ladestation, selbst», so der Experte. Weiter rät er, die Batterie nicht voll aufzuladen und auch nicht ganz leer zu fahren. Das würde die Batterie schonen. Das Aufladen sollte bei jeder Gelegenheit erfolgen. «Mit den Lithium-Ionen Batterien ist es nicht mehr so, wie man früher immer sagte, dass sich die Batterie beim ersten Gebrauch völlig entleeren soll, bevor man sie wieder komplett auflädt. Das ist alter Käse.» Bei einigen Fahrzeugen könne man dies einstellen. Bei Tesla gäbe es die Funktion «Long range», dabei wird die Batterie vollständig geladen und während der Fahrt komplett leer gefahren.   «Damit kommt man sehr weit, jedoch begünstigt das nicht gerade die Lebensdauer der Batterie», erläutert Maximilian Stöck. Eine weitere Funktion «Long Life» würde dafür sorgen, dass sich die Batterie nicht komplett auflädt und somit auch nicht leergefahren wird. So hat man auch mal noch Reserve. 

Wie lange das Leben einer Batterie dauere, komme laut Maximilian Stöck auf die Marke an. «Aus meiner Sicht sollte eine Batterie heute lange leben. Die von BMW i beispielsweise weisen eine lange Lebensdauer auf, länger sogar als die von Tesla – natürlich nur unter denselben Bedingungen», äussert sich Maximilian Stöck. «Ziel ist es, dass eine Batterie dieselbe Lebensdauer wie das Fahrzeug aufweist. Da muss man bereits während der Konstruktion mit der Software damit beginnen.» Denn einer der grossen Kritikpunkte, wenn es um die Ökobilanz von Elektroautos geht, setzt dort an, dass nach einer gewissen Anzahl gefahrener Kilometer eine neue Batterie her müsse. Die Herstellung solcher Batterien würde die gesamte Ökologiebilanz der Fahrzeuge zunichtemachen.  (ms)

03. Feb 2019 / 00:00
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