• Home appliances. Gas cooker, tv cinema, refrigerator
    Jedes elektrische Haushaltgerät sendet Strahlen aus.  (Bet_Noire)

Die Ungewissheit bleibt bestehen

Mit der Diskussion um die 5G-Antennen erhielt die Frage, inwiefern die elektromagnetische Strahlung die Gesundheit beeinflusst, neuen Aufschwung.

Handys, WLAN, Bluetooth, Radio, Fernseher – eigentlich jedes elektrische Haushaltgerät weist elektromagnetische Felder auf. Das tun übrigens auch Naturphänomene wie Gewitterwolken, Blitze oder etwa das statische Magnetfeld, das die Erde komplett umschliesst. Jedoch liegt ein wesentlicher Unterschied  zwischen diesen und den künstlich erzeugten Strahlungsfeldern – nämlich in der Art und der Frequenz. 
Das Wort «Elektrosmog» hat sich als Sammelbezeichnung für alle technisch erzeugten elektrischen und magnetischen Felder durchgesetzt. Überall, wo Elektrizität erzeugt, transportiert und genutzt wird, entstehen elektrische und magnetische Felder. Mobil- und Rundfunksender sowie weitere Funkanwendungen erzeugen ebenfalls Strahlung, und das im hochfrequenten Bereich. In all diesen Fällen handelt es sich um nichtionisierende Strahlung (siehe Seitenspalte rechts) im Frequenzbereich zwischen 0 und 300 Gigahertz. Die elektromagnetische Strahlung ist unsichtbar und hat verschiedene Quellen.
  
Die Digitalisierung nutzen

Laut dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) ist die Anzahl der Mobilfunkgeräte in der Schweiz seit 1990 auf über 11 Millionen gestiegen. Das Volumen der Daten, die per Mobilfunk übertragen werden, haben von 2008 bis 2016 um das 375-fache zugenommen (siehe Grafik). Zudem vermutet das Bafu, dass die Belastung der ­Bevölkerung durch Elektrosmog unter diesen Umständen weiter ­zunehmen wird. Für den menschlichen Körper sind elektromagnetische Felder nichts neues, schliesslich verursacht er selbst mit seiner Körperfunktion elektrische Ströme. Zudem verfügt der Körper gemäss der WHO über ausgeklügelte Mechanismen, durch die er sich an die Einflüsse aus seiner Umwelt anpassen kann. Wie sich das auf die Gesundheit auswirken wird, bleibt weiterhin unklar, da wissenschaftliche Studien fehlen. Ausserdem lässt sich noch nicht sagen, inwiefern die elektromagnetische Strahlung die Umwelt beeinflusst. 

Ganz klar jedoch ist man sich ­darüber, die Chancen der Digitalisierung konsequent zu nutzen. Das bedeutet, dass die mobilen Dienste ständig verfügbar sein müssen und dafür ist ein Ausbau der drahtlosen Infrastruktur unausweichlich. Darum nimmt auch die hochfrequente Strahlung in der Umwelt zu. Für den Betrieb der Mobilfunknetze wurden laut Bafu bis Mitte 2018 an mehr als 18 500 Standorten Mobilfunkantennen aufgestellt. Zwar nimmt die Strahlung mit jeder neuen Generation von Mobilfunkgeräten ab, doch verdoppelt sich gleichzeitig das Datenvolumen jedes Jahr. Wie stark die Belastung dadurch steigt, ist laut dem Bafu nicht erforscht. Generell lässt sich jedoch sagen, dass in urbanen Gebieten die Belastung höher ist als in ländlichen Regionen, ausser in öffentlichen Verkehrsmitteln. Zudem hänge die Stärke der individuellen Belastung mit der persönlichen Nutzung mobiler Dienste ab.

Vorschriften zum Schutz

Um die Umwelt zu schützen, gibt es sogenannte Immissionsgrenzwerte der NISV (Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung). Sie sind international harmonisiert und schützen vor den bisher wissenschaftlich anerkannten Gesundheitsschäden von starker Strahlung. Sie berücksichtigen die Gesamtheit der an einem Ort auftretenden Strahlung und müssen überall eingehalten werden, wo sich Menschen aufhalten.

Ebenfalls gibt es Vorschriften in der Industrie, das sind die Anlagegrenzwerte der NISV. Dabei handelt es sich um Vorsorgegrenzwerte, welche auch die Strahlung einer einzelnen Anlage begrenzen, basierend auf dem Vorsorgeprinzip des Umweltschutzgesetzes. Anhand technischer, betrieblicher und wirtschaftlicher Kriterien sind sie festgelegt worden und müssen dort eingehalten werden, wo sich Menschen während längerer Zeit aufhalten. Folglich handelt es sich nicht um Unbedenklichkeitswerte und ihre Einhaltung garantiert auch nicht, dass sich gesundheitliche Auswirkungen ausschliessen lassen. Umgekehrt bedeutet es aber auch nicht, dass negative Auswirkungen auftreten, falls die Anlagegrenzwerte überschritten werden. Die Liechtensteiner Regierung hat im Jahre 2008 die Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung erlassen. Diese Verordnung begrenzt diese Strahlung, die beispielsweise von Hochspannungsleitungen, Mobilfunk- oder Rundfunksender ausgeht. 

 

«Möglicherweise kanzerogen» und kaum ausreichende Hinweise

Mit der zunehmenden Datennutzung und der Diskussion um 5G-Antennen treten laufend Unsicherheiten über die gesundheitlichen Auswirkungen der Strahlen auf. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) stufte die niederfrequenten elektromagnetischen Felder als «möglicherweise kanzerogen» ein, denn bis heute seien keine gesundheitsschädlichen Wirkungen einer Langzeit-Exposition durch schwache Hochfrequenz- oder Netzfrequenzfelder bestätigt worden. Die Einstufung soll auf neusten Untersuchungen basieren, schreibt die Krebsliga. Je nachdem könne bei einer über längere Zeit gemittelten Magnetfeldbelastung möglicherweise ein doppelt so hohes Risiko für Blutkrebs bei Kindern bestehen. 
 
Die Magnetfelder werden aber nicht höher eingestuft, weil der wissenschaftliche Beweis für eine krebserregende oder -fördernde Wirkung nicht genügend belegt wurde. Zudem ist bisher nicht bekannt, dass ein biologischer Me­chanismus, der von schwachen Magnetfeldern umgeben ist, eine krebserregende Wirkung erzeugen kann. Da sich aus diesen Gründen eine gesundheitliche Unbedenklichkeit prinzipiell nicht beweisen lässt, empfiehlt die Krebsliga einen zurückhaltenden Umgang mit niederfrequenten elektromagnetischen Feldern. Auch die hochfrequen­tierten Magnetfelder hat die WHO als «möglicherweise kanzerogen» eingestuft. Eine Expertengruppe kam zum Schluss, dass es lediglich ­limitierte Hinweise über einen Zusammenhang zwischen einigen Hirntumorarten und der Handy­nutzung gibt. Für andere Hirntu­mor­arten gäbe es noch keine ausreichenden Resultate, lediglich schwache Hinweise, die auf keinen konkreten Zusammenhang zwischen der Strahlung und Tumoren schliessen lassen. (ms)
03. Nov 2019 / 00:00
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
20. November 2019 / 14:59
20. November 2019 / 12:14
Aktuell
20. November 2019 / 14:59
20. November 2019 / 12:14
20. November 2019 / 10:00
20. November 2019 / 07:57
20. November 2019 / 07:02
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
the gospelt
Zu gewinnen 3 x 2 Tickets für das Konzert - The Gospel People (USA) am Sonntag, 22. Dezember , 17 Uhr im Vaduzersaal.
11.11.2019
Facebook
Top