• Trauben Frümsen 1503 zweifarbige Trauben
    Tressor Panache, eine zweifarbige Traubensorte, teilweise sogar auf der selben  (Rudi Schachenhofer)

Die Schatzkiste am Rebberg

Der Rebberg in Frümsen gehört zu den grössten Sortengärten der Schweiz. 415 Sorten hat der Verein arca vitis in rund 20 Jahren zusammengetragen.

Am 5. Juni 1992 wurde in Rio de Janeiro die Biodiversitätskonvention unterzeichnet. Die Konvention, die am 29. Dezember 1993 in Kraft trat, zählt mittlerweile 196 Vertragspartner, darunter auch die Schweiz. Sie umfasst drei Ziele: Den Schutz der biologischen Vielfalt, die nachhaltige Nutzung deren Bestandteile und die Regelung des Zugangs sowie den gerechten Ausgleich der Vorteile, welche aus der Nutzung der genetischen Ressourcen entstehen.
 
Wenn man von biologischer Vielfalt oder Biodiversität spricht, geht es darum, die Artenvielfalt, die genetische Vielfalt innerhalb einer Art und die Vielfalt der Ökosystem zu erhalten. Im Staatswingert Frümsen kümmert sich die Fachstelle Weinbau des Kantons St. Gallen mit Sitz am Landwirtschaftlichen Zentrum SG Rheinhof in Salez um den Erhalt, die Pflege und den Ausbau eines Rebsortengartens. «Der Staatswingert Frümsen dient in erster Linie den rund 400 Winzern im Kanton St. Gallen als praktischer Weiterbildungsort», erklärt Markus Hardegger, Leiter der Fachstelle Weinbau und Präsident des Vereins arca vitis. 

Den Sorten auf der Spur

Vor etwa 20 Jahren hatten er und einige Berufskollegen die Idee, aus dem Staatswingert in Frümsen mehr zu machen. Schon damals gehörte ein Sortengarten mit 80 bis 100 Sorten zum Wingert. Mittlerweile sind auf dem Rebberg in Frümsen 415 Rebsorten zu finden. «Herzstück des Gartens sind die 136 alten Sorten, die ursprünglich, also im 18. und 19. Jahrhundert, in der Schweiz angebaut wurden», erzählt der Agronom. Insgesamt gibt es davon 146. Diese ausfindig zu machen, hat sich der Verein arca vitis zur Aufgabe gemacht. Eine schwierige, wie sich herausstellte, doch glücklicherweise gibt es immer wieder Personen, die sich für solche Themen begeistern können. So auch Dr. Marcel Aeberhard, der jahrelang Literatur zu Rebsorten aus ganz Europa gesammelt hat. «Auf diesem Wissen konnten wir unsere Recherchen aufbauen.» Auch in der Region suchte der Verein – auf Bauernmärkten, direkt bei den Weinbauern, über den Liechtensteiner Verein Hortus und die Medien. «Über alte Karten, auf denen alte Rebberge eingezeichnet waren, konnten wir einige Sorten ausfindig machen, die heute noch wild im Wald wachsen», sagt Markus Hardegger. 

Hunderten von Hinweisen aus dem Kanton St. Gallen und dem Fürstentum gingen die Vereinsmitglieder nach. «Die Sorten zu bestimmen, ist eine Herausforderung und eine richtige Detektivarbeit», weiss der 
Vereinspräsident. Er selbst habe während seines Studiums etwa 30 bis 40 Sorten kennengelernt – lediglich einen Bruchteil. Kleinste Unterschiede in den Blättern, Trauben und den Stöcken differenzieren die Sorten. «Um diese zu bestimmen, haben wir mehrere Experten angefragt, sogenannte Ampelographen, also ‹Rebsortenkenner›», erzählt Markus Hardegger. Um das gesammelte Wissen weiterzugeben, führt der Verein Sortenbestimmungskurse durch.

Stolze Sammlungen

Neben den alten Schweizer Rebsorten gibt es noch vier weitere Quartiere im Staatswingert. «Im zweiten Quartier haben wir unsere Einführungssammlung. Diese besteht aus 30 bis 40 Sorten, die wir nicht eindeutig bestimmen können.» Das dritte Quartier besteht mehrheitlich aus Merlot- und Pinot-Typen aus Frankreich, Italien und Österreich. «Das sind unsere Vergleichssorten und ist zugleich unsere Spezialsammlung. Dieser gehören ausserdem einige Kuriositäten an», verrät der Experte. 

Das vierte Quartier des Staatswingerts besteht aus rund 20 Sorten, vorwiegend Neuzüchtungen, die wenig krankheitsanfällig sind. «Das sind unsere Biosorten, die wir mit Magermilch und Backpulver gegen Mehltau behandeln.» Im fünften Quartier hat der Verein verschiedene Muskat-Typen. «Rund 200 aus der ganzen Welt. Die Muskat-Rebe ist übrigens eine der ältesten Sorten», weiss Markus Hardegger. Zu der Sammlung gehören ausserdem rund 40 Sorten aus Deutschland. «Eine Absicherung, weil diese in ihrer Heimat gefährdet sind.»

Es wird auch gekeltert

Der Staatswingert in Frümsen ist 170 Aren gross und zählt rund 8000 Rebstöcke. Mit seinen 415 Sorten gehört er zu den grössten Sammlungen der Schweiz. Ziel der Fachstelle und des Vereins ist es zwar, die alten Schweizer Rebsorten für die Nachwelt zu erhalten. «Selbstverständlich werden aus den Trauben auch Weine gekeltert», bestätigt der Agronom. Der Wingert wird seit Jahrhunderten mit der heimischen Traubensorte Pinot Noir (Blauburgunder) und der weissen Sorte Müller-Thurgau (Riesling-Silvaner) bestockt. «Wir lassen aus rund 120 Aren, das sind etwa 600 Rebstöcke, sechs verschiedene Weine herstellen. Das ist der Produktionsrebberg. Aus dem Sortengarten, der rund 50 Aren und 2000 Rebstöcke umfasst, lassen wir Traubenschorle oder Traubenbrand herstellen», freut sich Markus Hardegger. (sms)

30. Sep 2018 / 00:00
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