• Mother changing infant's diaper
    Kinder älterer Mütter werden in stabilere Verhältnisse hineingeboren.  (Christoffer Askman)

Die Mütter werden immer älter

In der Schweiz ist jede dritte Mutter bereits über 35 Jahre alt, wenn sie ihr erstes Kind bekommt. Verhütungsmittel und künstliche Befruchtung ermöglichen heutzutage eine genaue Familienplanung.

Mutter werden mit über 40? Das ist heute schon ziemlich normal. In der Schweiz ist jede dritte Mutter mindestens 35 Jahre alt, wenn sie ihr erstes Kind bekommt. Damit gehören die Schweizer Mütter, nach den italienischen, zu den ältesten Europas. In den 70er- Jahren betrug der Anteil der über 35-jährigen Mütter noch 11,3 Prozent. Damals galten Frauen ab 30 bereits als «spätgebärend». Heute bekommen noch über 50-Jährige Kinder, wie zum Beispiel Popsängerin Janet Jackson oder Schauspielerin Caroline Beil. Ein Grund für das steigende Alter der Mütter ist die Karriere. Vor allem Frauen mit einer höheren Ausbildung verschieben ihren Kinderwunsch gern nach hinten. Sie wollen sich nach einer langen Ausbildung erst einmal beruflich etablieren und sich finanziell absichern, bevor sie schwanger werden. In einer Studie der Universität Hannover gaben Frauen ausserdem an, dass sich Kind und Karriere nur schwer vereinen liessen. Daher wird das Thema gern auf die lange Bank geschoben. Übrigens nicht nur von den Frauen, sondern auch von den Männern.

Die Medizin macht’s möglich

Dank moderner Verhütungsmittel lassen sich Kinder und Familie heutzutage tatsächlich planen. Und dank der Fortschritte in der Reproduktionsmedizin ist es Frauen möglich, sich ihren Kinderwunsch noch bis ins fünfte Lebensjahrzehnt hinein zu erfüllen. Tatsächlich steigt das Alter der Klientinnen in den Kinderwunschzentren. Auch der veränderte Lebensstil trägt heute dazu bei, dass Frauen jenseits der 40 noch schwanger werden können. Heute leben Frauen gesünder und sind somit biologisch fitter. Zum Beispiel rauchen sie weniger, was die Chancen, noch mit Ende 30, Anfang 40 schwanger zu werden, erhöht. 
Das ideale Alter, um möglichst ohne Komplikationen ein Kind zur Welt zu bringen, liegt jedoch nach wie vor zwischen 20 und 30 Jahren. Bereits ab dem 25. Lebensjahr sinkt die Fruchtbarkeit der Frauen rapide. Bis dahin besteht pro Zyklus die Möglichkeit, schwanger zu werden, bei etwa 30 Prozent, ab 40 sind es nur mehr 5 Prozent. Und auch die Qualität der produzierten Eizellen lässt nach. Das erhöht das Risiko für Früh- oder Fehlgeburten. Jede dritte Schwangerschaft ab 40 endet in einer Fehlgeburt. Die Wahrscheinlichkeit, ein Kind mit Downsyndrom zu bekommen, steigt bis 45 auf 1:20.

Auf medizinischem Weg schwanger zu werden ist kein Zuckerschlecken. Viele Paare unterschätzen, wie emotional anstrengend diese Prozeduren sein können. Nicht wenige brechen die Behandlungen ab, weil sie die Belastung nicht mehr ertragen können, und manche Beziehungen zerbrechen gar daran. Zudem kostet die künstliche Befruchtung viel Geld. In der Schweiz bewegen sich die Kosten für die Behandlungen zwischen 6000 und 10 000 Franken pro Versuch. Die Krankenkassen übernehmen dabei keine Kosten. 

Bessere Voraussetzungen 

Das späte Mutterglück hat aber auch Vorteile. Denn ältere Mütter sind reifer, leben in stabilen Verhältnissen und haben in den meisten Fällen ein geregeltes Leben. Ihre Kinder werden in ein stabiles Umfeld hineingeboren. Frauen, die das Gefühl haben, ihre beruflichen Ziele bereits erreicht zu haben, können sich entspannter auf ihren Nachwuchs konzentrieren. Allerdings übertreiben es gerade ältere Mütter mit ihrer Fürsorge gern. Besonders, wenn der Weg zum Kind ein steiniger war, neigen die Eltern dazu, zu sogenannten «Helikoptereltern» zu mutieren. Sie  gehen dabei das «Projekt Kind» gern mit demselben Ehrgeiz an wie zuvor ihren Job. Die Erwartung an den Nachwuchs ist oft grösser als bei jungen Müttern. 
Trotzdem sind diese Kinder einer Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung zufolge meist gesünder, gebildeter und selbstbewusster. Der in der Regel gesunde Lebensstil älterer Mütter gleicht mögliche Nachteile einer späten Geburt aus. Und: Spät noch ein Kind zu bekommen, hält wiederum die Eltern jung. (sms)

12. Mai 2019 / 00:00
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